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Martin Demichelis zog sich insgesamt fünf Brüche im Gesicht zu © imago

Erstmals nach seiner Gesichtsverletzung meldet sich Bayerns Abwehr-Ass zu Wort: Mit Wut im Bauch attackiert er den DFB-Kapitän.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Die Fäden sind seit Dienstag raus.

Doch sein Gesicht ist noch immer halbseitig taub - das Auge blau.

Wenn er versucht zu lächeln, macht seine rechte Lippenhälfte nicht richtig mit, weil auch ein Nerv noch beschädigt ist.

Amüsiert ist Martin Demichelis am Mittwochnachmittag sowieso nicht.

Beim Presse-Talk auf dem Trainingsgelände des FC Bayern äußert sich der Argentinier erstmals nach seiner schlimmen Verletzung, die er sich am 3. März im Länderspiel gegen Deutschland in München zugezogen hatte.

Und der 29-Jährige hat eine Menge Wut im Bauch - vor allem auf Michael Ballack.

Denn der deutsche Kapitän und Chelsea-Akteur war es, der "Micho" bei einem Zusammenstoß verletzte 209330(die Bilder).

Regungslos lag Demichelis danach am Boden. Er erlitt fünf Frakturen. Der Verteidiger wurde sofort operiert, Platten wurden ihm eingesetzt. Sogar Nationaltrainer Diego Maradona stattete ihm danach einen Besuch ab und fragte, wie es ihm geht.

Vom "Mensch" enttäuscht

Was Demichelis jedoch wütend und fassungslos macht: Ballack hat sich bis jetzt nicht bei seinem ehemaligen Teamkameraden gemeldet.

"Er ist ein großer Fußballspieler, aber über den Menschen Ballack muss man nichts sagen. Er hat sich bei mir nicht gemeldet, darüber bin ich natürlich sehr enttäuscht", sagt Demichelis.

Ballack und er seien in München "gute Kollegen" gewesen. "Wir haben drei Jahre zusammen gekämpft, da kann man schon mehr Mensch sein."

"Er hätte eine SMS schreiben, anrufen oder wenigstens einmal fragen können, wie es mir geht. Aber eigentlich war es keine Überraschung für mich, dass er sich nicht meldet."

Chelsea-Aus war "erste Strafe"

Eigentlich solle Ballack ihm egal sein, fügt er an, schließlich kümmere dieser ihn im Alltag nicht weiter. "Aber verärgert bin ich sehr", sagt er.

Für ihn war das Ausscheiden der Blues aus der Champions League am Dienstagabend gegen Inter Mailand deshalb auch eine Art Genugtuung.

"Das war die erste Strafe für Ballack", zürnte er.

Offen ließ er, wie die zweite aussieht. Vielleicht sollte sich Ballack beim nächsten Aufeinandertreffen der beiden ein zweites Paar Schienbeinschoner in die Tasche packen.

Komisches Gefühl bleibt

Jetzt blickt der Defensivspezialist wieder nach vorne, auch wenn er noch ein "komisches Gefühl" hat.

Im Krankenhaus hatte Demichelis sogar richtig Angst: "Die schlimmste Befürchtung war, dass ich fast mein rechtes Auge verloren hätte", erinnert er sich.

Beim Blick in den Spiegel, als er sah, dass sein Kiefer ganz schräg stand, bangte er um die Teilnahme an der Weltmeisterschaft.

Erstes leichtes Lauftraining hat er bereits absolviert, in Kürze bekommt der Abwehrspieler dann eine Maske, mit der er voraussichtlich am nächsten Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann.

Wann Demichelis wieder spielen wird, ist offen. "Ich will keinen Zeitpunkt nennen", sagt er.

Man müsse abwarten, "wie es von der Kondition her aussieht, aber auch, ob ich Angst bei Zweikämpfen habe".

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