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Louis van Gaal (l.) begann seine Trainerkarriere 1986 als Assistent in Alkmaar © imago

Vor dem Topspiel auf Schalke ist der Bayern-Coach nicht zum Scherzen aufgelegt - und lässt das seine Zuhörer auch spüren.

Vom FC Bayern berichtet Martin Hoffmann

München - "Ich bereite meine Spieler auf sehr grimmige Weise vor", lässt Louis van Gaal einen Tag vor dem wichtigen Topspiel seiner Bayern auf Schalke (Sa. ab 15 Uhr LIVE) wissen.

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So hört es sich zumindest an für die anwesenden Journalisten. Van Gaal meint allerdings "auf gründliche Weise", wie Bayerns Pressechef Markus Hörwick schnell einwirft.

Man hätte van Gaal zugetraut, dass er "grimmig" gesagt hätte, denn so ist die Grundstimmung an diesem Karfreitagmittag.

Der Bayern-Trainer ist angespannt - trotz des 2:1-Siegs gegen Manchester United 219362(die Bilder des Spiels) - und auch ein wenig rauflustig.

Das nächste Duell der Kategorie "Gladiolen oder Tod" wartet - und van Gaals Stimmungslage ist todernst statt blumenfröhlich.

"Dafür bin ich nicht der Typ", sagt er direkt zu einer launigen Einstiegsfrage zum Thema Aprilscherze - und macht dann noch mehrmals klar, dass er auch am 2. April nicht zu Scherzen aufgelegt ist.

Robben blieb in München

Van Gaal wird im Spitzenspiel wohl auf Superstar Arjen Robben verzichten müssen.

Der Niederländer, der sich in der Vorwoche beim 1:2 gegen den VfB Stuttgart nach seiner Einwechslung eine Wadenzerrung zuzog, absolvierte am Freitag nur Lauftraining und stemmte Gewichte.

Laut "Bild" flog der 26-Jährige nicht mit nach Gelsenkirchen.

Auf dem rechten Flügel wird statt Robben wahrscheinlich erneut Hamit Altintop zum Zuge kommen.

Bei Remis "noch nichts verloren"

Kein bisschen lässt van Gaal sich am Freitag in die Karten schauen, nur wenn es allgemeiner wird, gibt er Auskunft.

So hält er etwa fest, dass im Titelkampf "noch nichts verloren ist", sollte es keinen Sieg beim Tabellenführer geben.

Zum Rasenstreit sagt er nichts Neues: Er wiederholt Karl-Heinz Rummenigges Position, dass der Schalker Rasen laut DFL-Ordnung in gutem Zustand sein müsse - und schließt sich ihr an.

Van Gaal findet lobende Worte für die Ordnung im Spiel der Schalker ("ein wichtiger Faktor") - und auch für Felix Magaths Rolle als Trainer-Manager ("Das ist immer die beste Lösung, wenn der Trainer auch gut ist").

Womit er nicht den Wunsch ausdrücken will, Christian Nerlinger in die Wüste zu schicken und seinen Job zu übernehmen: Er könne und wolle bei Bayern auch mit einem Sportdirektor arbeiten, schiebt er hinterher.

Ärger über Kader-Kritik

An einem Punkt wird van Gaal auch richtig ärgerlich. Als ihn ein Reporter fragt, ob er froh sei, nach dem Comeback von Mario Gomez wieder mehr Alternativen zu haben.

Der Bayern-Coach hört da Kritik an der Kaderverkleinerung im Winter heraus - und nimmt es zum Anlass, sich die Schreiber zur Brust zu nehmen.

"Ich habe immer Alternativen, jede Position ist zweimal besetzt - bis auf die Innenverteidiger", stellt er klar. Alles andere, fügt er hinzu, "das haben Sie geschrieben".

Und trotz der Kritik am vermeintlich zu kleinen Kader "stehen wir noch oben. Tut mir leid."

"Ihr könnt einen anderen Louis van Gaal erleben"

Van Gaal wird dann grundsätzlich und meint in Anspielung auf die Berichterstattung nach den Liga-Niederlagen in Frankfurt und gegen Stuttgart: "Ich habe alles gelesen, was negativ geschrieben wurde."

Und macht im Stil einer berühmten Wutrede aus Barca-Zeiten klar, dass er als Reaktion darauf härtere Saiten aufziehen kann.

"Ihr könnt einen anderen Louis van Gaal erleben", macht er klar. Dann nämlich, "wenn Sie auf ein gefundenes Fressen aus sind statt Fakten zu schreiben." Was für einen van Gaal man denn erleben wird, wenn Bayern Schalke besiegt? "Einen fröhlichen", das dann doch.

Aber wenn nicht, dann dürften nicht nur die Journalisten einen grimmigen van Gaal erleben.

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