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Kevin Kuranyi (l.) erzielt gegen Leverkusen, sein 16. und 17. Saisontor © getty

Der "Kaiser" macht sich für eine Begnadigung des Schalker Toptorschützen stark. Und es scheint Hoffnung für Kuranyi zu geben.

Leverkusen - Joachim Löw nahm Kevin Kuranyis perfekte WM-Bewerbung regungslos und ohne Kommentar hin.

Die klaren Forderungen von Franz Beckenbauer und Felix Magath nach einer Begnadigung des Topstürmers setzen den Bundestrainer gut einen Monat vor Bekanntgabe seines WM-Kaders aber gewaltig unter Druck.

Und auch die Gesänge der 10.000 Schalke-Fans klangen dem Bundestrainer aber noch lange nach dem Schlusspfiff in den Ohren.

"Jogi, mach die Augen auf!", rief der euphorische Anhang nach dem 2:0 (2:0) im Topspiel bei Bayer Leverkusen, den Kuranyi im Alleingang besorgt hatte, in Richtung VIP-Tribüne der BayArena.

Beckenbauer: Eine Lösung muss her

Beckenbauer und Magath legten dann am Sonnntag nach und entfachten die Diskussion um den verbannten Star zusätzlich.

Deutschlands-Fußball-Kaiser Beckenbauer forderte via "Bild" unverblümt eine Begnadigung von Kuranyi.

"Muss der aktuell beste Torjäger der Bundesliga mit zur WM? Meiner Meinung nach Ja!", schrieb der Weltmeister von 1974 in seiner Kolumne.

Der Kaiser schlägt vor, dass sich der DFB-Trainerstab, Verbands-Präsident Theo Zwanziger und Kuranyi an einen Tisch setzen, um eine Lösung zu finden, "bei der alle Seiten das Gesicht wahren."

Magath macht Druck

Nach Ansicht des früheren DFB-Teamchefs würde dies dem Ansehen von Löw nicht schaden:

"Wenn Jogi Löw über seinen Schatten springt, verdient er vollsten Respekt und keine Kritik. Das wäre kein Umfallen, sondern eine weise Entscheidung."

Zuvor hatte bereits Schalke-Trainer Felix Magath dem Bundestrainer im DSF-Doppelpass einen unmissverständlichen Rat gegeben. "Als Trainer muss man ab und zu Entscheidungen wieder zurücknehmen und verändern."

"Es geht dann immer darum, wie die Mannschaft am besten spielen kann. Dem hat sich der Trainer unterzuordnen", sagte der Coach und Manager der Königsblauen.

"In diese Situation hat Löw sich selbst gebracht. Jetzt ist Kevin der beste deutsche Stürmer", fügte er im Radio-Interview mit "WDR 2" hinzu.

Gab es bereits ein Treffen?

Zudem offenbarte der Meistermacher, dass anscheinend bereits Bewegung in die verfahrene Geschichte gekommen ist.

"Letzte Woche haben sich Kevin und der Bundestrainer bei einem - glaube ich - zufälligen Treffen ein bisschen ausgetauscht. Vielleicht sollte man sich nochmal über den Weg laufen", sagte Magath.

Kuranyi kletterte nach seiner Gala in Leverkusen auf den Zaun, gab mit Megafon den Zeremonienmeister und wurde gefeiert wie noch nie in seiner Schalker Zeit.

Alles vor den Augen des Bundestrainers, was Kuranyi sichtlich genoss.

Kuranyi: "Ich habe noch Hoffnung"

Mit dem 2:0 in der 28. Minute schloss er in der ewigen Bundesliga-Torjägerliste zudem zu Jürgen Klinsmann und Andreas Möller (alle 110) auf.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich habe noch Hoffnung. Ich bin in der besten Form meiner Karriere, aber ich kann nicht entscheiden. Es kann nur ein Mensch ändern - und ich werde so lange kämpfen, bis der es auch tut", sagte der 28-Jährige.

Der beste Torjäger der Liga (17 Treffer) hat in den vergangenen vier Spielen häufiger getroffen als die Nationalstürmer Lukas Podolski und Miroslav Klose in der gesamten Saison gemeinsam (5:4).

Liste der Fürsprecher wird länger

Kuranyi erreichte zudem sein erstes persönliches Ziel.

"Ich wollte unbedingt zum ersten Mal mehr als 15 Tore schießen, um zu zeigen, dass ich mich weiterentwickelt habe", sagte Kuranyi, dem plötzlich Dinge gelingen, die man vor gar nicht allzu langer Zeit noch für unmöglich gehalten hatte.

Die Liste der Fürsprecher wird daher immer länger. Selbst der Trainer des Gegners legte ein gutes Wort ein.

Heynckes: Kuranyi ist ein Nationalspieler

Jupp Heynckes bat den Bundestrainer, die Verbannung Kuranyis nach dessen Stadionflucht im Okober 2008 zu revidieren.

"Er ist ein sehr guter Spieler, normalerweise ein Nationalspieler", sagte Heynckes.

"Ich denke, dass es Jogi Löw vielleicht nochmal überdenkt, denn so reichlich bestückt sind wir vorne auch nicht, wenn man sieht, wie andere Nationalspieler momentan spielen."

Mit einer weiteren WM-Bewerbung im Topspiel gegen Bayern München am Samstag kann Kuranyi den Druck auf Löw fast schon ins Unerträgliche steigern.

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