vergrößernverkleinern
BVB-Boss Hans-Joachim Watzke zeigt sich enttäuscht über die Kritik der eigenen Fans
Hans-Joachim Watzke ist seit 2005 Geschäftsführer von Borussia Dortmund © getty

Der BVB-Geschäftsführer kritisiert den Chef der deutschen Polizeigewerkschaft. Von dessen Vorschlägen ist er nicht überzeugt.

Hamburg - Als am Samstag im Berliner Olympiastadion nach dem Schlusspiff Chaoten das Spielfeld stürmten, ahnte Andreas Birnmeyer bereits, was in den folgenden Tagen auf ihn zukommen würde.

"Jetzt werden doch wieder alle Fußballfans über einen Kamm geschoren", fürchtet der Geschäftsführer des Supporters Club beim Hamburger SV, "die vorschnellen Schlüsse von Vertretern der Polizeigewerkschaft sind vollkommen daneben und werden nichts bringen."

Forderungen stoßen auf Skepsis

Nacktscanner an den Stadiontoren, Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ausschließlich Sitzplätze in den Arenen, reduzierte Gästekontingente bei den Tickets - die veröffentlichten Forderungen zu mehr Sicherheit in den Arenen kamen wieder reflexartig.

Und stoßen auf breite Ablehnung unter denen, die täglich mit Fans zu tun haben.

"Von aussperren, verbieten und verbannen bin ich nicht überzeugt", sagt Oliver Scheel, Vorstandsmitglied beim Hamburger SV für die Mitglieder- und Fanbelange.

"Das ist Unfug und populistisch"

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, ist ebenfalls wenig angetan von den jüngsten Vorschlägen: "Das ist Unfug und populistisch."

Insbesondere auf den Chef der deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, ist Watzke nicht gut zu sprechen: "Wenn ich sehe, dass er sich wie ein Innenminister aufspielt und zu allem seinen Senf dazu gibt, platzt mir der Kragen."

Das immer wieder angeführte Argument, Stehplätze abzuschaffen, halten Fanvertreter für Unsinn.

In Berlin kamen die Randalierer aus einer Sitzplatzkurve, es gibt keine Stehplätze.

"War Hertha vorbereitet?"

In Dortmund steht dagegen mit 24.454 Plätzen die größte Stehtribüne Europas. Und es passiert praktisch nichts. Auch in der Nordkurve beim HSV geht es überwiegend friedlich zu.

Birnmeyers Supporters Club vertritt über 50.000 organisierte Fans des Bundesligisten.

"Natürlich waren die Aktionen in Berlin vollkommen daneben, das geht nicht, da sind sich alle einig", sagt er, "aber man muss sich natürlich auch fragen, wie konnte das passieren, war Hertha vorbereitet? Und was sind die gesellschaftlichen Gründe dafür?"

Letztlich bilden sich im Fußballumfeld soziale Problematiken der Gesellschaft ab.

"Das ist kein Fußballproblem, sondern ein gesellschaftliches"

"Auch Jugendliche mit Schwierigkeiten in ihrer persönlichen Perspektive suchen Halt und Anerkennung in einem Umfeld, dass ihnen privat nicht gegeben ist", weiß Birnmeyer, "und dort erleben sie dann wieder Frust und Repressionen und fühlen sich in die Ecke gedrängt."

In die gleiche Kerbe schlägt Marco Blumberg, als Vorsitzender der Fanabteilung bei Borussia Dortmund sozusagen ein Kollege von Birnmeyer.

"Das ist kein Fußballproblem, sondern ein gesellschaftliches, die Hemmschwelle ist ohnehin gesunken, auch im Umgang mit fremden Sachen", meint er, "es kann aber nicht sein, dass 95 Prozent der Fans bestraft werden, wenn fünf Prozent Blödsinn machen."

Watzke wundert sich

Birnmeyer ist sich zudem nicht sicher, ob in Berlin im Vorfeld der Partie alles richtig gemacht wurde.

"Jeder wusste, dass die Partie gegen Nürnberg ein Entscheidungsspiel ist und es Probleme geben könnte. Hertha schien mir aber nicht vorbereitet", äußerte er sich.

Auch Watzke wundert sich über die Vorfälle im Olympiastadion: "Man muss auf die Tabelle schauen und sieht, welche Brisanz ein Spiel birgt. Wir haben Fanbetreuer, die Stimmungen und Strömungen schon weit im Vorfeld einschätzen. Deshalb passiert bei uns so etwas nicht."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel