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Die Hertha bejubelt Ciceros (M.) Treffer zum 3:0 Endstand © getty

Nach dem Sieg in Köln beschwört Berlin das Wunder vom Klassenerhalt. Raffael hilft ein Psycho-Trick auf die Sprünge.

Berlin - Mehrfach angezählt, so gut wie K.o., aber unerschütterlich und furchtlos:

Hertha BSC Berlin steckt alle Rückschläge weg und darf auf einmal an ein kleines Fußball-Wunder glauben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir geben nicht auf. Nach dem Nürnberg-Spiel, als alles über uns hereingebrochen ist, waren wir schon am Boden. Aber der Ringrichter hat nicht lange genug gezählt", sagte Trainer Friedhelm Funkel nach dem 3:0 (2:0) beim 1. FC Köln.

Der Tabellenletzte aus der Hauptstadt war schon längst abgeschrieben.

Friedrich beschwört die Mathematik

"Nach der Hinrunde hatten wir zehn Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Da sind wir noch belächelt worden. Nun sind es nur noch drei", fügte der Coach hinzu.

In den Augen der Experten und Fans war das 1:2 vor drei Wochen gegen den direkten Konkurrenten 1. FC Nürnberg mit der Randale vermummter Chaoten im Stadion-Innenraum der Knockout.

Für Funkel, Spieler und Verantwortliche war es dagegen offenbar die Wende.

Fan-Randale offenbar Wendepunkt

"Die Fan-Ausschreitungen waren die schwärzeste Stunde der Klubgeschichte. Aber der Trainer hat uns aufgerichtet. Wir haben den Schalter umgelegt und ziehen an einem Strang. Drei Punkte sind noch viel, aber machbar", sagte Kapitän Arne Friedrich.

Torwart Jaroslav Drobny blickte noch optimistischer nach vorne: "Ich glaube an ein Happy End."

5:1 gewann die Hertha nach dem Albtraum gegen Nürnberg beim deutschen Meister VfL Wolfsburg, einer von vier Auswärtssiegen - alle in der Rückrunde bei 14:1 Toren.

Raffael mit DVD-Trick

Zwei davon erzielte in Köln ausgerechnet der Brasilianer Raffael (25. und 45.+1), der zuvor erst dreimal getroffen hatte.

Dessen Berater hatte ihm eine DVD von seinen Toren beim FC Zürich zusammengestellt und unter der Woche vorgespielt.

"Es war schön, die Tore zu sehen", sagte der Stürmer zu dem Psychotrick. Zum 3:0 traf sein Landsmann Cicero (75.).

Zuversicht bei Preetz

Auch bei Hertha-Manager Michael Preetz, der nach dem Nürnberg-Spiel Tränen in den Augen gehabt hatte, steigt die Zuversicht immer mehr.

"Es ist erstaunlich, wie die Mannschaft die zahlreichen Nackenschläge verkraftet hat. Wir haben die fußballerische Qualität und auch die Mentalität, die uns in der Hinrunde noch gefehlt hat", sagte der Rekordtorschütze der Hertha.

"Es ist eigentlich wahnsinnig, dass wir mit dieser Mannschaft noch auf dem 18. Platz stehen", ergänzte Preetz.

Dass sie diesen verlassen werden, davon sind die Berliner trotz der "Hypothek der Hinrunde" (Funkel) mit nur sechs Punkten überzeugt.

Schweres Restprogramm

Das Restprogramm lässt allerdings leise Zweifel aufkommen.

Gegner sind die Titel- beziehungsweise Europacup-Kandidaten VfB Stuttgart (H), Eintracht Frankfurt (A), Schalke 04 (H), Bayer Leverkusen (A) und Bayern München (H).

"Vor den letzten fünf Spielen haben wir überhaupt keine Angst", meinte Funkel, und Michael Preetz sagte: "Die kochen alle auch nur mit Wasser und sind zu schlagen."

Ostkurve bleibt leer

Gegen Stuttgart ist die Ostkurve im Olympiastadion, aus der die Chaoten gegen Nürnberg den Platz stürmten, nach dem Urteil des DFB-Sportgerichts gesperrt.

Deswegen lädt der Klub zum Public Viewing in die legendäre 22.000 Zuschauer fassende Waldbühne ein.

Auch Köln muss in Hoffenheim auf seine Anhänger verzichten. Für die Fans ist das ein Schlag, denn auswärts läuft es für den FC besser.

Kölns Meier enttäuscht

"Es ist schon eine blamable Leistung, die wir da abgeliefert haben. Dafür den Trainer verantwortlich zu machen, ist mir zu einfach. Die Spieler müssen sich selbst hinterfragen", sagte Manager Michael Meier, der Trainer Zvonimir Soldo aus der Schusslinie nahm.

Eine Woche nach dem 4:1 in Hannover ging nichts.

Rot für Mohamad und Tosic

Platzverweise für Youssef Mohamad (Rot nach Notbremse/73.) und Zoran Tosic (Gelb-Rot wegen Unsportlichkeit/87.) setzten einer unsäglichen Vorstellung die Krone auf.

Zudem musste Publikumsliebling Lukas Podolski mit einer Handprellung vorzeitig unter die Dusche.

"Das ist peinlich für die Mannschaft, den Verein und die Zuschauer, die sich jedes Mal sowas angucken müssen", sagte Abwehrspieler Kevin McKenna.

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