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Maniche übernahm seinen Namen vom dänischen Ex-Stürmer Michael Manniche © imago

Der 1. FC Köln steht vor dem Duell gegen Gladbach wegen Lustlosigkeit und Söldnermentalität in der Kritik - vor allem einer.

Von Martin Hoffmann

München - Maniche hatte nicht verstanden, was der ältere Fan am Sonntag im Geißbockheim von ihm wollte.

"Er nannte meinen Namen und sagte etwas. Ich weiß nicht ob es positiv oder negativ war", hat der Portugiese in der "Bild" erklärt.

Darüber aufgeklärt, dass er gesagt bekam, dass er sich für seine Leistung beim 0:1 in Mainz schämen sollte, bemerkte Maniche: "Oh, das war wirklich nicht nett." Um dann höflich anzufügen: "Aber ich habe Respekt vor älteren Menschen."

Die Kölner Fans haben nur dummerweise nicht mehr viel Respekt vor Maniche. Er ist zur Versinnbildlichung der Krise geworden, in der die "Geißböcke" vor dem Derby gegen Mönchengladbach (ab 20 Uhr LIVE) steckt.

Lethargisch statt "portugeil"

Nach den mit Herzblut erkämpften Unentschieden gegen Bayern und Leverkusen sind die Kölner gegen Mainz wieder ihrem Ruf als launische Diva gerecht geworden - und zurück im Abstiegskampf (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und der Ärger darüber konzentriert sich immer mehr auf Maniche: Der 32-Jährige mit den wohlklingenden Karrierestationen Chelsea, Inter Mailand, Porto und Atletico Madrid war vom örtlichen Boulevard mit der Erwartung empfangen worden, Köln "portugeil" zu machen.

Davon konnte gegen Mainz zum wiederholten Mal keine Rede sein - und die Reaktionen für seine lethargisch bis lustlos wirkenden Auftritte fielen heftig aus.

"Erinnert an einen englischen Nachtklubbesitzer"

"Der steht herum, als ob er gar nicht dazugehört", wütete der DSF-Experte und frühere FC-Sportdirektor Udo Lattek.

Andere spekulieren über eine Trennung im Sommer - oder spotten über Maniches wohlgenährtes Erscheinungsbild.

Er erinnere vom Äußeren "eher an einen englischen Nachtklubbesitzer als an einen austrainierten Vollprofi", amüsiert sich die "Süddeutsche Zeitung".

Maniche gibt Kritik weiter

Womöglich ist Maniche beschwert von privaten Schicksalsschlägen wie dem Tod seiner Großmutter. Er sagt, ihm seien in Köln auch darüber hinaus "Dinge passiert, die mir noch nie im Leben passiert sind".

Der Portugiese führt das nicht näher aus, sondern gibt die Kritik stattdessen an seine Teamkollegen weiter.

"Ich kann meine beste Leistung nicht abrufen, wenn die ganze Mannschaft nicht ihre volle Leistung bringt." Er brauche "das Kollektiv", um gut zu spielen.

Auch Novakovic unter Beschuss

Genau das funktioniert nicht - aus Sicht von Kritikern, weil es Maniche in vielem zu ähnlich ist: zusammengekauft, ohne rechten Bezug zum Klub, mit Einstellungsmängeln und zu früh einsetzender Selbstzufriedenheit.

Dass ein "Maulwurf" der örtlichen Presse auch immer wieder Team-Interna steckt, macht die Stimmung nicht besser.

Der zuletzt erfolglose Stürmer Milivoje Novakovic, dem ebenfalls nicht der beste Lebenswandel nachgesagt wird, ist eine weitere Hauptzielscheibe der Kritik.

Wie Maniche droht ihm gegen Gladbach die Bank, wobei Trainer Zvonimir Soldo nur sagt, dass er sich darüber "Gedanken gemacht" hat.

"Da kannst du vieles wieder gutmachen"

Womöglich kommt der einstige Musterprofi auch zum Schluss, seinen Gescholtenen die Chance zu geben, sich im Derby zu rehabilitieren.

Denn so wie kleine Kinder glauben, dass gute Taten an Weihnachten mehr wiegen als den Rest des Jahres über, ist Soldo sicher: "Ein Derby hat einen anderen Wert, da kannst du vieles wieder gutmachen."

Generell ergibt sich die sportliche Brisanz des Duells daraus, das beide Teams etwas zu beweisen haben.

Die Gladbacher - bei 37 Liga-Gastspielen in Köln satte 20 Mal erfolgreich ? sind seit vier Spielen ohne Sieg, 0:7 lautet die Torquote aus den jüngsten beiden Spielen.

Frontzeck macht Druck

"Fohlen"-Trainer Michael Fronteck fordert daher mit Nachdruck, "den Schalter umzulegen". Jeder Spieler müsse wissen, "welche Bedeutung das Derby für den Klub hat".

Der "Express" hat das Duell der beiden Krisen-Klubs zum "Luschen-Derby" ausgerufen.

Es ist im Interesse beider Teams, gegen diesen Ruf anzukämpfen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Köln: Mondragon - Brecko, Geromel, Mohamad, Ehret - McKenna, Petit, Matuschyk - Preis, Podolski - Novakovic

Mönchengladbach: Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Daems - Meeuwis, Bradley (Marx) - Reus, Arango - Bobadilla, Friend

Schiedsrichter: Brych

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