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Christian Nerlinger ist seit Sommer 2009 Sportdirektor des FC Bayern München © imago

Der Münchner Sportdirektor hält den Schalkern vor dem Halbfinale vor, ihr Spiel bestünde nur aus Standards und taktischen Fouls.

Von Martin van de Flierdt

München - Felix Magath dürfte es als Kompliment betrachten.

Denn einen Tag, bevor sein FC Schalke im DFB-Pokal-Halbfinale auf Bayern München trifft (Mi., ab 20 Uhr LIVE), wird beim Rekordmeister die "Abteilung Attacke" aktiv.

Nicht mehr in Person von Uli Hoeneß zwar, aber dennoch in vergleichbarer Manier, mit der der heutige Klubpräsident jahrelang seine Psychospielchen zelebrierte.

Angriffsziele waren stets Konkurrenten, die die Münchner auf rein sportlichem Wege nicht sicher zu distanzieren wussten.

Ein Ritterschlag quasi für jeden Klub, auf den die Bayern anhieben.

Gute Standards und Fouls

"Das Spiel der Schalker ist von zwei Stilmitteln geprägt", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger nun dem "Münchner Merkur":

"Bei Standards sind sie höllisch gefährlich, da muss man wirklich aufpassen. Das zweite Mittel sind taktische Fouls. So schaffen sie es immer wieder, den Rhythmus aus dem Spiel zu nehmen."

Schalkes Spielweise sei "eine Politik, eine Philosophie, die den Fußball einfach nicht weiterbringt. Es sollte einfach nicht das Stilmittel einer Mannschaft sein, so Fußball zu spielen."

Niemand foult häufiger als Schalke

Nach einer Statistik von Impire liegen die Schalker tatsächlich mit 569 Fouls in dieser Saison ligaweit vorne, während die Münchner dort mit 399 abgepfiffenen Aktionen auf Platz 17 rangieren.

Betrachtet man die Verteilung von Gelben und Roten Karten, dann sind die Königsblauen allerdings keineswegs auffällig. Nicht ein einziger Platzverweis steht da zu Buche, zudem gibt es sechs Vereine, die mehr Verwarnungen kassiert haben.

Für Nerlinger ist das kein Gegenargument.

Nerlinger fordert schnellere Verwarnungen

"Jeder Spieler darf drei, vier taktische Fouls machen, ehe mal eine Gelbe Karte gezückt wird. Das macht bei einer Mannschaft von zehn Feldspielern bis zu 30, 40 taktische Fouls", behauptete der Ex-Nationalspieler.

Passend vor dem direkten Aufeinandertreffen schickte er noch einen Ratschlag an die Unparteiischen hinterher: "Man sollte da schon ein Auge draufhaben."

Der Umstand, dass Schalke trotz des häufigen Einsatzes von Foulspielen bislang in der Kartenstatistik so gut wegkommt, spricht aber ohne Wenn und Aber für die Cleverness der Gelsenkirchener.

"Wir wollen anderen Fußball"

"Es ist das gute Recht, dass jeder seinen Weg und seine Möglichkeiten nutzt", räumt Nerlinger ein.

"Wir beim FC Bayern wollen hier aber einen anderen Fußball spielen."

Die Frage ist, ob die Schalker, die den Rekordmeister schon am 3. April zum Liga-Spitzenspiel erwarten, die Mannschaft von Louis van Gaal dazu kommen lassen (DATENCENTER: Das Halbfinale).

"Schalke spielt manchmal etwas dreckig", weiß auch Bastian Schweinsteiger, was auf seine Mannschaft zukommt. Denn die Königsblauen sehen keinen Grund, von ihrer bisher so erfolgreichen Spielweise abzugehen.

Kampfansage von Schmitz

?"Für uns gilt es, in der Partie eng am Gegenspieler zu sein, aggressiv zu spielen und den Münchenern den Schneid abzukaufen", kündigt Lukas Schmitz an.

"Wir müssen unsere kämpferischen Tugenden in die Waagschale werfen und dann sehen, was dabei herauskommt."

Das Zwischenergebnis der Arbeit von Felix Magath kann sich sehen lassen. Das bestreitet auch Nerlinger nicht.

"Man kann ihm nur ein Kompliment machen. Er hat eine Art und Weise, wie er eine Mannschaft führt, die sehr erfolgreich ist", sagt der 37-Jährige.

"Die Mannschaft ist schwer zu schlagen, körperlich topfit und glaubt immer an den Sieg."

Magath bleibt gelassen

Und ihr Trainer bleibt auch jetzt gelassen, da er aus eigener Erfahrung als Münchner Coach um Mittel und Methoden der Abteilung Attacke weiß.

Zu den Ausführungen Nerlingers hat er sich bislang zwar noch nicht geäußert.

Doch schon die neuerlichen Meldungen um einen Wechsel von Manuel Neuer zu den Münchnern hatte er in der Vorwoche amüsiert zur Kenntnis genommen:

"Dass es ausgerechnet, wenn wir gegen Bayern spielen, wieder diese Spekulationen gibt..."

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