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Paolo Guerrero erzielte in der Bundesliga bisher 27 Tore für den HSV © imago

Krise beim HSV: Guerreros Ausraster sorgt für Entsetzen, das Verhältnis zu den Fans ist zerrüttet. Labbadia wirkt isoliert.

Von Daniel Rathjen

München - Es ist schon fast normal.

Kurz vor Saisonschluss verstrickt sich der Hamburger SV in hausgemachten Problemen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nur ein Sieg aus den letzten sieben Spielen steht für die Hanseaten zu Buche. Trotz vieler Möglichkeiten auf allen Ebenen bangt der Klub sogar um die Europa League.

Die Atmosphäre ist angespannt. Das Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans ist zerrüttet (Stevens-Kolumne: "Paolo, das war nicht gut").

Der Ausraster von Paolo Guerrero 220069(die Bilder) nach dem 0:0 gegen Hannover 96 sorgt für zusätzlichen Zündstoff (Nachbericht: Die Krise verschärft sich).

Am Ostermontag saßen die HSV-Verantwortlichen stundenlang in einer Krisensitzung und berieten über die Situation.

Das Resultat: Am Nachmittag soll sich der 26-Jährige öffentlich entschuldigen, ein Rausschmiss ist dann unwahrscheinlich, so heißt es aus dem Hamburger Umfeld.

Mit welcher Strafe des Klubs Guerrero zusätzlich rechnen muss, ist noch unklar.

Schlechtes Blatt im Poker

Dass sich seine Position im Vertragspoker (der Kontrakt läuft im Sommer aus) verschlechtert hat, steht allerdings außer Frage. Zuletzt forderte er ein Jahresgehalt von vier Millionen Euro.

Zur Erinnerung: Beim Gang in die Kabine war der Stürmer vollkommen ausgeflippt.

Nach einem Wortgefecht mit einem Fan schmiss der Peruaner dem ungehaltenen Zuschauer aus etwa sechs Metern Entfernung seine gefüllte Plastikflasche mit voller Wucht gegen den Kopf.

Beleidigende Worte fielen

Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass Guerrero von dem Zuschauer beleidigt wurde. "Schwule Sau" und "Geh zurück nach Peru" wurde ihm unbestätigten Gerüchten zufolge gesagt.

Joris Mathijsen und Jonathan Pitroipa versuchten ihren Teamkollegen anschließend zurückzuhalten, ansonsten wäre der wilde Angreifer dem Zuschauer wohl noch hinterhergejagt.

Es war eine beispiellose Szene, die an Ausraster wie den Karatesprung von Ex-United-Star Eric Cantona im Jahr 1995 erinnert.

"Das wird Konsequenzen haben", stellte Bernd Hoffmann direkt nach dem Vorfall klar.

Der HSV-Boss war wütend in die Kabine gestürmt und hatte Guerrero sofort eine Standpauke verpasst.

"Ich habe mir den Vorfall in der Kabine schildern lassen. Das ist ein inakzeptables Verhalten. Alles Weitere werden nun die nächsten Tage zeigen", zürnte er.

So viel steht fest: Die nächsten Tage, von denen er spricht, werden mit Sicherheit turbulent.

Bei nun drei Punkten Rückstand auf Platz fünf und Stuttgart, Frankfurt und Wolfsburg im Nacken ist die sportliche Situation vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Europa League bei Standard Lüttich am Donnerstag alles andere als optimal.

In der Verantwortung steht als Trainer weiterhin Bruno Labbadia. Doch auch dessen Zukunft an der Alster ist umstritten.

Was wird aus Labbadia?

Der Frage nach möglichen Folgen in der Trainerfrage wich Hoffmann aus und rückte Labbadia aus der Schusslinie: "Wir wollen mit dem Trainer etwas aufbauen und haben am Donnerstag ein wichtiges Spiel."

Dass der Auftritt in Belgien aber mitentscheidend werden könnte, kann gut sein. Bei einem Rausschmiss Labbadias müsste sich Hoffmann aber auch selbst hinterfragen. Der Ex-Leverkusener ist der vierte Trainer seit 2007.

Labbadia selbst kämpft derweil weiter um Autorität innerhalb der nominell starken, aber insgesamt schwer zu führenden Mannschaft.

Auch dass der Name Joachim Löw zuletzt durch Hamburg geisterte, trug nicht zur Festigung seines Jobs bei.

"Es war Bewegung da"

Richtig erklären kann sich der Coach die aktuelle missliche Lage nicht. Er versucht, das Positive herauszustellen.

"Die Mannschaft hat sehr viel in das Spiel investiert. Es war Bewegung da. Wir haben den Gegner hinten reingedrängt, Konter vermieden und keine Chancen zugelassen. Leider ist uns selbst kein Tor gelungen", bilanzierte er.

"Wir waren in allen Belangen besser, man kann der Mannschaft den Willen nicht absprechen."

Aber dass es insgesamt nicht stimmt, war während des Spiels deutlich sichtbar - die Fans pfiffen.

"Der Zusammenhalt mit den Zuschauern war bisher eine unserer großen Stärken. Jetzt ist die Lage ein Stück weit negativ. Das geht auch an den Fans nicht vorbei. Dass diese Situation den Leuten nicht passt, ist klar", weiß Labbadia.

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