vergrößernverkleinern
Er hat schon gespielt für deutsche Auswahlen: Trotzdem könnte Özil noch zur Türkei wechseln © getty

Nächste Runde im Zerren um Mesut Özil: Werders Klaus Allofs fordert vom DFB, sich stärker um den Deutsch-Türken zu bemühen.

München - Jetzt melden sich die Verantwortlichen aus dem Klub noch vehementer zu Wort:

In der Diskussion um das erneute Buhlen der Türkei um die Dienste von Bremens Mesut Özil fordert Werder-Sportchef Klaus Allofs ein größeres Engagement vom DFB - damit der Shootingstar fortan auch für die deutsche A-Nationalmannschaft aufläuft.

"Mesut fühlt sich als Deutscher. Es ist für uns keineswegs egal, für welches Land er spielt. Von deutscher Seite muss alles getan werden, ihn zu überzeugen, weiter für den DFB zu spielen", sagte Allofs in der "Bild".

Denn: Ob der 19-Jährige sein sportliches Glück außerhalb des Vereins tatsächlich schwarz-rot-golden sieht, ist längst nicht mehr sicher.

Altintop-Brüder als Lockvögel

Hintergrund: Der türkische Nationaltrainer Fatih Terim hat die Bundesliga-Brüder Halil und Hamit Altintop damit beauftragt, Özil zu umgarnen und zum EM-Halbfinalisten zu locken.

"Wir haben Hamit und Halil Altintop darum gebeten, uns in dieser Sache zu unterstützen", sagt der "Imperator", der nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche sogar persönlich Kontakt zu dem in Gelsenkirchen geborenen Özil aufgenommen hat:

Das sehen sie in Bremen und beim DFB nicht allzu gern. Werder-Trainer Thomas Schaaf hofft ebenso auf eine Özil-Zukunft im DFB-Trikot: "Es wäre besser, er würde für unser Land spielen. U21-Trainer Dieter Eilts wird mit Mesut reden. Er ist sicher auch bald Thema für die A-Nationalelf.?

Auch Löw bekundet Interesse

Özil selbst soll laut Terim um Zeit gebeten haben, über seine Situation nachzudenken: "Wir erwarten seine Entscheidung in den nächsten Tagen", sagt der türkische Auswahlcoach.

Gerüchten, wonach Özils Vater eine Stammplatzgarantie für seinen Sohn eingefordert hat, trat Terim beim türkischen Fernsehsender "LigTV" indes entgegen:

"Sein Trikot steht bereit, wenn er will, kann er es haben. Ich werde aber nicht zulassen, und damit meine ich nicht nur Mesut und seinen Vater, dass über das Nationaltrikot verhandelt wird."

Özil schweigt

Özil selbst hat sich in den vergangenen Tagen zu dem heiklen Thema einen Maulkorb verpasst.

Bei den Pressegesprächen am Rande der Vorbereitungen der deutschen U-21-Nationalmannschaft für die EM-Play-off-Spiele gegen Frankreich am Freitag in Magdeburg und fünf Tage später in Metz (beide 19 Uhr, live im DSF) ist das Thema türkische Nationalmannschaft tabu.

Löw versucht zu entspannen

Das Gezerre um Özil soll im Zuge der Qualifikation für die EM 2009 in Schweden bei der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht zum Störfaktor werden. "Wir tun gut daran, das Thema jetzt zurückzustellen. Das sind zwei ganz extrem wichtige Spiele für die U21", sagt Bundestrainer Löw, der aber ein Gespräch mit Özil ankündigte.

"Logischerweise haben wir ihn zuletzt ein paar Mal gesehen und machen uns Gedanken. Aber das darf weder für ihn noch für uns im Moment ein Thema sein."

Doch im Hintergrund wird von Seiten des türkischen Verbandes TFF wie bereits schon einmal vor zwei Jahren eifrig um Özil gebuhlt, wohlwissend, dass der gläubige Moslem trotz bislang acht absolvierter Pflichtspiele für die DFB-Junioren noch immer für die "Milliler" spielberechtigt wäre.

Noch ein Jahr Zeit

Weil Özil das 21. Lebensjahr noch nicht erreicht hat, könnte er laut FIFA-Statuten noch für das Heimatland seiner Eltern spielen. Dass Özil beharrlich schweigt, liegt wohl auch daran, dass er mögliche Avancen durch den türkischen Verband seit längerem völlig ausgeblendet hat.

Das offensive Vorgehen von Fatih Terim hat ihn überrascht. Denn eigentlich hat sich Özil wie zuvor auch schon der Stuttgarter Serdar Tasci längst für den DFB entschieden. Seinen türkischen Pass hat er beim Konsulat bereits abgegeben, die Ausbürgerung aus der Türkei ist beantragt.

Auch sein Vater, der im Alter von zwei Jahren von Anatolien in den Ruhrpott gekommen ist, riet ihm stets dazu, für sein Geburtsland zu spielen.

Höheres Ansehen

Und sein Ansehen bei den sportlich Verantwortlichen des Verbandes ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen - nicht erst seit Özils traumhaft erzielten ersten Saisontors beim 5:2 gegen die Bayern.

Vergessen ist das Transfer-Gerangel bei seinem Wechsel von Schalke 04 zu Werder Bremen und sein laxes Auftreten bei der U-19-Europameisterschaft, das noch für Unmut gesorgt hatte.

"Er hat eine ganz interessante Entwicklung durchgemacht. Ich habe ihn eigentlich immer relativ kritisch gesehen, weil mir seine Körperhaltung und seine Körpersprache nicht gefallen hat. Fußballerisch war schon immer zu erkennen, dass er außergewöhnlich ist", sagte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer bei "Premiere".

Allofs: Nur noch Frage der Zeit

Halil Altintop meint zwar: "Ich denke er wird innerhalb von ein bis zwei Monaten eine für die Türkei positive Entscheidung treffen."

Doch für Allofs ist es ohnehin "nur eine Frage der Zeit, bis Mesut in der deutschen Nationalmannschaft landet".

Für welches Land sollte Özil spielen? Diskutieren Sie mit in der Sport1.de-Community!

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel