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Erschüttert über Udo Lattek und die FC-Fans: Kölns Manager Michael Meier © imago

Nach dem Unentschieden gegen Gladbach ledert der Manager gegen den Ex-Sportdirektor: Lattek habe die Fans aufgehetzt.

Köln/München - Mit tiefen Sorgenfalten im Gesicht und müden Augen trat Michael Meier vor die Medien. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der Manager des 1. FC Köln sollte am späten Abend wie immer Stellung zur sportlich weiterhin prekären Lage nach dem 1:1 (0:0) im 76. rheinischen Bundesliga-Derby gegen Borussia Mönchengladbach beziehen.

Doch nach dem siebten Spiel in Folge ohne Sieg ging der 60-Jährige stattdessen hart mit Trainer-Legende Udo Lattek ins Gericht, der im Vorfeld des Klassikers eine "Söldner-Mentalität" bei den Geißböcken ausgemacht haben wollte.

"Er hat mit dem Fernglas geguckt und das umgedreht. Das ist verantwortungslos", sagte Meier und wies darauf hin, dass er dies dem ehemaligen Kölner Sportdirektor bereits persönlich mitgeteilt habe.

Pfiffe gegen Kölns Wome

Was den FC-Manager erschütterte, waren die Pfiffe gegen Linksverteidiger Pierre Wome bei jeder Ballberührung in der zweiten Halbzeit.

"Die Diskussion von Udo Lattek ist wohl auf fruchtbaren Boden gefallen. Können Sie mir sagen, warum ausgerechnet Pierre Wome rausgepickt wurde? Von dem war in dieser Woche gar nicht die Rede", fragte Meier in die Journalisten-Runde.

Medienschelte von Meier

Die Berichterstattung bewirke seiner Meinung nach Vorkommnisse, wie man sie im Fall Wome erlebt habe.

"Ich bin nicht bereit zu akzeptieren, dass die Spieler in der Öffentlichkeit filetiert werden", sagte Meier und fügte als Beispiele diffamierende Schlagworte wie "Novakonix" (Synonym für Torjäger Milivoje Novakovic/Anm. d. Red.) an.

Spielern zum Beispiel "Charakterlosigkeit" vorzuwerfen, sei ebenfalls fahrlässig.

"Mentalität hat etwas mit Einstellung zu tun"

"Es gibt einen Unterschied zwischen Mentalität und Charakter. Die Mentalität hat etwas mit Einstellung zu tun. Die Leute, die auf dem Platz gestanden haben, haben keinen schlechten Charakter", sagte der Manager.

Und weiter: "Der, den sie ausgepfiffen haben, ist ein absoluter Profi. Der ist ruhig geblieben."

Die Fans erwiesen dem Verein damit einen Bärendienst: "Dafür habe ich kein Verständnis, denn dann spielen wir mit zehn Mann."

Langsam richtete der Manager dann doch den Blick auf die sportliche Situation.

Maniche trifft

Der ebenfalls in öffentlicher Kritik stehende Portugiese Maniche bewahrte den FC mit seinem Ausgleich (79.) wenigstens vor der 21. Heimpleite gegen Gladbach, das durch Marco Reuss (56.) vor 50.000 Zuschauern in Führung gegangen war und trotz nunmehr fünf Spielen ohne Sieg mit 31 Punkten im Mittelfeld steht.

Der FC hat drei Punkte weniger auf dem Konto und liegt im Bereich der Abstiegszone, in Sprechchören wurde auch schon der Rauswurf von Trainer Zvonimir Soldo gefordert.

Das empfand Meier im Vergleich zu den Wome-Pfiffen als "normal".

"Wir wollen nicht in die Champions League"

"Wo wollen wir eigentlich hin? Wir wollen 40 Punkte. Wir haben nicht versagt. Man braucht eine ganze Saison, um 40 Punkte zu sammeln. Wir wollten nicht die Champions League erreichen", sagte Meier.

Die Unmutsbekundungen der Fans richteten sich aber wohl gegen das unansehnliche Spiel trotz Stars wie Lukas Podolski oder Maniche.

Da präsentierte sich Mönchengladbach im Vergleich zu den jüngsten Pleiten in Dortmund und gegen Wolfsburg verbessert.

Frontzeck "sehr zufrieden"

"Vorrangiges Ziel war, wieder Boden unter den Füßen zu fühlen. Ich bin mit der Mannschaftsleistung sehr zufrieden", sagte Trainer Michael Frontzeck.

Zufrieden war auch die Polizei. Die befürchteten Krawalle blieben aus, es wurden lediglich fünf Festnahmen und fünf Ingewahrsamnahmen registriert.

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