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Toni Kroos (l.) erzielte diese Saison bereits neun Saisontore für Bayer Leverkusen © getty

Hyypiä und Friedrich schlagen Alarm, Völler beruft eine Krisensitzung ein: Leverkusen droht am Ende mit leeren Händen dazustehen.

Von Nikolai Kube

München - Untergangsstimmung bei Bayer Leverkusen.

Nach der desolaten Vorstellung beim 0:2 gegen Schalke droht der Werkself der Totalabsturz.

"Die Nacht war beschissen, das Spiel wird noch einige Tage richtig weh tun", jammerte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. Und auch Abwehrchef Sami Hyypiä schimpfte: "Sie haben uns eine gute Lehrstunde erteilt."

Bitter für Bayer: Die Meisterschaft ist kein Thema mehr.

"Jetzt ist es fast unmöglich, noch oben einzugreifen", gab Trainer Jupp Heynckes zu.

Rang drei ist in Gefahr

Denn die Bayern, Leverkusens übernächster Gegner, scheinen - in Bayers aktueller Form - nicht mehr einholbar. Und nun machen Dortmund und Bremen, die nur vier bzw. fünf Punkte zurückliegen, auch noch von hinten Druck auf den Tabellendritten.

Am Ende könnte Leverkusen erneut mit leeren Händen dastehen und sogar noch aus den Champions-League-Rängen verdrängt werden.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir müssen den dritten Platz verteidigen. Über etwas anderes brauchen wir nicht zu reden", bestätigte Völler in der "Bild".

Friedrich: Es fehlt an allen Ecken und Enden

Zumal der Abwärtstrend der Heynckes-Elf nicht zu übersehen ist.

Der ersten Saisonniederlage in Nürnberg (2:3) folgte zwar ein überzeugender Sieg gegen den HSV (4:2). Doch die Klatschen in Dortmund (0:3) und gegen Schalke verdeutlichten: Die spielerische Leichtigkeit ist verlorengegangen.

Vor allem der Angsthasen-Auftritt gegen Schalke ärgerte Manuel Friedrich.

"Wenn uns einer nachsagt, wir hätten uns hilflos angestellt, dann können wir uns nicht beschweren. Es fehlt an allen Ecken und Enden", sagte der Kapitän dem "kicker" und legte nach:

"Es geht darum, Punkte zu sammeln. Das machen wir nicht. Also haben wir auf Platz drei nichts verloren, wenn wir so weiterspielen."

Zerbricht Bayer am immensen Druck?

Das große Problem: Die junge Mannschaft um Hoffnungsträger Toni Kroos scheint dem immensen Druck nicht gewachsen zu sein.

"Wir müssen lernen, mit dem Druck fertig zu werden, den du hast, wenn es oben an die entscheidenden Spiele geht", forderte Heynckes.

Die Skeptiker, die Leverkusens Einbruch vorausgesagt haben, behalten wohl recht.

Doch genau das bringt Hyypiä mächtig auf die Palme: "Ach, das ist doch alles shit. Diese Historie ist was für Journalisten, genau wie Statistiken", polterte der Finne.

Verkauf von Leistungsträgern droht

Ein Indiz dafür, dass bei Bayer die Angst umgeht, ist eine einberufene Krisensitzung am Sonntagmittag. So versammelten sich die Bosse ziemlich verkatert in der BayArena, versuchten die Kräfte zu bündeln, um den "Worst Case" zu verhindern.

Denn dieser hätte verheerende Folgen: 15 Millionen Euro aus der Champions League würden Leverkusen fehlen.

Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser wäre zu Sparmaßnahmen gezwungen, der Weggang einiger Leistungsträger nicht zu verhindern.

"Wenn wir das Ziel Champions League verpassen, müssen wir anders planen. Dann können wir uns keine großen Sprünge erlauben", sagte Holzhäuser, "und wir werden immer mal wieder einen Star verkaufen müssen".

Verfolgerduell am kommenden Wochenende

Noch bleiben Bayer allerdings sechs Spieltage Zeit, um dieses Horrorszenario abzuwenden.

Dass die unmittelbaren Verfolger Dortmund und Bremen am kommenden Wochenende direkt aufeinander treffen, ist für Bayer - ein Sieg bei den formstarken Frankfurtern vorausgesetzt - sicher nicht von Nachteil.

Eine Woche später wartet das "Spiel der Spiele" gegen den FC Bayern.

Hoffnungsträger Kießling

"Wir haben die Qualität, den Trend umzukehren", glaubt Toni Kroos.

Zumal in Frankfurt auch Toptorjäger Stefan Kießling nach auskuriertem Muskelfaserriss wieder in den Kader zurückkehren wird. Der 26-Jährige absolvierte am Sonntag problemlos ein Lauftraining.

Beim Herbeiführen der Wende nicht mithelfen kann hingegen Renato Augusto: Der Brasilianer musste gegen Schalke mit einer Oberschenkelverletzung ausgewechselt werden und fällt erstmal aus.

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