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Mit dem lieben Thema Geld hat er's ja sowieso: "Meinen Sie denn, wir haben einen Geldscheißer?" (2003 auf die Frage, ob die Bayern nach Roy Makaay einen weiteren Top-Spieler verpflichten wollen)
Uli Hoeneß schließt aus, dass die Finanzkrise die Bayern in eine Schieflage bringt © getty

Die Finanzkrise droht auch auf die Bundesliga überzuschwappen. Was den FC Bayern angeht, so sieht Uli Hoeneß aber "keinerlei Risiken".

Von Christian Paschwitz

München - Desaster an den internationalen Finanzmärkten, die Weltwirtschaft ist in Aufruhr - und dass den englischen Fußball ein Schuldenberg von 3,8 Milliarden Euro drückt, stimmt höchst besorgniserregend. Auch deutsche Beobachter.

Pessimisten unken gar, die Pleite-Welle der Premier League drohe alsbald gar auf den gesamten europäischen Fußball überzuschwappen. Wenn Klubs wie Manchester United, FC Liverpool, FC Chelsea und der FC Arsenal (allein mit 1,2 Milliarden Euro verschuldet) bankrott gehen.

Einer, der vor einer solchen Entwicklung schon vor Jahren gewarnt hatte, ist Uli Hoeneß. Allerdings sieht der Bayer-Manager aktuell keine Gefahr für ein ebenso düsteres Szenario in der Bundesliga: "Ich glaube, der deutsche Fußball muss sich weniger Sorgen machen als andere Länder", sagte der 56-Jährige in der "Bild".

Er schränkt jedoch ein. "Die große Frage ist, ob wir eine Rezession kriegen, die dazu führt, dass die Firmen weniger Werbeausgaben machen und die Sponsoren nicht mehr bereit sind, die selben Beträge zu zahlen.?

"Keinerlei Risiken" bei Bayern

Sicher fühlt sich Hoeneß offenbar beim eigenen Klub. Der Rekordmeister habe "keinerlei Risiken", betont der Bayern-Macher, der wegen seines verglichen mit ausländischen Topklubs eher zurückhaltenden Vorgehens bei zweistelligen Millionen-Transfers einst als "Festgeld-Konto-Uli" belächelt wurde.

"Wir hatten mal Aktien, die haben wir rechtzeitig verkauft. Unser Festgeld-Konto ist in erster Linie das Stadion, in das wir 70, 80 Millionen gesteckt haben." Hoeneß, der konservative Kalkulator - mit Weitsicht und als stiller Triumphator in der gegenwärtigen Situation.

"Es macht ja keinen Sinn, wenn man - zum Beispiel - für das Festgeldkonto fünf Prozent Zinsen bekommt, aber für aufgenommenes Geld sieben Prozent zahlt. So sparen wir zwei Prozent."

West Ham in der Bredouille

Mit derlei "Peanuts"-Gedanken beschäftigen sich vor allem die englischen Vereine wenig, die ihre Autonomie aufgegeben haben. Und nun das volle Ausmaß der Finanzkrise spüren wie beispielsweise West Ham United.

Die Londoner stecken auch deshalb in großen Turbulenzen, weil Besitzer Björgolfur Gudmundsson, ein isländischer Bankier, beim Banken-Crash viel Geld verloren hat.

"Hier und da könnten Lichter ausgehen, aber kaum bei den Großen", relativiert Hoeneß jedoch. "Chelsea hat seine Schulden bei Abramowitsch, die tun denen nicht weh, weil ihm der Laden gehört. Da ist keine Bank, die den Verein morgen dicht macht. Solange Abramowitsch sein Geld nicht zurück will."

Wie dick ist das Eis?

Allerdings gibt der Bayern-Manager zu bedenken: "Man muss schauen, ob das Eis hält, auf dem alles aufgebaut ist.?

Immerhin etwas Positives laut Hoeneß: Im Zuge der Finanzkrise schwindet neben viel Kapital auch das Phänomen, dass sich bisherige Aktien-Profiteure weiterhin mit der jetzigen Vehemenz in Klubs einkaufen oder sie ganz schlucken:

"Das wird vorbei sein. Die Frage wird sein, ob sie viel Geld verloren haben und dann für solche Sperenzchen kein Geld mehr haben.?

Vereine wie ein Puzzle am Kiosk

Hoeneß lässt durchblicken, dass er die Sicht der Vereine dabei nur begrenzt nachvollzieht. Solche Investoren seien für die Klubs zwar "leicht verdientes Geld - aber womöglich auch die Garantie, dass man den Verein dann als Puzzle am Kiosk kaufen kann, wenn es schief geht."

Hoeneß fordert deshalb mehr Transparenz und strengere wirtschaftliche Auflagen: "Es ist doch kein Arbeiten, wenn man ? sagen wir ? bei 200 Millionen Umsatz 150 Millionen Verlust machen kann.

Es wäre schön für den Wettbewerb, wenn es in ein paar Jahren wieder der Fall wäre, dass jeder Verein nach dem Prinzip arbeiten müsste, dass das, was man ausgibt auch erwirtschaftet werden muss.?

50+1-Regel nicht alles

Keineswegs sieht der Bayern-Manager das als Argument, die 50+1-Regel in der Bundesliga zu erhalten, die Investoren den Einstieg oder die Übernahme von Vereinen erschwert: "50+1 kann doch ruhig fallen! Aber jeder Verein muss für sich entscheiden, was er damit macht. Wenn ich einen Investor reinhole wie den Dietmar Hopp (Mäzen von Hoffenheim, d. Red.), dann ist das okay."

Entscheidend sei Identifikation: "Einen, der das nicht als Investment sieht und Profit daraus schlagen will, der keine Ziele verfolgt - außer Spaß und Dank an die Region. Oder man macht es so wie wir."

Und verbucht dabei Geschäftsjahr für Geschäftsjahr Rekordmarken bei Umsatz (zuletzt 225,8 Millionen Euro), Gewinn nach Steuern (18,9 Millionen Euro) und Eigenkapital (175,9 Millionen Euro).

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