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Gegen Hannover schießt Ciprian Marica seine Saisontore vier und fünf © getty

Die Stürmerrotation von Stuttgarts Trainer Christian Gross ist der Schlüssel für einen weiteren Schritt Richtung Europa League.

Stuttgart - Als in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena vor dem Spiel gegen Hannover 96 die Aufstellung des VfB verlesen wurde, ging ein Raunen durchs Stadion.

Ciprian Marica im Sturm anstelle des Top-Torjägers Cacau? Trainer Christian Gross traute sich was.

Zwei Stunden später hatte eben dieser Marica die Schmach von Barcelona mit zwei Toren vergessen gemacht und die zarten Europapokal-Träume des VfB am Leben erhalten.

Und Gross alles richtig gemacht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Gross rotiert

"Wir wollten dominanter auftreten, auch ohne Ball, und vorne aggressiv stören. Dafür braucht es Frische, die Marica hatte, aber Cacau nicht, weil er zuletzt so im Fokus stand", erklärte Gross den überraschenden, aber effektiven Schachzug.

Während der VfB dank der Saisontore Nummer vier und fünf des Rumänen (36./54.) etwas näher an Platz fünf heranrückte und nach dem Aus in der Champions League genesen scheint, fiel Hannover beim 0:2 (0:1) zurück ins Koma.

Slomka klagt an

96-Trainer Mirko Slomka reagierte auf die seltsam teilnahmslose Vorstellung mit einer Verbalattacke.

"Für mich ist das Spiel eine Riesenenttäuschung. Unser Auftreten hatte wenig mit Kampf um den Klassenerhalt zu tun. Die Mannschaft war zu keinem Moment in der Lage, emotional und leidenschaftlich dagegenzuhalten", klagte er, und monierte "vorweggenommene Ostergeschenke" bei Maricas Toren.

Die "Roten" schauen zu

Marica hatte zunächst freistehend aus fünf Metern per Kopf getroffen, wobei vier Hannoveraner Abwehrspieler freundlich Spalier standen.

Dem 2:0 ging ein Querpass von Christian Schulz am eigenen Strafraum voraus, den Jan Durica völlig desinteressiert weiterlaufen ließ - bis ihn Marica annahm und mit einem seiner neuen, rosafarbenen Schuhe versenkte.

Von Gross gabs dafür Lob, aber auch Kritik - der Schuhe wegen.

"Vor zehn Jahren gab es sowas noch nicht", meckerte der Schweizer, der schuhmäßig als Traditionalist gelten darf. Marica verteidigte die Wahl. "Mir gefällt die Farbe, die ist toll", meinte er.

Gute Stimmung am Neckar

Der VfB konnte sich die beiläufige Schuh-Diskussion leisten, schließlich ist die Stimmung am Neckar nach zwei Tagen Trauer ob des blamablen Aus gegen den FC Barcelona jetzt wieder besser.

"Das war vor allem mental eine gute Leistung", sagte Gross über die "einzige Antwort" auf die Champions-League-Pleite.

Lob für Hleb

Neben Marica fand auch Spielmacher Alexander Hleb zu einer guten Reaktion. "Toll gespielt", habe der Weißrusse, meinte Sportvorstand Horst Heldt. Ein Urteil, das in dieser Saison noch nicht oft über Hleb zu hören war.

"Alex ist endlich mal bis zur Grundlinie gegangen", lobte Gross das taktisch bessere Verständnis Hlebs, das sich vor dem 1:0 auszahlte.

Hleb gibt Ziel aus

Gross sah zwar "auch noch einige Punkte, die wir nun verbessern müssen". Dennoch hofft Stuttgart jetzt auf bessere Zeiten. "Unser Ziel ist die Europa League", sagte Hleb, "und das erreichen wir auch."

Heldt, der eine "Weiterentwicklung" der ganzen Mannschaft gesehen hatte, betonte: "Wir werden die Türen nicht schließen, wenn wir international nicht dabei sind. Aber das ist unser Anspruch, und das haben wir ja auch noch immer erreicht." Deshalb, meinte Gross, "fahren wir jetzt nach München, um auch dort zu gewinnen".

Slomka rechnet ab

Bei 96 fand sich keiner zu ähnlich mutigen Äußerungen bereit. Die meisten Spieler schlichen wie geprügelte Hunde aus der Arena, und Slomka warf ihnen noch ein paar verbale Nettigkeiten hinterher.

"Es stehen zwar zehn Torschüsse auf dem Zettel, aber wir hatten nur eine Chance", sagte er beinahe desillusioniert.

Köln vor der Brust

Noch rangiert Hannover auf Relegationsplatz 16. Am kommenden Samstag kommt der 1. FC Köln, ob der angeschlagene Stürmer Arouna Kone, der in Stuittgart ausgewechselt werden musste, dann mitwirken kann, ist noch ungewiss. "Wir müssen das hier dringend aufarbeiten und gegen Köln ganz anders auftreten", forderte Slomka schonmal.

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