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Die Bayern mit Philipp Lahm kassierten in Frankfurt die erste BL-Pleite nach 19 Spielen © imago

Der späte Bayern-K.o. in Frankfurt erinnert an 1999. Die Mannschaft sei "total niedergeschlagen", sagt Nerlinger.

Von Christian Stüwe

München - David Alaba konnte einem Leid tun.

87 Minuten lang sah der 17 Jahre alte Bayern-Linksverteidiger gegen Frankfurt schlecht aus. Marcel Heller und Sebastian Jung ließen ihn ein ums andere Mal aussteigen. Flanke um Flanke kam vor das Tor von Jörg Butt.

Doch zum Schluss kam es dann ganz dick für den Senkrechtstarter. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Zunächst spielte er einen zu kurzen Rückpass auf Butt, den der 19-jährige Juvhel Tsoumou zum Ausgleich verwandelte. Dann ließ er sich 104 Sekunden später von Martin Fenin austanzen, der den späten, aber verdienten 2:1-Siegtreffer für die Eintracht erzielte.

Die erste Bayern-Niederlage nach 19 Bundesligaspieltagen war perfekt, die Mannschaft am Boden zerstört.

"So ein Scheiß", schrie Holger Badstuber auf dem Weg in die Kabine. "Klar ist das ein Rückschlag für uns", räumte Bastian Schweinsteiger ein.

Erinnerungen an 1999

Nur einen Tag, nachdem die Bayern Manchester United als Viertelfinalgegner in der Champions League zugelost bekamen, schienen sie in Frankfurt nicht ganz bei der Sache.

Trotz der frühen Führung durch Miroslav Klose wirkte der Rekordmeister nicht konzentriert, ließ die stark aufspielenden Frankfurter zu zahlreichen Chancen kommen und kassierte am Ende einen Last-Minute-K.o., der an das Champions-League-Endspiel 1999 gegen Manchester United erinnerte. (EINWURF: "Sekundentod" in der Neuauflage)

"Frankfurt ist nicht Manchester United, aber auch nicht der FC Grünwald. Wir dürfen jetzt nicht in Panik geraten. Schließlich sind wir ja keine Maschinen", sagte Bayern-Kapitän Mark van Bommel.

Drei eingeplante Punkte liegen gelassen

Offenbar waren die Bayern mit den Gedanken aber aller Beteuerungen zum Trotz doch schon bei den kommenden schweren Aufgaben.

"Sicher ist es einfacher, sich gegen Manchester zu motivieren als gegen die Eintracht. Die drei Punkte wollten wir aber natürlich mitnehmen", sagte Schweinsteiger.

Denn genau diese drei fast sicher eingeplanten Punkte könnten den Münchnern am Ende fehlen. Schon am Sonntag könnte Schalke mit einem Sieg in Hamburg die Spitze übernehmen.

Schwere Spiele stehen an

Und bereits am Mittwoch steht für die Münchner das DFB-Pokal-Halbfinale auf Schalke an. Dann geht es in der Liga gegen Stuttgart, bevor in der Königsklasse das schwere Spiel gegen Manchester ansteht.

Und nur wenige Tage später steht in der Liga schon wieder das Auswärtsspiel auf Schalke auf den Plan.

Innerhalb von 15 Tagen könnten die Bayern fast alles verspielen. Der Dämpfer in Frankfurt kommt zur Unzeit.

"Ich werde jetzt sicher nicht alles in Schutt und Asche reden", sagte Bayerns-Sportdirektor Christian Nerlinger. Dennoch war der Ex-Profi mit Auftritt der Mannschaft alles andere als zufrieden:

"Wir haben schon in Köln und Nürnberg Punkte liegen lassen. Und auch in Frankfurt haben wir trotz des frühen Tores keine Dominanz ausgestrahlt. Die Mannschaft ist total niedergeschlagen. Aber bis Mittwoch müssen wir das aus den Köpfen haben."

Van Buyten fällt wohl aus

Im Pokal auf Schalke dürfte vermutlich Daniel van Buyten fehlen. Nach einem Zusammenprall mit Marco Russ musste der Belgier mit einer Jochbein- und Augenhöhlenprellung den Platz verlassen.

Da Martin Demichelis zwar wieder im Training ist, aber wohl für Schalke noch nicht einsatzbereit sein dürfte, droht den Münchnern ein gravierendes Problem in der Innenverteidigung.

Van Gaal machte letztlich auch van Buytens Verletzung für den späten K.o, verantwortlich: "Vielleicht war es ein Wechsel zu viel, mit van Buyten hat es wieder einen Innenverteidiger erwischt. Dann wird es immer schwieriger."

"Drei Tage Zeit, die Mannschaft wieder aufzurichten"

Vermutlich wollte van Gaal auch ein wenig Alaba aus der Schusslinie nehmen, den er trotz schwacher erster Hälfte und Diego Contento auf der Bank nicht auswechselte.

"Die großen Fehler wurden vor seinem Pass gemacht", erklärte der Niederländer angesprochen auf die Szene vor dem Ausgleich und spielte damit wohl auf Hamit Altintop an, der vor dem Ausgleich den Ball im Mittelfeld verlor.

"Wir haben jetzt drei Tage Zeit, um die Mannschaft wieder aufzurichten", sagte van Gaal. Das Hauptaugenmerk dürfte dabei erneut auf der Abwehr liegen.

"Endlich mal nicht ins Hemd gemacht"

Während die Bayern also Sorgen drücken, war in Frankfurt nach der wohl stärksten Saisonleistung Partystimmung angesagt.

"Endlich haben wir uns mal nicht ins Hemd gemacht. Ich bin mächtig zufrieden und richtig stolz auf mein Team. Nach dem 0:1 hat die Mannschaft eine tolle Reaktion gezeigt und sich den Ausgleichs- und auch den Siegtreffer verdient", sagte Michael Skibbe.

Großen Anteil am Sieg hatte aber auch Skibbe selbst, dessen Schachzug mit Heller in der Startelf voll und ganz aufging. Zudem trafen sowohl Tsoumou wie auch Fenin kurz nach ihren Einwechselungen.

Und während Alaba niedergeschlagen die Heimreise antreten musste, hatte diesmal ein anderer Youngster das letzte Wort.

"Heute wird auf jeden Fall ein bisschen gefeiert", erklärte Tsoumou. "Aber morgen muss ich wieder bei den Amateuren spielen."

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