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Tim Borowski erzielt für Bremen den 3:0 Halbzeitstand © getty

Thomas Schaaf hat sich damit abgefunden, dass das Bremer Spiel nichts für Herzkranke ist. Mertesacker fragt sich "was das soll."

Bremen - Bremens Trainer Thomas Schaaf sehnte sich endlich mal nach einem "ruhigen Spiel", sein Nürnberger Kollege Dieter Hecking beklagte "jugendlichen Leichtsinn" und Doppel-Torschütze Per Mertesacker beschrieb die teilweise dramatischen 90 Minuten nur noch als "unfassbar":

Vier Tage nach dem Einzug ins Finale des DFB-Pokals hat Werder seinen vollmundig angekündigten Angriff auf die Champions-League-Plätze mit einem 4:2 (3:0)-Erfolg gegen den 1. FC Nürnberg gestartet, dabei aber einmal mehr die Nerven aller Beteiligten bis zum Äußersten strapaziert.

"Manchmal muss man sich fragen, was das soll", sagte Mertesacker, der die Hanseaten mit zwei Kopfballtreffern (1. und 20.) in Führung gebracht hatte:

"Was sich in der zweiten Halbzeit wieder abgespielt hat, ist einfach unfassbar. Wir waren uns zu sicher. Aber das ist es, was wohl der Reiz der Werder ausmacht."

"Ein ruhiges Spiel gibt es nicht"

Mit 3:0 hatten die "Unterhaltungskünstler von der Weser" durch einen weiteren Treffer von Tim Borowski (36.) zur Pause geführt und wie der sichere Sieger ausgesehen, ehe sich Bremen wieder einmal selbst Steine in den Weg legte.

Mike Frantz (47.) und Eric-Maxim Choupo-Moting (63.) brachten die aufopferungsvoll kämpfenden Nürnberger wieder heran. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nach der umstrittenen Roten Karte für Werder-Kapitän Torsten Frings (82.) agierten die Gäste sogar die letzten Minuten in Überzahl, doch machte Clemens Fritz in der Nachspielzeit den Sieg endgültig perfekt.

"Wir haben nach der Pause alle guten Sachen aus der ersten Halbzeit vermissen lassen", sagte Schaaf: "Anscheinend wollen wir es immer spannend machen und für Unterhaltung sorgen. Ein ruhiges Spiel gibt es offenbar nicht."

Frings fliegt vom Platz

Zu allem Überfluss trübte neben dem fahrigen Auftritt in der zweiten Hälfte auch der Platzverweis gegen Frings die Laune.

Nach einem Zweikampf im Mittelkreis hatte Schiedsrichter Markus Schmidt zur Überraschung aller dem Bremer Kapitän wegen einer angeblichen Tätlichkeit gegen Thomas Broich "Rot" gezeigt.

Frings wird den Bremern damit am Samstag im richtungsweisenden Spiel beim direkten Konkurrenten Borussia Dortmund fehlen. "Das haben alle gesehen. Dazu brauch ich nichts mehr zu

sagen", erklärte Schaaf sichtlich erbost. Dagegen fand Sportdirektor Klaus Allofs klare Worte: "Das war eine offensichtliche Fehlentscheidung. Das war so wie die zweite Halbzeit - völlig unnötig."

Frings attackiert Broich

Auch Frings war nach der ersten Roten Karte seiner Karriere sichtlich bedient, doch richtete sich seine Wut nicht gegen den Schiedsrichter ("Er hat bis dahin ordentlich gepfiffen und ärgert sich bestimmt selbst am meisten, wenn er sich die Szene noch einmal anschaut"), sondern gegen seinen Gegenspieler Broich:

"Wegen dieser Schauspielerei verpasse ich jetzt ein wichtiges Spiel."

Doch trotz des Ausfalls bleiben die Augen der Werderaner auf Platz drei und die Champions-League-Qualifikation gerichtet.

"Mitentscheidend ist wohl das nächste Spiel in Dortmund", sagte Allofs. Mit ganz anderen Problemen hat Nürnberg zu kämpfen.

"Haben verdient verloren"

Nach zuletzt fünf Spielen ohne Niederlage in Folge verließen die Gäste erstmal wieder den Platz als Verlierer und stecken weiter tief im Abstiegskampf.

Dabei hatte selbst Trainer Dieter Hecking nach der ersten Halbzeit nicht mehr an eine solche Energieleistung geglaubt, die durchaus Hoffnung auf den Klassenverbleib machten dürfte.

"Das hat die Mannschaft sehr gut gemacht, aber wir sind dennoch verdient als Verlierer vom Platz gegangen", so Hecking.

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