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Nach der Partie Berlin gegen Nürnberg stürmten Hertha-Fans den Platz © imago

Hertha drohen Geisterspiele, Nürnberg und Köln müssen auf ihre Fans verzichten: Die DFL kündigt eine rigorose Offensive an.

Frankfurt/Main - Ligaschlusslicht Hertha BSC Berlin drohen 250.000 Euro Geldstrafe und Geisterspiele, der 1. FC Nürnberg und der 1. FC Köln müssen im Abstiegskampf auswärts auf ihre Fans verzichten:

Nach den Krawallen der vergangenen Wochen geraten die vermeintlichen Anhänger zunehmend in die Defensive. Am Dienstag kündigte auch die DFL eine rigorose Offensive gegen die Chaoten an.

"Diese Leute missbrauchen den Fußball als Plattform für Gewalt. Das können wir nicht akzeptieren."

"Wir sind keine Freunde von Repressalien und wir haben in der Vergangenheit auch immer auf den Dialog gesetzt, aber dieses Klientel ist extrem schadhaft für die Bundesliga", sagte DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus.

Keine Stehplatztickets für Auswärtsspiele

Das Sportgericht des DFB hatte am Montag und am Dienstag mit den Urteilen gegen die Bundesligisten Nürnberg und Köln neue Wege bestritten.

So erhalten die Club-Fans wegen des schwerwiegenden Zwischenfalls im Gastspiel beim VfL Bochum am 27. Februar für die kommenden beiden Auswärtsspiele keine Eintrittskarten für Stehplätze.

Die Anhänger des 1. FC Köln sind vom Auswärtsspiel bei 1899 Hoffenheim am 10. April komplett ausgeschlossen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) .

Es war das erste Mal in der Bundesliga-Geschichte, dass eine derartige Strafe ausgesprochen wurde.

Erstmals werden Fans bestraft

"In der Vergangenheit wurden durch die Sportgerichtsurteile stets die Klubs getroffen, in dem sie hohe Geldbußen leisten mussten."

"In diesem Fall wurden auch die Fans bestraft. Das soll die Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit im Kampf gegen Gewalt und Pyrotechnik im Stadion unterstreichen", sagte Hieronymus:

"Wir wollen mit dem Urteil nicht die Fans treffen, die friedlich ein Auswärtsspiel besuchen. Aber es muss sichergestellt sein, dass ein Anhänger ins Stadion gehen kann, ohne dabei Angst vor körperlichen Übergriffen haben zu müssen."

Klubs akzeptieren Strafen geräuschlos

Dass die Stadien bei den Auswärtsspielen dann logischerweise nicht ausverkauft sein werden und im Fernsehen leere Ränge zu sehen sind, gefällt der Liga indes nicht.

"Sicher sind leere Ränge in den Stadien nicht das, was wir uns wünschen. Zum Fußball gehört die Atmosphäre, und die kann nur in einem geschlossenen Rund so richtig entstehen, nicht auf teilentleerten Rängen."

"Die Menschen, die den Fußball lieben, sollen auch weiter ins Stadion kommen. Randalierer und Gewalttäter aber haben in den Stadien nichts zu suchen."

Die Klubs haben die Strafen relativ geräuschlos akzeptiert.

"Das Übel an der Wurzel packen"

"Wir haben diesem Urteil zugestimmt und haben damit das Worst-Case-Szenario eines Teil- oder Vollausschlusses unserer Fans bei Heimspielen vermieden", sagte FC-Manager Michael Meier.

Mit den Urteilen setzte das Sportgericht nach Angaben seines Vorsitzenden Hans E. Lorenz ein Zeichen gegen den Trend hin zu Krawallen durch Gästefans.

"Wir wollen mit der neuen Form der Sanktion das Übel an der Wurzel packen und gezielt den Auswärtsfan treffen", sagte Lorenz.

Berlin droht Geisterspiel

Derweil droht den Berlinern nach den Ausschreitungen beim 1:2 gegen Nürnberg eine Geldstrafe bis zu 250.000 Euro und Heimspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

150 Chaoten aus dem Berliner Fanblock hatten beim Spiel gegen Nürnberg den Innenraum des Olympiastadions gestürmt und unter anderem die Trainerbänke zerstört. Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt derzeit gegen die Hertha.

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