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Ex-Meisterspieler Ditmar Jakobs (r) hat richtig Spaß am HSV unter Martin Jol © getty

Ditmar Jakobs glaubt, der HSV wird endlich wieder Meister - und zieht im Sport1.de-Interview einen bemerkenswerten Vergleich.

Von Christian Paschwitz

München - Sie spielen erfolgreich wie lange nicht mehr, stehen nach sieben Liga-Spielen ganz oben. Kein Wunder, dass bei den Fans des Hamburger SV zarte Meisterschaftsträume reifen.

Groß ist die Titel-Sehnsucht auch bei einem, der mit dabei war, als an der Elbe zuletzt vor 25 Jahren die Meisterschaft bejubelt wurde.

"Diese Mannschaft hat das Zeug dazu, das endlich zu wiederholen", sagt Ditmar Jakobs im Interview mit Sport1.de. "Der HSV erinnert mich an uns damals."

Der frühere Nationalspieler (55), der heute in der Versicherungsbranche tätig ist, sieht dabei sogar Parallelen zwischen dem großen Meister-Trainer Ernst Happel und dem jetzigen Übungsleiter Martin Jol.

Auf jeden Fall unter den ersten dreien

Sport1.de: Wie viel Spaß haben Sie eigentlich gerade an Ihren Hamburgern?

Ditmar Jakobs: Ich sehe absolut optimistisch in die Zukunft. Hoffnung auf die Meisterschaft ist auf jeden Fall da, auch bei mir. Unter den ersten dreien sehe ich den HSV auf jeden Fall. Zumal man ja sieht, dass die Konkurrenz immer wieder mal schwächelt. Während der HSV selbst in den schlechten Spielen einen Punkt holt oder sogar gewinnt.

Und genau das muss man auch, wenn man Meister werden will. Die geben sich nicht auf, auch wenn sie mal 0:2 zurückliegen.

Sport1.de: Ist das die neue Stärke des HSV im Vergleich zum Vorjahr?

Jakobs: Das würde ich so sehen. Der neue Trainer Martin Jol hat ihnen unheimlich viel Selbstvertrauen gegeben. Das sehe ich ja immer wieder, wenn ich mal beim Training zuschaue. Es ist wieder richtig Struktur drin, das macht schon Spaß, der Mannschaft zuzusehen. Sie glauben an sich, und sie spielen außerdem auch offensiver.

Sport1.de: Unter Jols Vorgänger Huub Stevens war keine Struktur drin?

Jakobs: Stevens war natürlich ein Glücksgriff für uns. Ohne ihn wäre es damals schwierig geworden, die Liga zu halten. Weil er eben auf Disziplin und Ordnung gesetzt hat und seine Linie voll durchgezogen hat. Stevens war der defensivere Mann, was Jol aber jetzt macht, ist: Er nimmt die bestehende taktische Ordnung und schiebt sie einfach nach vorn. Das erinnert mich schon an uns damals.

Sport1.de: Das müssen Sie erklären...

Jakobs: Wir hatten beim HSV damals den Sprung von Branko Zebec zu Ernst Happel. Zebec war ein sensationeller Taktiker, der auch mehr auf die Defensive Wert gelegt hat und die läuferische Bereitschaft. Damals haben wir die Spiele oft erst ab der 70. Minute gewonnen.

Sport1.de: Und unter Happel dann?

Jakobs: ...konnten wir daran ansetzen und uns spielerisch offensiver entwickeln. Das sehe ich beim HSV jetzt natürlich auch sehr gern, obwohl ich ja ein Defensivmann war. Und obwohl ich schon damals immer die Frage "Spielst Du auch Fußball?" beantwortet habe mit: "Nee, ich bin Abwehrspieler".

Sport1.de: Jol ist also ein zweiter Happel?

Jakobs: Das kann man schon so sagen. Beide verstehen es oder haben es auf ihre Art verstanden, Bestehendes weiterzuentwickeln und den Spielern viel Selbstvertrauen zu geben.

Ein gutes Beispiel sind doch Demel und Atouba, die immer als Chaoten abgestempelt wurden. Auf einmal spielen sie richtig diszipliniert und bringen ihre Stärken in die Mannschaft ein und nicht nur ihre Zirkus-Kunststücke. Die stellen sich plötzlich in den Dienst der Mannschaft.

Das zeichnet auch den Trainer aus: Dass er alle so binden kann und der Mannschaft das Wissen gibt, dass sie nur gemeinsam stark ist. Wie bei uns damals auch.

Sport1.de: Was zeichnet den neuen HSV unter Jol noch aus?

Jakobs: Vor allem spielt der HSV taktisch klüger als im Vorjahr.

Sport1.de: Wie denn?

Jakobs: Die Variationsmöglichkeiten sind größer geworden, allein schon wenn man Olic zu Guerrero und Petric als dritte Spitze dazunimmt.

Sport1.de: Richtig gut drauf ist im Moment vor allem Petric.

Jakobs: Er kommt eben aus der Bundesliga, brauchte daher wenig Zeit zum Eingewöhnen. Und er spricht perfekt deutsch. Das zeichnet auch die Einkaufspoltik des HSV aus.

Das Mittelfeld ist auch gut aufgestellt, vor allem defensiv mit Jarolim und de Jong. Einen Riesensprung hat außerdem Trochowski gemacht. Er spürt offenbar mehr Vertrauen vom Trainer.

Sport1.de: Ist dem Abgang von Rafael van der Vaart also zumindest in diesem Sinn etwas Positives abzugewinnen?

Jakobs: Sagen wir mal so: Ein Mann wie van der Vaart ist schwer zu ersetzen, weil er ein Spiel ganz allein entscheiden kann. Seine Qualität steht jeder Mannschaft gut zu Gesicht. Jetzt steht die Mannschaft insgesamt mehr in der Pflicht. Ich freue mich aber, dass der HSV mal wieder einen deutschen Nationalspieler geholt hat mit Marcell Jansen.

Sport1.de: Dazu gibt's noch zwei neue Brasilianer, die ihr Potenzial bisher aber noch nicht ausgeschöpft haben.

Jakobs: Neves und Alex Silva muss man wohl mindestens ein halbes Jahr Zeit geben: Für die ist die Umstellung natürlich schwer, sie kommen aus Südamerika und haben sprachliche Barrieren. Aber wir werden noch viel Spaß an den beiden haben, wenn sie sich erst eingewöhnt haben,

Sport1.de: Wo sehen sie denn die Schwächen beim HSV?

Jakobs: Vielleicht ist es die fehlende Konstanz, die sie aber jetzt so langsam bekommen haben. Ich sehe den HSV aber schon jetzt als sehr kompaktes Team, das auf jeden Fall um die deutsche Meisterschaft mitspielen kann.

Glauben auch Sie an das Meisterstück des HSV? Hier mitdiskutieren!

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