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Paolo Guerrero bestritt bislang 19 Länderspiele für Peru © getty

Nach der Geldstrafe seitens des Vereins droht dem HSV-Stürmer eine Sperre durch den DFB. Der Peruaner muss Stellung beziehen.

München - Angreifer Paolo Guerrero vom Hamburger SV droht nach seinem Flaschenwurf gegen einen Fan eine lange Sperre und damit das vorzeitige Saisonende in der Bundesliga (Nachbericht: Die Krise verschärft sich).

Der DFB-Kontrollausschuss leitete am Dienstag ein Ermittlungsverfahren gegen den Peruaner wegen einer "Tätlichkeit gegen einen Zuschauer" ein (Stevens-Kolumne: "Paolo, das war nicht gut").

Guerrero hatte nach dem 0:0 gegen Hannover 96 am Sonntag nach einer vermeintlichen Provokation eine Trinkflasche gezielt auf einen Zuschauer geworfen und diesen im Gesicht getroffen 220069(die Bilder).

Guerrero muss Stellung beziehen

"Auch wenn Guerrero von einem Zuschauer provoziert worden sein sollte, gilt für ihn das, was auch auf dem Platz gilt: Ein Sportler kennt keine Rache. Wer sich nicht daran hält, wird bestraft", sagte der DFB-Kontrollausschuss-Vorsitzende Anton Nachreiner der "Sport Bild".

Guerrero muss nun schriftlich zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Anschließend kommt es zu einem Urteil.

Sollten Guerrero oder der HSV das Urteil nicht akzeptieren, folgt anschließend eine mündliche Verhandlung in der Frankfurter DFB-Zentrale (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Provokation spielt eine Rolle

Über das mögliche Strafmaß gegen Guerrero, der vom HSV am Montag bereits mit einer Rekordgeldstrafe, die sich im hohen fünfstelligen Bereich bewegen dürfte, belegt worden war, wollte Nachreiner nicht spekulieren.

"Dabei spielt auch eine Rolle, ob und wie heftig Guerrero provoziert wurde, ob der Zuschauer verletzt wurde oder nicht, ob die Flasche voll war oder leer", sagte Nachreiner und fügte hinzu: "Ich habe keinen Präzedenzfall in Erinnerung, dass so etwas schon einmal in Deutschland passiert ist."

Kein Vergleich zu Cantona

Mit dem berühmten Kung-Fu-Tritt des Franzosen Eric Cantona, der damals in Diensten von Manchester United war, gegen einen Fan von Crystal Palace im Jahr 1995 wollte der DFB-Chefankläger den Flaschenwurf von Guerrero aber nicht vergleichen:

"Es ist noch schlimmer, einem Fan mit Stollenschuhen vor den Brustkorb zu springen. Das kann zu lebensgefährlichen Verletzungen führen."

Cantona war damals für ein halbes Jahr gesperrt worden.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Indes hat die Hamburger Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Paolo Guerrero aufgenommen.

Der Flaschenwurf des Stürmers im Anschluss an das Spiel gegen Hannover 96 am Sonntag begründet "den Anfangsverdacht einer gefährlichen Körperverletzung", sagte Staatsanwalt Bernd Mauruschat.

Eine Anzeige des geschädigten HSV-Fans liege nicht vor, die Strafverfolgungsbehörde muss allerdings von Amts wegen tätig werden.

"Wir ermitteln jetzt in zwei Richtungen. Womit hat Guerrero geworfen und hat der Geschädigte Verletzungen erlitten oder nicht", sagte Mauruschat.

Die Wasserflasche könne, je nachdem ob und wie sie gefüllt war, als `gefährliches Werkzeug" gelten, das geeignet sei, Verletzungen beizufügen.

Dann sei Paragraf 224 des Strafgesetzbuches betroffen.

Strafe droht

Die Polizei ist deshalb mit den Ermittlungen und der Beweissicherung beauftragt.

Dabei werden auch Zeugen befragt, auch Guerrero wird voraussichtliche eine Aussage machen müssen.

Sollte sich der Verdacht einer versuchten gefährlichen Körperverletzung erhärten, droht dem Peruaner eine Haftstrafe von sechs Monaten, in einem minder schweren Fall sind drei Monate Haft oder eine Geldstrafe vorgesehen.

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