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Bruno Labbadia (l.) bestritt als Spieler 41 Spiele für den HSV © getty

Die Fans fordern die Entlassung und Ruud van Nistelrooy verschwindet grußlos in der Kabine: Der Druck auf Bruno Labbadia wächst.

Mönchengladbach - Kein Erfolg, Ärger mit dem Superstar und nicht enden wollende Gerüchte um Joachim Löw:

Für Bruno Labbadia wird die Luft beim Hamburger SV immer dünner.

Den Fans, die nach dem 0:1 in Mönchengladbach ein Interview des Trainers mit "Labbadia raus"-Rufen kommentierten, konnte niemand gute Gegenargumente liefern.

Und Star-Zugang Ruud van Nistelrooy fragt sich wohl spätestens seit Sonntag um 18.53 Uhr, was er sich da zum Ende seiner großen Laufbahn angetan hat.

Demütigung für van Nistelrooy

Schnurstracks und grußlos rannte der Niederländer nach seiner Auswechslung in die Kabine, ebenso wortlos und immer noch sichtlich aufgewühlt verließ er nach dem Schlusspfiff den Borussia-Park.

Vor den Augen seines Nationaltrainers Bert van Marwijk, bei dem er sich mit Blick auf die WM für ein Comeback empfehlen wollte, stand der Niederländer auf verlorenem Posten.

Von einer uninspirierten Mannschaft im Stich gelassen, fügte er sich allzu schnell in sein Schicksal und zeigte erst wieder Emotionen, als er gegen den zuvor sieben Monate verletzten Paolo Guerrero schon nach einer Stunde ausgewechselt wurde.

Labbadia watscht den Star ab

Und als wäre das alles nicht genug, strafte Labbadia den Superstar, der unter der Woche bereits durch eine Kabinen-Rangelei mit Tunay Torun für Schlagzeilen gesorgt hatte, nach dem Schlusspfiff auch noch mit Worten ab (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Wir haben gewusst, dass wir ihn bis Sommer durchbekommen müssen", sagte der Coach über den von Real Madrid verpflichteten Torjäger: "Ich habe mich gewundert, wie viele Spiele er bisher gemacht hat. Aber heute hat man ihm die fehlende Spielpraxis von der ersten Minute an angemerkt. Er war nicht spritzig und zeigte wenig Laufbereitschaft. Da mussten wir einfach handeln."

Deja-Vu für den Trainer

Die vermeintlichen Führungsspieler in die Pflicht zu nehmen, war nach dem Schlusspfiff ohnehin Labbadias Taktik, nachdem seine fürs Spiel ausgegebene offenbar kein Gehör gefunden hatte.

Der Absturz in der Rückrunde erinnert frappierend an den mit Bayer Leverkusen im Vorjahr. Und die Frage, wie groß die Kluft zwischen Mannschaft und Trainer ist, stellt sich auch diesmal.

Keine ausdrückliche Rückendeckung vom Chef

Im Umfeld wird bereits über Bundestrainer Löw als Nachfolger diskutiert - mit Blick auf Löws Vertragsstreitigkeiten beim DFB und des bereits sicheren Wechsels seines Chefscout Urs Siegenthaler zum HSV im Sommer wohl keine völlig abwegige Idee.

Vorstands-Boss Bernd Hoffmann nahm zwar demonstrativ die Spieler in die Pflicht, sprach Labbadia aber auch nicht ausdrücklich das Vertrauen aus. "Es standen heute elf Spieler auf dem Platz, damit habe ich zur Trainer-Diskussion alles gesagt", sagte er: "Die Trainer-Diskussion von außen kann ich nicht beeinflussen."

Hoffmann schimpft: "Weniger als wenig"

Hoffmanns Wut über die Leistung war jedoch unverkennbar. "Das war nicht nur wenig, das war weniger als das", schimpfte er: "Da muss ich mich schon schwer beherrschen. Das wollen wir von unserem HSV nicht sehen."

Und dann gab er seinen Profis - und wohl auch dem Trainer - noch mit auf den Weg: "Ich mache mir keine Sorgen, ich beobachte das. Wir sollten tunlichst Punkte sammeln, um das Saisonziel Europa zu erreichen."

Understatement von Frontzeck

Dafür verdienten sich die Gladbacher "mit Herz und Leidenschaft am Limit" (Trainer Michael Frontzeck) den Sieg und damit praktisch auch den Klassenerhalt.

Dass diesen angesichts von zehn Punkten Vorsprung bei noch sechs ausstehenden Spielen niemand als perfekt bezeichnen wollte, war pures Understatement.

"Fußball-Bundesliga ist niemals ruhig, egal wo du dich bewegst", sagte Frontzeck: "So weit, experimentieren zu können, sind wir noch nicht."

Schöner Abend für Eberl

Der Sieg durch das siebte Saisontor von Innenverteidiger Roel Brouwers (43.), der van Marwijk weitere Argumente für sein plötzliches Nationalelf-Debüt vor der WM lieferte, sorgte laut Sportdirektor Max Eberl aber zumindest für "einen schönen Abend".

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