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Eintracht Frankfurt gewann die letzten drei Spiele in der Bundesliga © getty

Mit einem Sieg in Gladbach würde Frankfurt auf Rang sechs vorrücken. Vorstandsboss Heribert Bruchhagen will die Serie fortsetzen.

Von Christian Stüwe und Mathias Frohnapfel

München - Die vergangenen Jahre waren für Eintracht Frankfurt ein ständiges Auf und Ab. Zunächst pendelten die Hessen als Fahrstuhlmannschaft zwischen Bundesliga und Zweiter Liga.

Nach dem Wiederaufstieg 2005 zeigte die Eintracht immer wieder guten Fußball, doch fehlte letztlich die Konstanz, um am Ende der Saison die oberen Plätze anzugreifen.

In dieser Spielzeit ist das anders. Mit einem Sieg bei Borussia Mönchengladbach (ab 20.15 Uhr LIVE) könnten die Frankfurter zumindest über Nacht Platz sechs übernehmen, der in die Europa League führen würde.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Dass wir mit Stuttgart und Hamburg fünf Spieltage vor Schluss noch auf Augenhöhe liegen, hätten wir nicht erwartet", sagt der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen im Gespräch mit Sport1.

"Wir sind so nah dran, durch die letzten Ergebnisse haben wir die Hoffnung, dass sich die Serie mit der Eigendynamik des Erfolgs fortsetzt", erklärt Bruchhagen, dessen Team die letzten drei Spiele gewonnen hat.

Bruchhagen meist als Mahner

Der Vorstandsboss, der seit Dezember 2003 bei der Eintracht am Ruder sitzt und den Aufschwung des Traditionsklubs zu großen Teilen mitzuverantworten hat, tat sich in den vergangenen Spielzeiten vor allem als großer Mahner hervor.

Denn beim UEFA-Cup-Sieger von 1980 wird schnell von Europa und glorreichen alten Zeiten geträumt, im Umfeld wie bei den Fans. Bruchhagen erteilte diesen Träumen in der Vergangenheit stets eine klare Absage.

Und meist zu Recht.

Vor zwei Jahren stand die Eintracht nach 29 Spieltagen mit 42 Punkten ebenfalls im Kontakt zu den internationalen Plätzen. Doch dann brach die Mannschaft ein und holte aus den letzten Spielen nur noch vier weitere Punkte.

Als die Eintracht nach der Finalteilnahme im DFB-Pokal 2006 gar im UEFA-Cup spielte, geriet sie in der Liga in Abstiegsgefahr.

Kein Wunder also, dass Bruchhagen auch in der aktuellen Phase versucht, den Ball flach zu halten.

"Im Bundesliga-Ranking auf Rang zehn"

Im Bundesliga-Ranking befinde sich die Eintracht weiter auf Rang zehn, "sechs Mannschaften haben den doppelten Etat".

Trotz dieser Fakten ist in diesem Jahr vieles anders am Main. Und das scheint vor allem am neuen Trainer Michael Skibbe zu liegen. (AKTUELL: Skibbe will in die Europa League)

"Wir haben uns für Michael entschieden, weil ich gerade darauf gesetzt habe, dass er junge Spieler weiterentwickelt. Und das hat er getan", freut sich Bruchhagen.

Caio in Frankfurt angekommen

Patrick Ochs funktionierte Skibbe vom rechten Verteidiger zum offensiven Mittelfeldspieler um, Alex Meier glänzte zunächst als hängende Spitze, dann als "Sechser".

Auch Benjamin Köhler, Marco Russ oder Ümit Korkmaz wirkten zuletzt stark verbessert. Am offensichtlichsten wird die Veränderung aber am Brasilianer Caio.

Als teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte kam Caio im Januar 2008 nach Frankfurt, konnte aber nicht überzeugen. Übergewicht, nicht bestandene Laktattests - zwischenzeitlich war schon vom "Problem-Brasilianer" die Rede.

Die Eintracht war mit der kostspieligen Verpflichtung des rund 3,5 Millionen Euro teuren Spielers ein Risko eingegangen. Die Fans hatten die Ankunft des Hoffnungsträgers als Signal für den Aufbruch in bessere Zeiten gesehen.

Doch zunächst konnte dieser die hohen Erwartungen nicht erfüllen.

Es gebe "keine Grammatik für die Verpflichtung" von Brasilianern erklärt Bruchhagen, ein kleines Risiko bleibe immer, egal "ob man ihnen drei Gouvernanten oder nicht" zur Seite stelle.

"Immerhin Außenseiter"

Und nun scheint sich die Geduld auszuzahlen. Caio ist zum wichtigen Bestandteil der Mannschaft gereift und machte nicht nur mit dem 33-Meter-Traumtor gegen Leverkusen auf sich aufmerksam. Fast scheint er zum Sinnbild des Frankfurter Aufschwungs zu werden.

Gegen die Borussia, für die es um nichts mehr geht, wird der offensive Mittelfeldspieler wohl wieder von Beginn an auflaufen.

Mit einem Sieg würde die Eintracht Druck auf die eigentlich stärker einzuschätzende Konkurrenz ausüben.

"Im Kampf um den sechsten Platz sind wir Außenseiter, Stuttgart ist in einer guten Verfassung, Hamburg ist vom Potenzial her höher einzuschätzen, aber immerhin sind wir Außenseiter", sagt Bruchhagen.

Als Außenseiter hat die Eintracht in dieser Saison schon Bayern, Leverkusen und gleich zweimal Bremen geschlagen.

Es ist also gar nicht so unwahrscheinlich, dass die Frankfurter Träumereien diesmal zur Realität werden.

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