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Fredi Bobic erzielte in seiner Laufbahn insgesamt 108 Bundesliga-Tore © imago

Die Hertha-Krise schockt auch Fredi Bobic. Im Sport1.de-Interview spricht der Ex-Profi über die trostlose Lage und die Ursachen.

Von Mathias Frohnapfel

München - Bei Hertha BSC beendete Fredi Bobic seine Karriere in der Bundesliga.

54 Partien bestritt der DSF-Experte für den Klub und sog die Atmosphäre rund um den Verein in Berlin intensiv auf.

Momentan ist der 38-Jährige als Sportdirektor und Geschäftsführer in Bulgarien bei PSFC Chernomorets Burgas tätig.

Das Geschehen in der Bundesliga verfolgt Bobic trotzdem mit Interesse.

Den Absturz der Hertha nimmt er mit Schrecken wahr (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Im Sport1.de-Interview spricht der ehemalige Torjäger über die bedrohliche Situation, den möglichen Abstieg und die Ursachen für die Krise.

Sport1.de: Herr Bobic, wie sehr schmerzt Sie die trostlose Lage der Hertha?

Fredi Bobic: Da ist für jeden, der bei diesem Verein gespielt hat, keine schöne Situation. Der Hauptstadt-Klub Hertha BSC nicht mehr in der Bundesliga, das kann man sich schwer vorstellen. Das wird aber wahrscheinlich Realität werden. Ich hoffe nur, dass sie in Berlin für die Zukunft einen klaren Plan haben und sich nicht gegenseitig zerfleischen.

Sport1.de: Kann sich Berlin mit acht Punkten Abstand zum Relegationsplatz überhaupt noch retten?

Bobic: Eigentlich nicht, wenn man das Restprogramm ansieht. Jedoch muss man immer die Hoffnung haben und das ist auch berechtigt. So lange noch alles möglich ist, warum soll man nicht daran glauben? Das ist ja auch die Pflicht daran zu glauben. Blickt man realistisch auf den Ist-Zustand, kann man aber nicht davon ausgehen, dass es reicht.

Sport1.de: Ist Trainer Friedhelm Funkel noch zu halten?

Bobic: Sollte Hertha absteigen, wird sich die Mannschaft ziemlich stark verändern. Man wird also auf jeden Fall eine ganz andere Mannschaft vorfinden, als dass sich ein Trainer schon an das Team gewöhnen könnte. Friedhelm Funkel hat sowieso einen Job übernommen, den nicht viele gemacht hätten. Man sollte es jetzt auch mit ihm durchziehen.

Sport1.de: Was spricht für ihn?

Bobic: Er ist der ruhende Pol, bringt keine Panik rein. Ich weiß nicht, ob es noch einen Feuerwehrmann gibt, der noch was retten könnte. Hertha ist ja auch finanziell angeschlagen, auch da würde so eine Aktion sehr weh tun. Die Sicherheit, dann die Liga zu halten, gibt es auch nicht.

Sport1.de: Wie bewerten Sie die Fan-Randale nach der Niederlage gegen Nürnberg?

Bobic: Es hat sich ein großer Frust bei den Fans aufgebaut. Das ist verständlich, nicht aber die Aktion, die dann passiert ist. Dann gibt es immer wieder einzelne Gruppen, die das falsch kanalisieren und solche Aktionen starten. Und diese Aktion ist absolut idiotisch gewesen.

Sport1.de: Welche Gründe sehen Sie für den Niedergang der Hertha?

Bobic: Es auf einen Grund oder eine Person zu reduzieren, wäre falsch. Das ist eine Kette von Umständen, die dazu führt, dass das Kartenhaus zusammenbricht. So etwas passiert leider im Sport - und das passiert ja nicht nur bei Hertha. Mich stört, dass man zu spät erkannt hat, wie eng es wirklich ist.

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