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Florian Kringe (r.) ist nach seiner erneuten Verletzung am Boden zerstört © imago

Die Berliner können zu Hause nicht gewinnen. Mit einem Bein steht die Hertha in der Zweiten Liga, zudem fällt Kringe erneut aus.

Von Christian Stüwe und Andreas Ziepa

München/Berlin - Manche Bilder sagen mehr als tausend Worte.

Florian Kringe stand am Samstag exemplarisch für die sportliche Misere von Hertha BSC.

Fast die komplette Hinrunde war der Neuzugang aus Dortmund nach einem Mittelfußbruch ausgefallen, musste dann nach einer schweren Knochenprellung vor einem Monat erneut pausieren.

Nun gab der Hoffnungsträger im Spiel gegen den VfB Stuttgart nach 67 Minuten sein Comeback.

Doch nur zwei Minuten später humpelte Kringe schon wieder verletzt vom Platz und nahm mit den Tränen kämpfend auf der Auswechselbank Platz.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Am Sonntag folgte dann die frustrierende Diagnose: Erneuter Mittelfußbruch bei der Dortmunder Leihgabe, dessen Zeit in Berlin damit vorzeitig beendet sein dürfte.

VfB-Joker sticht

Zur Situation der Hertha passte es auch, dass der Stuttgarter Joker hingegen stach. Nur fünf Minuten nach Kringes Ausscheiden erzielte Cacau mit einem abgefälschten Schuss das Tor des Tages.

Cacaus glücklicher Treffer war der K.o.-Schlag für die Hertha im Spiel gegen Stuttgart.

Es könnte aber auch das vorzeitige Aus im Abstiegskampf sein, da Hannover gegen Schalke gewann und vier Spieltage vor Schluss der Abstand zum Relegationsplatz nun fünf Punkte für das Dauer-Schlusslicht beträgt.

Hertha lässt viele Chancen aus

Dabei spielte die Hertha wieder mal über weite Strecken gut. "Immer dieselbe Scheiße. Wir hatten so viele Chancen", brachte es Torwart Jaroslav Drobny auf den Punkt.

"Wir haben viel investiert und sind nicht belohnt worden", ärgerte sich Fabian Lustenberger.

Seit dem ersten Spieltag hat die Hertha zu Hause nicht gewonnen. Während auswärts zuletzt 3:0 gegen Köln und 5:1 gegen Wolfsburg triumphiert wurde, klappt es zu Hause einfach nicht.

Den Berlinern scheint das Olympiastadion zum Verhängnis zu werden.

Sollte die Hertha in zwei Wochen gegen Schalke auch keinen Sieg schaffen, würde die Elf von Trainer Friedhelm Funkel den historischen Negativ-Rekord von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66 mit 15 Heimspielen ohne Sieg in Serie einstellen.

Hertha ohne Unterstützung aus der Ostkurve

Gegen die Schwaben musste die Hertha auf die Unterstützung der Fans aus der Ostkurve verzichten.

Nachdem vor rund vier Wochen gegen Nürnberg Randalierer das Spielfeld gestürmt hatten, war ein Teil der Tribüne gegen Stuttgart vom DFB gesperrt werden.

An der Berliner Waldbühne hatten sich stattdessen rund 8.000 Fans zum Public Viewing eingefunden. Nach Cacaus Treffer war aber auch dort die gute Stimmung dahin.

"Das war kein Grund für die Niederlage. Diejenigen, die hier waren, haben uns toll unterstützt", erklärte Lustenberger.

Verantwortlich für die erneute Pleite waren vielmehr die schwache Chancenauswertung und Pech.

Preetz kritisiert den Schiedsrichter

Die Hauptstädter haderten wie so oft in den vergangenen Wochen mit dem Schicksal und dem Schiedsrichter.

Michael Weiner hatte mehrfach gegen Theofanis Gekas in aussichtsreicher Position auf Abseits entschieden und ein vermeintliches Handspiel von Sedar Tasci im Strafraum nicht geahndet.

"Es gab zwei Schiedsrichterentscheidungen gegen uns. Gekas ist alleine vor dem Tor und Tasci spielt Hand. Das bedeutet nach Lage der Dinge Elfmeter, nur bei Herrn Weiner nicht", kritisierte Manager Michael Preetz.

"Eigentlich ist ein Unentschieden"

Daher machte auch Pal Dardai nach dem Spiel eine interessante Rechnung auf. "Wir haben durch ein 0:1 unglücklich verloren. Aber eigentlich war es ein Unentschieden", meinte der Ungar.

Tatsächlich sah es lange nach einer Punkteteilung aus, ehe Verteidiger Steve von Bergen den Schuss von Cacau unhaltbar für Drobny abfälschte.

"So habe ich mir das vorgestellt", freute sich der Torschütze: "Ich spiele zwar lieber von Anfang an, aber so ist es auch gut. Hauptsache, ich kann der Mannschaft helfen."

Der VfB hat im Gegensatz zur Hertha einen positiven Lauf. Platz sechs haben die Schwaben bereits übernommen. In der aktuellen Verfassung scheint auch noch mehr möglich.

"Der Sieg gibt uns die Möglichkeit, weiter nach vorne zu schauen", sagte Trainer Christian Gross.

Und dann kommt eben auch das Glück dazu, dass der Hertha im Abstiegskampf fehlt.

Hertha gibt nicht auf

Trotzdem verbreiten die Berliner weiter Durchhalteparolen. "Wir haben nach wie vor die schlechtesten Karten", räumte Trainer Funkel zwar ein.

"Aber das war schon öfters so. Und wir sind immer wieder rangekommen. Das werden wir auch diesmal versuchen. Dann werden wir sehen, wer am Ende die besseren Karten hat."

Der Coach sieht weiter Chancen: "Wir haben schon viele Rückschläge weggesteckt. Und wir werden auch diese Niederlage wegstecken. Wir werden uns gut vorbereiten und für Frankfurt gerüstet sein."

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