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Martin Lanig, Roberto Hilbert und Sami Khedira (von links) bejubeln das 4:1 gegen Bremen © imago

Innerhalb weniger Tage mauserte sich Stuttgart vom Krisenklub zum Titelkandidaten. Entscheidend dafür ist ein einziges Tor.

Von Andreas Kloo und Martin van de Flierdt

München - Der VfB Stuttgart sah bereits eine schlimme Krise auf sich zukommen.

0:3-Niederlage in Dortmund, 0:2 nach 80 Minuten im UEFA-Cup-Rückspiel gegen den bulgarischen Vertreter Cherno More Varna, was gleichbedeutend mit dem Aus im Europacup gewesen wäre.

Doch die Nationalspieler Thomas Hitzlsperger und Mario Gomez retteten den VfB mit ihren Treffern vor der Blamage.

Im folgenden Bundesligaspiel schickten die Schwaben dann die Bremer mit einem 4:1 nach Hause und spielten dabei wieder auf wie in der Meistersaison 2006/07.

Ausgleich gegen Varna mit befreiender Wirkung

VfB-Legende Hansi Müller zeigt sich über diese plötzliche Wandlung seines früheren Teams nicht verwundert.

Als entscheidenden Wendepunkt nennt er im Gespräch mit Sport1.de die Schlussminuten gegen Varna: "Das 2:2 , wo sie in der letzten Sekunde weiterkommen, war ein Schlüsselerlebnis. Das setzt dann wieder Kräfte frei und macht zuversichtlich und optimistisch."

Hansi Müller bestritt zwischen 1977 und 1982 143 Bundesligaspiele für den VfB. Der 51-Jährige spricht also aus Erfahrung, wenn er sagt: "Jede Mannschaft hat Schwankungen und jede Mannschaft hat dann so einen befreienden Moment, der einen beflügelt."

Krisen-Duo gegen Bremen erfolgreich

Wie befreit spielte gegen Bremen vor allem ein Duo auf, das dem VfB zuvor viele Sorgen bereitet hatte: Sami Khedira und Roberto Hilbert.

Beide hatten mit zusammen elf Toren 2007 einen gewichtigen Anteil am Titelgewinn und spielten sich in dieser Saison in den Kreis der Nationalmannschaft. In der darauffolgenden Spielzeit knüpfte das Duo aber nicht an diese Leistungen an und saß in Stuttgart einige Male nur noch auf der Bank.

Gegen Bremen steuerten beide nun wieder einen Treffer bei.

Khedira profitiert von Systemänderung

Khedira überzeugte dabei vor allem in der für ihn ungewohnten Rolle im defensiven Mittelfeld. Weil beide Spielmacher, Yildirai Bastürk und Jan Simak , verletzt fehlten, stellte Trainer Armin Veh das System um, spielte mit zwei Sechsern vor der Abwehr und zwei offensiven Außen.

Das machte sich bezahlt, vor allem weil Khedira als Chef im Mittelfeld auftrat. Er begrüßt Vehs Systemwechsel: "Zwei defensive Mittelfeldspieler, das liegt mir, weil ich mich dann auch ganz gut nach vorne einschalten kann."

Zum Leidwesen für den VfB zog sich Khedira im U21-Spiel gegen Frankreich (1:1) allerdings eine Sprunggelenksverletzung zu, so dass er bei seiner Rückkehr zu alter Stärke gebremst wird. Wie lange er ausfällt, ist noch nicht bekannt.

Hilbert erwartet Anruf von Löw

Ebenfalls auf dem aufsteigenden Ast befindet sich Roberto Hilbert. "Ich habe eine gewisse Leck-mich-am-Arsch-Einstellung entwickelt", beschreibt der gebürtige Franke in der "Bild", wie er sich aus dem Leistungsloch herausarbeitete.

Nun erhofft sich der schnelle Mann auf Rechts eine Rückkehr ins DFB-Team: "Ich bin sicher, dass ich wieder meine Chance bekomme, wenn ich weiter so spiele wie beim 4:1 gegen Bremen."

Veh droht mit Abschied

Der VfB befindet sich also wieder im Aufwind. Fast könnte man denken, die Stimmung in Stuttgart ist jetzt durchwegs positiv. Doch für Misstöne sorgt ausgerechnet Trainer Armin Veh selbst.

Der Coach fordert vom Verein mehr Investitionen, um nicht ins Hintertreffen gegenüber Bremen, Schalke, Wolfsburg oder dem HSV zu geraten. Außerdem wünscht er sich einen Ausbau dr Scoutingabteilung: "Der 1. FC Köln macht das gerade vorbildlich. Die haben Computerfreaks, die Spiele aufarbeiten, Daten herausholen."

Veh droht in der "Sport Bild" sogar mit seinem Abschied zum Saisonende: "Dann ist die Frage, ob man das mitmacht oder nicht. Ich habe keine Lust, um die Plätze sechs bis zehn zu spielen."

Momentan scheint sich der VfB aber eher für die Ränge ganz oben an der Spitze zu bewerben. Noch könnte Veh also zufrieden sein.

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