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Wie lange dauert ihre Zusammenarbeit? Manager Michael Preetz (l.) und Trainer Friedhelm Funkel © getty

Nach dem Fast-Abstieg und Fan-Randale sind die Tage des Hertha-Trainers gezählt. Womöglich fliegt Funkel schon diese Woche.

Von Christian Paschwitz

München - Allein nach außen demonstrieren sie tapfer Solidarität und Geschlossenheit. Vor allem Michael Preetz:

"Keine Trainer-Diskussion führen" wolle er als Manager von Hertha BSC und betonte nach dem 1:2 im Kellerduell gegen den 1. FC Nürnberg trotzig:

"Wir kämpfen und geben nicht auf."

Tatsächlich weiß aber auch Preetz, dass Friedhelm Funkels Tage gezählt sind beim Berliner Fast-Absteiger.

Zu sehr ist der Kredit des 56-Jährigen aufgebraucht: Bei den Fans schon lange, inzwischen jedoch auch bei Herthas Klubbossen.

Zehn Versuche - kein Heimsieg

Am Sonntagnachmittag trafen sich laut "Berliner Morgenpost" Präsidiumsmitglieder zur Krisensitzung.

Dass dabei nicht nur über die Stadion-Randale nach der Pleite gegen Nürnberg gesprochen wurde, liegt auf der Hand.

Es geht vielmehr um Funkels desaströse Bilanz: Nur magere zwölf Zähler aus 18 Liga-Spielen hat die Hertha unter Funkels Leitung eingefahren - ein Heimsieg in zehn Anläufen war nicht dabei.

0,7 Zähler pro Partie

Ohnehin nimmt sich die vom Trainer in der Winterpause angekündigte Aufholjagd angesichts von 0,7 pro Partien wie ein Treppenwitz aus. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der Abstand zu Platz 15 beträgt bereits neun Punkte, der Relegationsplatz ist nur einen Zähler näher. Kein Wunder also, dass die Klub-Verantwortlichen Funkels Nachfolge beschäftigt.

Seinen Rücktritt schließt der zwar nach wie vor aus. Womöglich jedoch muss der Fußball-Lehrer bereits in dieser Woche gehen.

Kommt tatsächlich Röber?

Dass für Funkel spätestens am Saisonende der Vorhang fällt, ist in Berlin ohnehin ein offenes Geheimnis.

Nach "kicker"-Informationen wünschen sich einzelne Präsidiumsmitglieder jetzt schon einen Wechsel auf der Bank: Als Übergangslösung wird auch der Name Jürgen Röber diskutiert, denn:

Der Verein möchte wenigstens die ausbleibenden acht Spiele gegen die Hochkaräter Wolfsburg, Stuttgart, Leverkusen, Schalke und den FC Bayern mit Anstand über die Bühne bringen.

Für einen Neuanfang in der Zweiten Liga indes wäre Röber aber wohl das falsche Gesicht - sowieso ist fraglich, ob der Aufstiegstrainer von 1997 dazu bereit wäre.

Rekdal als Symbolfigur für bessere Zeiten

Mit den Nachwuchstrainern Karsten Heine oder Rene Tretschok gibt es dafür zwei interne Alternativen.

Den Fans, die vor einem Jahr noch von der Meisterschaft träumen durften, würde ein Kandidat aus besseren Hertha-Zeiten aber wesentlich mehr Hoffnung geben im Falle eines Absturzes in die Zweite Liga nach 13 Jahren im Oberhaus.

Berliner Medien bringen bereits Kjetil Rekdal in Position: Der Norweger hatte den Hauptstadt-Klub als Kapitän 1998 zum ersten und einzigen Mal in die Champions League geführt.

Allerdings: Sein Trainer-Engagement beim 1. FC Kaiserslautern hatte Rekdal 2008 nach nur wenigen Monaten mit Pauken und Trompeten in den Sand gesetzt.

Auch Oenning denkbar

Denkbar als Funkel-Nachfolger ist auch ein Kandidat, der die Zweite Liga kennt: Auf dem Markt wäre zum Beispiel Michael Oenning, der im Vorjahr mit dem 1. FC Nürnberg ins Oberhaus aufstieg, im Dezember aber Dieter Hecking weichen musste.

In der Mannschaft ist der Glaube an ein "blau-weißes Wunder" vom Klassenerhalt (Preetz) fast ganz verschütt gegangen:

"Wir haben die Saison versaut", bekennt Kapitän Arne Friedrich und ergänzt: "Die Chancen auf den Klassenerhalt liegen bei fünf bis zehn Prozent."

Bei Abstieg: Sofort wieder rauf das Ziel

Das Ziel im vorgezeichneten Horror-Fall Bundesliga-Abstieg ist derweil schon formuliert:

Die Hertha würde mit der Vorgabe "sofortiger Wiederaufstieg" in die neue Saison gehen.

"Das ist unsere Verpflichtung. Wir werden bis Mitte April ein schlüssiges Konzept für die Zweite Liga vorlegen", kündigte Präsident Werner Gegenbauer an.

Der Ausverkauf droht

Schlecht ist jedoch die Perspektive hinsichtlich des Zusammenhalts des gegenwärtigen Kaders:

Nationalspieler und Best-Verdiener wie Friedrich, Jaroslav Drobny (Vertrag läuft ohnehin aus), Gojko Kacar, Cicero, Raffael und Theofanis Gekas werden kaum in Liga zwei kicken.

Der Verein werde es trotzdem schaffen, für die kommende Saison eine wettbewerbsfähige Mannschaft aufzustellen, erklärte Gegenbauer im "rbb-Sportplatz".

Etat würde sich fast halbieren

Die Etat-Planung des Klubs, den geschätzten 35 Millionen Euro Verbindlichkeiten drücken, würde dabei von 70 Millionen Euro auf rund 40 Millionen Euro deutlich abgespeckt werden.

Die Personalkosten dürften von 30 Millionen auf 18 Millionen Euro zusammenschrumpfen.

Dass der Fall nach unten Hertha in den Ruin treiben könnte, verneinte der für die Finanzen zuständige Geschäftsführer Ingo Schiller im "kicker": "Ich kann ausschließen, dass der Abstieg die Existenz des Vereins gefährden würde."

Favre-Entlassung, schlechte Transferpolitik

Um Diskussionen wird Preetz dennoch nicht umhin kommen. Recht sicher auch nicht über die seiner eigenen Rolle.

Nach seiner ersten Saison als verantwortlicher Manager, in der Preetz für eine katastrophale Transferpolitik steht und die Entlassung von Funkel-Vorgänger Lucien Favre, ist keineswegs bloß Funkels Position enorm geschwächt.

Gegenbauer gibt Preetz Job-Garantie

Aktuell gewährt Gegenbauer Geschäftsführer Preetz aber noch Rückendeckung: "Da gibt es überhaupt keine Änderung."

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