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Neven Subotic hat für Dortmund in allen 29 Saisonspielen durchgespielt © getty

Nach Dortmunds Sieg gegen Bremen ist der BVB näher an der Champions League als je zuvor - auch wenn der Trainer abwiegelt.

Von Martin Hoffmann

Dortmund/München - Den Dortmunder Fans drohte ein Endorphin-Schock, so groß war Mitte der ersten Halbzeit die Häufung von Glücksmomenten.

Erst der zweite Treffer für ihr Team durch Neven Subotic im Duell gegen Bremen - und dann in kurzen Abständen die Nachrichten von Bayerns Doppelpack beim Erzrivalen auf Schalke.

Der Freudentaumel sollte Bestand haben: Die Europa League ist nach dem 2:1-Sieg fast gesichert, die Champions League in Reichweite (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Da konnte kein Dortmunder Trainer Jürgen Klopp widersprechen, als er festhielt: "Wer heute keinen Spaß hatte, der hatte was Falsches zum Frühstück."220069 (DIASHOW: Bilder des Spieltags)

Kommando Kleinreden

Der Coach ließ sich von der Begeisterungswelle aber nicht so sehr mitreißen, dass er auf er die gekommen wäre, öffentlich zur Attacke auf die Königklasse zu blasen.

Stattdessen war ganz im Stile von S04-Coach Felix Magath das Kommando Kleinreden angesagt.

"Die Champions League ist nicht das Ziel, das wir vor Augen haben", erklärte Klopp. "Wir reden weiter nur von der Europa League", sekundierte BVB-Geschäftsführer Hans-Jochim Watzke.

Nah dran wie nie zuvor

Das ist die offizielle Linie. Inoffiziell haben die Dortmunder die Königsklasse als mögliche Dreingabe einer herausragenden Saison nie aufgegeben.

Und nun sind sie ihr näher als je zuvor: Nur noch ein Punkt trennt sie nach dem erneuten Leverkusener Strauchler von Platz drei.

Mehr und mehr spricht dafür, dass das Versprechen, das diese junge Mannschaft abgibt, früher als geplant eingelöst wird.

Nicht aus der Ruhe zu bringen

Trotz der Vielzahl an wenig erfahrenen Spielen - fünf Startelf-Mitglieder aus dem Bremen-Spiel stammen aus dem Jahrgang 1988 - lässt sich das Team nicht aus der Ruhe bringen.

Die Drei-Niederlagen-Serie im Januar und Februar - gut verdaut und längst vergessen.

Und auch das Schlüsselduell gegen Bremen gewannen "Kloppos" Mannen wie ein echtes Spitzenteam.

"Haben alles rausgehauen"

Eiskalt nutzten sie in den ersten 25 Minuten mit einem Mix aus spielerischer Klasse und dem gewohnten läuferischen und kämpferischen Engagement die Räume den verschlafenen Beginn der Bremer.

Und als Bremen dann nach den Kopfballtreffern von Kevin Großkreutz und Subotic aufwachte, "haben wir alles rausgehauen, um das Spiel über die Runden zu bringen", wie Klopp es formulierte.

Die Gastgeber trotzten dem gefährlichsten Angriff der Liga dank dem wiedervereinten Innenverteidiger-Duo Neven Subotic und Mats Hummels, einem stark aufgelegten Roman Weidenfeller - und dem nötigen Maß an Fortune.

Kein schweres Restprogramm

Klopp sieht zwar einen entscheidenden Nachteil in der Art und Weise, wie sein Team seine Erfolge einfährt:

"Ich sehe, wie wir gewinnen, wie viel wir stets investieren müssen. Wir sind nicht Werder, der HSV und erst recht nicht die Bayern, die auch mal spielerisch etwas lösen können. Wir müssen immer alles raushauen."

Trotzdem wirkt es, als hätten Klopps Energiewunder noch genug im Tank, um den Sprung unter Europas Elite zu packen.

Gerade auch weil Leverkusen kommende Woche bei den Bayern der nächste Knacks droht. Dortmunds Restprogramm fällt dagegen mit den Gegnern Mainz, Hoffenheim, Nürnberg, Wolfsburg und Freiburg - in der Hinrunde bis auf Mainz allesamt bezwungen - nicht direkt in die Kategorie "Hammer-Wochen".

Bremen fährt der Zug davon

Werder dagegen fährt der sprichwörtliche Zug Richtung Königsklasse langsam davon.

Die Serie von acht Spielen ohne Niederlage ist gerissen und die Bremer wussten, wo sie die Schuld daran suchen mussten.

"Wir haben bis zum 0:2 nicht gemerkt, worum es hier geht", gab Verteidiger Per Mertesacker unumwunden zu.

"Es geht darum, vernünftig Fußball zu spielen - und zwar von Anfang an", setzte Manager Klaus Allofs den Gedanken fort.

Taktik-Missgriff von Schaaf

Neben der verfehlten Einstellung trug auch Trainer Thomas Schaaf mit einem missglückten Taktik-Kniff zum verhängnisvollen Fehlstart bei.

Er kompensierte die Ausfälle der defensiven Mittelfeldspieler Torsten Frings und Tim Borowski mit einer Flucht nach vorne, indem er fünf Offensivspieler aufbot.

Anstelle der erhofften Dominanz durch Vorwärtsverteidigung wurde die Ausrichtung zum Bumerang, weil die Offensivleute keine Fahrt aufnahmen und den Dortmundern so hinten die Räume offen ließen.

Schaaf korrigierte sich mit dem taktischen Halbzeittausch des offensiven Marko Marin gegen den defensiven Daniel Jensen.

Sein Team zeigte dann nach Schaafs Ansicht auch, "wie man erfolgreich sein kann". Dumm nur: "Da war es schon zu spät."

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