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Der 5:1-Sieg in Wolfsburg war für Drobnys Hertha der höchste seit Dezember 2004 © getty

Berlin schöpft nach dem Sieg in Wolfsburg Hoffnung im Abstiegskampf. Torhüter Drobny sieht den "Krieg" noch nicht gewonnen.

Wolfsburg - Der Demontage des Meisters folgte die Kampfansage an die Konkurrenz.

"Wir sind noch nicht tot und wollen mit aller Macht in der Bundesliga bleiben", sagte Torhüter Jaroslaw Drobny, nachdem Tabellenschlusslicht Hertha BSC Berlin den VfL Wolfsburg beim 5:1 (3:1)-Auswärtssieg in sämtliche Einzelteile zerlegt hatte.

"Aber wir haben nur eine Schlacht und noch nicht den Krieg gewonnen. Jetzt müssen wir auch gegen Dortmund drei Punkte holen."

"Müssen im Heimspiel nachlegen"

Auch Hertha-Manager Michael Preetz richtete den Blick nach vorne. "Jetzt sind es noch sieben Spiele, wir werden unsere Chance suchen. Bis jetzt haben wir im Jahr 2010 in Heimspielen nie nachgelegt, das muss sich ändern. Die Qualität dazu hat diese Mannschaft." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir sind wieder da. Ich hoffe, dass wir den Knoten durchschlagen haben", ergänzte Preetz.

Das Wunder scheint wieder möglich

Der höchste Auswärtssieg seit über 32 Jahren und die beste Leistung in der laufenden Saison haben beim Hauptstadtklub noch einmal Kräfte freigesetzt.

Der Rückstand auf den Relegationsrang beträgt wieder fünf Punkte. Plötzlich scheint das Wunder wieder möglich.

Alles, was nach dem 1:2 in der Vorwoche gegen den 1. FC Nürnberg von manchem Kritiker noch verdammt wurde, ist auf einmal gar nicht mehr so schlecht: Der Trainer, die Mannschaft, sogar die Perspektive. 215159(DIASHOW: Bilder des Spieltags)

Funkel lobt Team

"Wir haben uns von den Ereignissen der vergangenen Woche nicht beeinflussen lassen. Da gingen einige Dinge unter die Gürtellinie. Das hat die Mannschaft phantastisch weggesteckt", lobte Hertha-Coach Friedhelm Funkel:

"Für einen 5:1-Sieg gibt es zwar auch nur drei Punkte. Aber unserem Selbstvertrauen wird das einen weiteren Schub geben. An dieser Leistung sollten wir uns orientieren."

Stevens sieht den Trainer gestärkt

Auch der ehemalige Hertha-Trainer Huub Stevens sieht Funkel nach dem Sieg im Saisonendspurt gestärkt:

"Es war die richtige Entscheidung, Friedhelm Funkel nicht zu entlassen. Michael Preetz hat da zum Glück die Ruhe bewahrt und ich hoffe jetzt, dass Friedhelm die Unterstützung bekommt, die er verdient", sagt Stevens seiner Sport1.de-Kolumne .

Fans zeigen sich versöhnt

Selbst die Fans, von denen einige Unverbesserliche nach der Pleite gegen Nürnberg noch mit Stangen bewaffnet im Olympiastadion gewütet hatten, waren nach dem Triumph in Wolfsburg versöhnt.

Wurde das Team vor der Partie noch mit höhnischen "Absteiger, Absteiger"-Rufen empfangen, gab es nach dem Schlusspfiff großen Jubel.

Spieler gehen nicht in die Kurve

In die Kurve gingen die Berliner dennoch nicht. "Wir haben die Antwort auf den Empfang auf dem Platz gegeben", meinte Mittelfeldspieler Fabian Lustenberger.

Und Drobny legte nach: "Ich kann verstehen, dass die Fans sauer sind. Aber man muss auch uns verstehen. Wir haben gehört, was die Leute vor dem Spiel gerufen haben. Das vergisst man nicht so leicht."

Häme für Hoeneß

Für VfL-Manager Dieter Hoeneß hingegen war es ein Wiedersehen mit Schrecken. Der über 13 Jahre hinweg starke Mann bei Hertha BSC zeigte sich dennoch als fairer Verlierer.

"Als ich vor dem Spiel sagte, dass Hertha jeden Gegner schlagen kann, wurde ich belächelt. Heute hat man gesehen, dass sie viele gute Spieler haben. Aus diesem Spiel wird Hertha Hoffnung schöpfen."

Neben dem missratenen Abend für Wolfsburg musste sich der 57-Jährige aber auch noch "Hoeneß-raus!"-Rufe anhören.

Sie kamen aus dem Hertha-Fanblock. Der Berliner Anhang hat seinen Humor offensichtlich wiedergefunden.

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