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Theofanis Gekas (l.) und Arne Friedrich wittern die Chance, noch aufwärts zu klettern © imago

Hertha BSC bekommt wieder Zuspruch statt Häme. Preetz aber macht bei Sport1.de klar: Gegen Dortmund muss nachgelegt werden.

Aus Berlin berichtet Martin Volkmar

Berlin - Vor nicht mal zwei Wochen war die Stimmung in Berlin mehr als frostig.

Noch mehr als der lang anhaltende Winter schlug den Hertha-Fans die Pleite im "Schicksalsspiel" gegen den 1. FC Nürnberg aufs Gemüt. Wie verwandelt präsentiert sich die Hauptstadt in diesen Tagen.

Der Frühling hat endlich Einzug gehalten, die Menschen genießen die Sonne und die Anhänger des Bundesliga-Schlusslichts haben nach dem völlig unverhofften 5:1 bei Meister Wolfsburg wieder Hoffnung geschöpft.

"Wunder-Fieber"

"Wunder-Fieber - ganz Berlin träumt wieder vom Klassenerhalt!", schreibt die Boulevardzeitung "BZ" und liegt damit auf einer Linie mit Berichten anderer Medien über ein "Hertha-Wunder".

"Die Mannschaft hat schon in den vergangenen Wochen gut gespielt. Gegen Wolfsburg ist es jetzt gelungen, aus den Chancen Tore zu machen", sagt Manager Michael Preetz dazu zu Sport1.de.

"Unser Rückstand auf Platz 16 beträgt fünf Punkte. Aber wir sagen ja schon seit Wochen, dass wir die Chance haben, die Klasse zu halten. Wir sind Sportler, wir kämpfen."

Preetz hat daher das Motto "Niemals aufgeben!" ausgegeben, in Euphorie bricht auf der Geschäftsstelle am Olympiastadion aber niemand aus.

Heftige Kritik und Häme

Denn so groß wie nun plötzlich wieder die Zuversicht in Presse und Öffentlichkeit ist, so heftig waren zuvor Kritik und Häme gewesen.

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So hatte die "Bild"-Zeitung Vereinsführung, Trainer Friedhelm Funkel und Vorgänger Lucien Favre sowie die Mannschaft angesichts des Absturzes als "Fürsten der Finsternis" bezeichnet.

"Wie vor dem Wolfsburg-Spiel auf uns eingeprügelt wurde, das hatte mit Fußball nichts mehr zu tun. Das ist kriminell", meint der höchst umstrittene Funkel.

Umso mehr freut den Routinier, dass endlich mal ein Erfolg gegen einen favorisierten Gegner gelang: "Unserem Selbstbewusstsein wird der Sieg in Wolfsburg einen weiteren Schub geben."

Gekas glaubt an die Rettung

Das merkt man auch den Spielern an, von denen zumindest einige ihre Zurückhaltung bereits aufgegeben haben.

"Ich weiß, dass ich noch besser sein kann", verkündet Theofanis Gekas nach seinem Dreierpack bei den "Wölfen". "Wir glauben ganz fest an das Wunder."

Dafür allerdings muss das Team nun endlich auch mal zu Hause drei Punkte holen, was seit dem 1. Spieltag im August nicht mehr gelang. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir haben bislang kein Heimspiel gewonnen. Das ist desaströs. Diese Serie müssen wir jetzt durchbrechen", fordert Funkel.

"Müssen gegen Dortmund nachlegen"

Und auch Preetz erklärt Sport1.de: "Wir müssen nun gegen Dortmund nachlegen."

Die Unterstützung der Berliner ist der Mannschaft jedenfalls gewiss: Mehr als 60.000 Zuschauer werden am Samstag (ab 15 Uhr LIVE) im Olympiastadion erwartet.

"Auch den BVB können wir schlagen. Und wenn wir das Spiel gewinnen, sind wir wieder dran", meint Gekas.

Trotzdem bleibt die Aufholjagd angesichts der kommenden Gegner "ein dickes Brett", wie Friedrich einräumt.

Schweres Restprogramm

Ablenkungen durch Nebenschauplätze wie die angebliche "Petz-Affäre" um Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer sind dabei weniger das Problem.

Es ist das harte Restprogramm, das das "Wunder-Fieber" zu verhageln droht: Neben den Auswärtspartien in Köln, Frankfurt und Leverkusen kommen noch Stuttgart, Schalke und am letzten Spieltag der FC Bayern nach Berlin.

Und zumindest gegen Stuttgart wird sich die Unterstützung der Fans in Grenzen halten, denn nach den Ausschreitungen nach der Nürnberg-Pleite dürfen maximal 25.000 Karten verkauft werden.

Die Aufräumarbeiten, die derzeit im Olympiastadion von Bauarbeitern vor der Haupttribüne durchgeführt werden, sind allerdings nicht auf die damaligen Zerstörungen durch Hooligans zurückzuführen.

Vielmehr wird schon seit längerem eine Rolltreppe in die Katakomben eingebaut. Die Gefahr ist weiterhin groß, dass es nach der Fertigstellung für die Berliner direkt abwärts in die Zweite Liga geht.

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