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Frust beim FC Schalke: Keeper Manuel Neuer (l.) und seine Kollegen hadern mit sich © getty

Königsblauer Kater: Die Schalker lassen nach der Pleite in Hannover die Köpfe hängen. 96 wittert dagegen wieder Morgenluft.

Von Daniel Rathjen

München/Hannover - Es war nicht der FC Bayern oder Bayer Leverkusen.

Es war Abstiegskandidat Hannover 96, der dem FC Schalke 04 am 30. Spieltag die Grenzen aufzeigte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Wir haben wie eine Amateurmannschaft gespielt. Einfach schlecht", sagte S04-Keeper Manuel Neuer nach dem 2:4 (0:2) in Niedersachsen bei LIGA total!.

Die Titelträume rücken in den Hintergrund.

"Wir haben nicht den unbedingten Siegeswillen gezeigt. Nach dem Spiel gegen die Bayern war nicht das nötige Selbstbewusstsein da", bemängelte auch Trainer Felix Magath.

Nach dem 1:1 der Bayern bei Bayer Leverkusen beträgt der Rückstand der Königsblauen auf den Rekordmeister vier Partien vor Schluss zwar nur zwei Punkte.

Doch die Unerfahrenheit des jungen Schalker Teams wurde gegen 96 einfach zu offensichtlich, so dass sich niemand mehr von der Meisterschaft zu reden traute.

Westermann selbstkritisch

"Wir haben es uns in den vergangenen beiden Spielen verbaut", meinte Kapitän Heiko Westermann bei LIGA total!.

Selbstkritisch fügte der Nationalspieler an: "Wenn man gegen die schlechteste Abwehr der Liga in der ersten Halbzeit nicht einen Torschuss hinbekommt, hat das nichts mit Druck zu tun. Wir waren einfach schwach."

Tatsächlich präsentierte sich Schalke besonders im ersten Durchgang nicht im Ansatz wie ein Titelkandidat.

Westermann selbst brachte die bis dahin harmlosen Gastgeber mit einem Eigentor in Führung (17.).

Eigentor wirft Schalke aus der Bahn

"Das hat uns total aus der Bahn geworfen. Danach ist uns förmlich das Herz in die Hose gerutscht", meinte Magath dazu.

Er musste dann in der ersten Halbzeit sehen, wie Didier Ya Konan nach einem Fehler von Manuel Neuer auch noch auf 2:0 für die Platzherren erhöhte (29.).

Der Ivorer beendete mit dem Treffer seine 478-minütige Torflaute und setzte nach dem 3:2 von Hanno Balitsch (80.) auch noch den Schlusspunkt (90.+2).

Zwischenzeitlich war Schalke wie verwandelt aus der Kabine gekommen und durch einen Doppelschlag von Edu (46.) und Ivan Rakitic (52., Foulelfmeter) zum Ausgleich gekommen.

Dass die Gäste danach zu viel quer spielten, nicht konsequent genug nach vorne zogen und den unbedingten Willen vermissen ließen, war vielen ein Rätsel.

"Wenn man so etwas schafft, muss man das Spiel eigentlich auch gewinnen", wusste Westermann.

Kevin Kuranyi, der in den vorherigen fünf Spielen sechs Tore geschossen hatte, war hingegen richtig angefressen und zu gar keiner Aussage bereit.

Und dass, obwohl ihm Bundestrainer Joachim Löw am Samstag eine Rückkehr in die Nationalmannschaft in Aussicht gestellt hatte.

Magath machte seiner Crew immerhin wieder Mut. "Wir haben immer noch gute Karten, uns für die Champions League zu qualifizieren", meinte er.

"Unsere Ausgangslage hat sich nicht wesentlich verändert. Aber natürlich ist sie durch die verlorenen Punkte nicht besser geworden."

Slomka warnt vor Zufriedenheit

Sein Pendant Mirko Slomka, von Januar 2006 bis April 2008 selbst Chefcoach der Schalker und 2007 mit dem Klub Vizemeister, freute sich indes sehr über die drei Zähler.

Dadurch verließ 96 zunächst die Abstiegsränge, die Niedersachsen stehen jetzt auf dem Relegationsplatz.

"Dass wir wieder zwei Teams hinter uns gelassen haben, ist für uns ganz wichtig", sagte Slomka, gab aber zu bedenken: "Das war noch nicht der Klassenerhalt. Das Restprogramm wird schwer genug."

Wohl wahr, in den letzten vier Partien geht es gegen Bayern, Leverkusen, Mönchengladbach und Bochum.

Balitsch atmet auf

Dennoch empfand vor allem Torschütze Balitsch große Erleichterung, nachdem er nach dem 1:4 gegen Köln am 28. Spieltag noch zum Sündenbock abgestempelt worden war.

"Es war ein schönes Tor, vor allem nach dem missglückten Spiel gegen Köln."

Jetzt will er mit 96 auch ins Titelrennen eingreifen.

"Ich wünsche Schalke den Titel. Wir spielen ja auch noch gegen Bayern", meinte Slomka schmunzelnd. "Da wollen wir versuchen, einen Punkt mitzunehmen."

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