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Auch die Bundesliga bleibt von der Finanzkrise nicht verschont © SPORT1

Die weltweite Finanzmisere wird auch vor der Bundesliga keinen Halt machen. Sport1.de lässt Finanzexperten zu Wort kommen.

Von Martin Hoffmann

München - Banken taumeln, an den Börsen herrscht Panik, Politiker eilen von Krisensitzung zu Krisensitzung: Die weltweite Finanzkrise ist in aller Munde - und sie hat auch im Fußball schon für erste Erschütterungen gesorgt.

Der FC Liverpool hat den Bau seines Stadions gestoppt und bei West Ham United ist Zwangssparen angesagt, weil Klubbesitzer Bjorgolfur Gudmundsson von einer Bankenpleite betroffen ist.

In der Bundesliga dagegen herrscht noch Ruhe - doch dabei muss es nicht bleiben. "Da baut sich eine Welle auf, deren Ausläufer auch die Bundesliga erreichen werden", meint der Kölner Sportökonom Dr. Manfred Schubert im Gespräch mit Sport1.de.

Sponsoring-Quellen drohen zu versiegen

Das Hauptproblem, auf das sich die Bundesligisten einstellen müssen, sind weniger ausgabenfreudige Geldgeber: "Sponsoring-Engagements zählen in solchen Zeiten zu den ersten Ausgabenposten, die gestrichen werden", erklärt Schubert.

Dabei geraten als Erstes die Überweisungen aus der Branche in den Blick, die im Zentrum der Krise steht.

Rund 50 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr aus der Finanzbranche an die deutschen Klubs überwiesen - was laut dem Forschungsunternehmen "Sport und Markt" 14 Prozent des Sponsoringaufkommens in der Liga ausmacht.

Laufende Saison gesichert

Eintracht Frankfurt und der Hamburger SV spielen ebenso wie die Zweitligisten Nürnberg und Rostock in Stadien, die den Namen von Banken tragen. Viele andere Klubs werden von Finanzinstituten mitgesponsert.

Trotzdem müssen die betroffenen Vereine nicht direkt in Panik geraten. "In der laufenden Saison wird es keine Probleme geben. Die Verträge bestehen schließlich weiter", stellt Stefan Ludwig von der Wirtschaftsberatungsfirma Deloitte klar.

Langfristig allerdings müssen die Bundesliga-Klubs Verwerfungen einkalkulieren: "Wenn die Wirtschaftsentwicklung nach unten zeigt, dann wird es bei künftigen Vertragsabschlüssen sicher schwieriger werden."

Autokrise stellt VW vor Probleme

Entsprechende Gedanken müssen sich auch Vereine mit Großsponsoren außerhalb des Finanzsektors machen.

Auf die Autoindustrie etwa hat die Krise schon durchgeschlagen: Opel und BMW lassen zeitweise die Fabriken stillstehen, auch der florierende VW-Konzern zieht in Erwartung sinkender Käufernachfrage die Konsequenzen und stellt die Pläne zum Bau neuer Fertigungsanlagen zurück.

Die Fans des VfL Wolfsburg dürfte das nervös machen: Droht da im Zeichen der Krise das Horror-Szenario - ein Ausstieg von Großsponsor VW?

"Das wird kaum in Frage kommen, wenn man den damit verbundenen Imageschaden bedenkt", meint Schubert, "aber dass das Engagement gedeckelt wird, ist durchaus möglich."

"Sinnvoll gearbeitet"

Momentan ist noch nicht realistisch abzuschätzen, welche Folgen die Krise genau auf die Bundesliga haben wird.

Aber der Liga kann zugute kommen, dass sie gewisse finanzielle Exzesse des internationalen Fußballs nicht mitgemacht hat.

"Die deutschen Klubs haben in den vergangenen Jahren wirtschaftlich sehr sinnvoll gearbeitet", lobt Ludwig. Er verweist vor allem auf die Gehälter, die im Verhältnis zum Umsatz der Klubs so niedrig seien "wie nirgendwo sonst in Europa".

50+1 erweist sich als Segen

Schubert sieht auch einen Vorteil darin, dass deutsche Klubs sich über die 50+1-Regel dem Trend verweigert haben, sich in die Hände von finanzkräftigen Investoren zu begeben.

Denn wenn diese Klubgönner in der Finanzkrise Geld verlieren, können oder wollen sie sich ihre teuren Hobbys womöglich nicht mehr leisten.

"Dann werden die Vereine von der Krise natürlich ungleich härter getroffen", meint Schubert.

In England weiß man inzwischen ein Lied davon zu singen.

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