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Paolo Guerrero erzielte in der Bundesliga bisher 27 Tore für den HSV © imago

Die Wurf-Attacke zeigt eine Entfremdung zwischen Spielern und Fans. Hoffmann bezeichnet die Aktion Guerreros als "inakzeptabel".

Von Olaf Mehlhose

Hamburg - In Hamburg liegen die Nerven blank.

Beim Verlassen des Spielfeldes pöbelt ein Zuschauer gegen Paolo Guerrero. Der blickt kurz hoch und schmeißt dem Anhänger seine Trinkflasche ins Gesicht. Der Fan trägt eine blutige Nase davon, der aufgebrachte Guerrero wird von Verantwortlichen in die Kabine gezerrt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Guerrero, geh doch zurück nach Peru", soll der Anhänger gerufen haben.

Frank Rost reagierte nach dem Spiel trotzig.

"Klar hat Paolo einen Fehler gemacht, aber das hat er nicht grundlos gemacht", sagte der HSV-Torwart und legte dann deftig nach:

"Aber das haben auch andere Spieler gehört. Da muss sich auch der Fan mal hinterfragen. Er hat gut getroffen. Die New York Yankees würden ihn bestimmt gerne verpflichten."

Graben zwischen Spielern und Fans

Diese Szenen und Aussagen verdeutlichen die Missstimmung und den Graben zwischen Mannschaft und Anhängern. Dabei lebte der HSV in den vergangenen Jahren vor allem von der Begeisterung im Umfeld.

Guerreros Attacke und Rosts Bemerkung waren nicht die einzigen Situationen, bei denen Spannungen zwischen Spielern und Anhängern deutlich wurden.

Pfeifkonzert nach dem Schlusspfiff

Bereits nach der Bekanntgabe der Auswechslung Ruud van Nistelrooys zur Halbzeit waren Pfiffe zu hören. Die enttäuschende Leistung gegen die dezimierten Hannoveraner tat dann ihr Übriges.

Die gesamte zweite Hälfte wurde bereits von Missfallensbekundungen begleitet und nach dem Schlusspfiff entlud sich der Ärger der Anhänger in einem gellenden Pfeifkonzert.

"Unterstützung der Fans hat gefehlt"

Zunächst sah es noch so aus, als suchten die HSV-Spieler den Schulterschluss mit den Fans: Das gesamte Team begab sich nach der Partie in die Fankurve.

Doch bereits Dennis Aogos Aussagen unmittelbar nach Abpfiff ließen auf Unstimmigkeiten schließen:

"Jeder der Ahnung von Fußball hat, hat gesehen, dass sich Hannover mit elf Mann hinten rein stellt. Da ist das ganz schwer. Wir hatten auch ein schweres Spiel in den Knochen. Da braucht man die Unterstützung der Fans und die hat uns heute gefehlt."

Und dann gingen Guerrero die Nerven durch.

Krisensitzung in der Kabine

Im Anschluss versammelten sich Vereinsführung, Trainerstab und Mannschaft zu einer Krisensitzung in der Kabine.

Vorstands-Chef Bernd Hoffman sprach dann bei "LIGA total!" auch deutliche Worte:

"Bei aller Emotion für das Spiel und auch sicherlich für den Wortwechsel, den es da nach dem Abpfiff gegeben hat: Das darf natürlich nicht passieren, das darf auch Paolo nicht passieren. Und das haben wir ihm auch schon gesagt.?

Labbadia enttäuscht

Auch Bruno Labbadia war von dem Verhalten Guerreros enttäuscht und äußerte sich zu möglichen Konsequenzen:

"Wir sind alle momentan ein Stück deprimiert, dass so was passiert, weil wir eigentlich ja ein gutes Zusammenspiel mit unseren Zuschauern haben wollen. Das war leider heute nicht der Fall. Von daher werden wir mit dem Spieler ganz klar drüber reden und werden uns überlegen, was wir machen müssen."

Hoffmann: "Keine Entfremdung"

Einen Bruch zwischen Mannschaft und Anhängern sieht Hoffmann allerdings nicht.

"Natürlich waren die Fans nach dem Unentschieden gegen Hannover enttäuscht und das entlädt sich dann in Pfiffen. Ich würde das Ganze, auch die Aktion von Guerrero, im Gesamtkontext relativieren und nicht als Entfremdung zwischen Spielern und Fans sehen", so der HSV-Boss bei "Sky".

Vier Spiele sieglos

Als hätte Hamburg im Moment nicht genügend andere Probleme.

Fakt ist, dass sich der HSV sportlich auf Talfahrt befindet. Vor allem in der Bundesliga hat die Labbadia-Elf zuletzt enttäuscht:

Vier Spiele ohne Sieg und der Vorsprung im Kampf um die Europa League schmilzt zusehend, die Verfolger sitzen den "Rothosen" im Nacken.

Wenn sich die Form der Mannschaft nicht umgehend ändert, könnte der HSV am Ende der Saison mit leeren Händen dastehen. Der Trainer wackelt aber angeblich nicht.

Rückendeckung für Labbadia

Die Vereinsführung stehe hinter Labbadia, bekräftigte Hoffmann:

"Wir befinden uns in einer schwierigen Situation. Allerdings stehen wir zu unserem Wort, dass wir mit dem Trainer etwas aufbauen wollen. Unsere gesamte Konzentration gilt jetzt dem Spiel gegen Lüttich."

Sollte der HSV am Donnerstag ausscheiden, scheint in der hektischen Atmosphäre von Hamburg vieles möglich.

Slomka zufrieden

Gegner Hannover bleibt nach dem Punktgewinn in Hamburg auf dem vorletzten Platz. Dennoch zeigte sich Trainer Slomka zufrieden.

"Das war ein ganz wichtiger Punkt für uns", sagte Slomka: "Die Mannschaft hat sehr leidenschaftlich den Kampf angenommen. Großen Respekt vor der Leistung meiner Jungs. Diesen Punkt und diese Leistung haben wir dringend gebraucht."

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