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Mirko Slomka übernahm den Trainerjob in Hannover im Januar von Andreas Bergmann © getty

Die Folgen des immer wahrscheinlicheren 96-Abstiegs wären gravierend. Coach Slomka bekommt eine Job-Garantie bis Saisonende.

Von Martin Hoffmann

Hannover - Die örtliche Presse versucht noch ihr Bestes, die Fans hinter Hannover 96 zu scharen.

In einem Leseraufruf fordert die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" die Anhänger der Niedersachsen auf, sich auszumalen, wie groß der Verlust wäre, sollte den "Roten" der Klassenerhalt nicht gelingen.

Doch die Aufforderung, den Satz "Die Bundesliga ohne Hannover ist wie..." zu vollenden, reagiert ein Großteil aber inzwischen anders als vorgesehen.

"Wie Champions League ohne Kleeblatt Stöcken" ist da zu lesen, "wie Germany's Next Top Model ohne Dirk Bach" oder "wie Sauna ohne Regenmantel". Oder einfach: "halt wie erste Liga ohne einen Zweitligisten".

"Egal gegen wen keine Chance"

Nur noch ätzenden Spott haben viele nach der 1:4-Heimpleite gegen Köln übrig. Die Hoffnung auf eine Wendung des Schicksals ist nicht mehr sehr ausgeprägt.

Zwar sind die Nichtabstiegsplätze weiterhin nur zwei Punkte entfernt, der Relegationsplatz nur einen. Aber das Restprogramm ist entmutigend: Die nächsten Gegner sind Hamburg, Schalke, Bayern und Leverkusen.

Und das in einer Lage, über die Hannovers eigener Manager sagte: "So wie wir auftreten, haben wir ja - egal gegen wen - keine Chance."

Jörg Schmadtke sprach später im "NDR" gar davon, dass einige Spieler sich mit dem Abstieg wohl schon abgefunden hätten - und klang selbst schon fast resigniert.

Selbstfindung bei Winnetou

Trainer Mirko Slomka hat dagegen Maßnahmen eingeleitet, die wie ein letztes, verzweifeltes Ankämpfen gegen die Endzeitstimmung wirkt.

Sondertraining am eigentlich spielfreien Montag, ein Mini-Trainingslager in Bad Segeberg: Der Coach versucht, so viel mit dem Team zu arbeiten wie möglich.

Das Trainingslager am Schauplatz der Karl-May-Festspiele zieht sich vom Dienstag bis zum Ostersonntagsspiel in Hamburg hin.

Nicht alle Spieler, sondern nur 18 Feldspieler und zwei Torhüter, sind dabei. Der Kader, der zusammengezogen wird, soll nach Slomkas Vorstellung "dann bis Ende der Saison durchs Feuer gehen".

Balitsch ausgemustert?

Diese Ankündigung könnte gleichbedeutend mit der Ausmusterung von Interimskapitän Hanno Balitsch sein.

Nach seinem Platzverweis gegen Köln bleibt der 29-Jährige außen vor: "Die gesperrten Spieler sind beim Trainingslager nicht dabei", wie Slomka erklärt.

Weil Balitschs Vertrag ausläuft, könnte seine Zeit in Hannover abgelaufen sein. Ihm werden pikanterweise Wechselabsichten in Richtung Köln, wo er bereits von 2001 bis 2002 spielte, nachgesagt.

Harte Einschnitte im Abstiegsfall

Den Spielern, die bleiben, stünden im Falle des Abstiegs schmerzhafte Einschnitte ins Haus.

Einen "Bild"-Bericht, dass der Etat dann von 50 auf 23 Millionen Euro sinken würde und die Gehälter der Spieler gemäß einer Vertragsklausel um 40 Prozent, hat Klubchef Martin Kind als "in der Tendenz richtig" bestätigt.

Vorläufige Garantie für Slomka

In den Sternen steht die Zukunft des Trainers. Slomkas bis 2011 laufender Vertrag gilt nicht für die Zweite Liga und dass Kinds Grundhaltung ihm gegenüber kritisch ist, ist ein offenes Geheimnis.

Eine vorläufige Job-Garantie bis zum Saisonende hat Slomka nun aber von Kind erhalten.

Auf die Frage, ob Slomka bis zum Sommer bleibe, legte sich Kind im "NDR" fest: "Das kann ich bestätigen."

Schmadtke auch bei Klassenerhalt weg?

Der Klassenerhalt würde Slomkas Position aller Voraussicht nach sichern. Bei Schmadtke sieht die Situation offenbar anders aus.

Weil auch das Verhältnis des Managers zu Slomka distanziert ist, gehen die örtlichen Medien davon aus, dass Schmadtke weg ist, sollte der Klassenerhalt gelingen und Slomka Trainer bleiben ? und erst recht, wenn Hannover absteigt.

Nur eine Konstante ist sicher: Martin Kind hat schon vor Wochen angekündigt, dass es "das falsche Signal" wäre, nach einem Abstieg hinzuwerfen.

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