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Arjen Robbens elfter Saisontreffer in Leverkusen stellte ihn nicht zufrieden © imago

Der FC Bayern rettet sich im Spitzenspiel in Leverkusen ins Ziel. Ein versagter Elfmeter regt die Münchner beim 1:1 kaum auf.

Aus Leverkusen berichtet Mathias Frohnapfel

Leverkusen - Müde, erschöpft, aber nicht unglücklich: So präsentierten sich die Münchner Profis am Samstagabend im Bauch der BayArena.

Sieben Spiele in 22 Tage verlangten nun mal Tribut. Selbst zum Ärgern fehlte den Bayern nach dem 1:1 gegen Leverkusen die Kraft. "Ja, das war ein Elfer", meinte Thomas Müller, dann schwieg er.

Kurz vorm Schlusspfiff wurde der Bayern-Jungspund von Hans Sarpei im Strafraum so umgerissen, als ob der Bayer-Spieler einen vorzeitigen Trikottausch erzwingen wollte. Schiedsrichter Knut Kircher ahndete die Aktion nicht.

Ein Sieg zu viel des Guten

Die Bayern ließen die Szene auf sich beruhen.

Vielleicht wäre ein Sieg auch zu viel des Guten gewesen gegen eine besonders in der zweiten Hälfte aufdrehende und quicklebendige Werkself.

Ohnehin hatte der Abend für die Münchner mit einer frohen Botschaft, der 2:4-Pleite von Schalke in Hannover, begonnen.

Vergebener Matchball?

Bereits im Mannschaftsbus hörten die Bayern von Schalkes Rückstand. Das Aufwärmen machte da doppelt Spaß. Und nach 90 Minuten hatten sie einen weiteren Punkt zwischen sich und die Königsblauen gebracht.

(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Ein vergebener Machtball? Von wegen. Die meisten Münchner interpretierten das Remis und das Mini-Polster von zwei Punkten anders: "Wenn man auf die Tabelle schaut, sieht man, wir haben den Vorsprung ausgebaut", meinte Bastian Schweinsteiger.

"Bayern hatte viele einfache Ballverluste"

Und er gestand: "Klar war es auch nicht leicht, gegen ein Team, das ausgeruht und hungrig ist." Zudem schlichen sich ins Bayern-Spiel nach Wochen Daueranspannung fast zwangsläufig Schnitzer ein.

Abwehrchef Daniel van Buyten, der sonst gerne bereitwillig Auskunft gibt, winkte daher noch leicht angespannt ab und meinte: "Heute nicht." Dann schritt er weiter Richtung Teambus.

Robben äußert Kritik

Arjen Robben hingegen mochte das Remis nicht zufriedenzustellen.

"Wir wussten vor dem Spiel, dass wir vielleicht alles entscheiden können, wenn wir gewinnen", bemerkte er. "Dann müssen wir nicht 100, sondern 200 Prozent geben. Wir müssen kritisch bleiben. Noch haben wir gar nichts."

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Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer analysierte treffend: "Bayern hatte viele einfache Ballverluste, viele unbedrängte Pässe zum Gegner - das ist ein Zeichen, wenn die Konzentration und die Kondition nachlässt."

"Klarer Elfmeter"

Die Aktion von Sarpei bewertete er als "klaren Elfmeter", gab sich aber konziliant und meinte: "Das Ergebnis geht insgesamt in Ordnung."

Nationalspieler Philipp Lahm sah das ähnlich.

Im vermeintlich leichten Restprogramm der Münchner - Hannover, Gladbach, Bochum und Berlin - erkannte er keinen Vorteil für sein Team im Vergleich zu Schalke und Leverkusen.

"Alle drei Mannschaften haben ähnliche Gegner", meinte er auf Nachfrage von SPORT1.de.

Und er erklärte weiter: "Wir spielen gegen drei Mannschaften, die noch gegen den Abstieg kämpfen, deshalb wird es für uns nicht leicht. Aber wir haben es selbst in der Hand. Wenn wir unsere Leistung abrufen, werden wir Deutscher Meister."

Kroos zufrieden

Das Angenehme an einem Unentschieden ist, dass es für beide Teams Raum für wohlwollende Bewertungen gibt. Auch die Leverkusener nutzten das.

Der aus München nach Leverkusen verliehene Toni Kroos sprach im Interview von "Spaß" und "guten Möglichkeiten".

Laut und deutlich verkündete er seine Analyse, wie einer eben, der zufrieden ist mit seinem Tagwerk. Bei Stefan Kießling war das kaum anders.

"Wir müssen uns an die eigene Nase packen"

Der Bayer-Stürmer berichtete von einem "guten Spiel" und führte aus: "Die Tormöglichkeiten waren da, wir haben gut gestanden", ehe er doch einen Grund zum Mäkeln fand.

"Wir müssen uns an die eigene Nase packen, das 2:1 nicht gemacht zu haben." Dann blickte er wieder auf die Habenseite, schließlich hatte Bayer die Serie von drei Niederlagen in Serie gestoppt.

"Wir haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen. Es ist normal, dass es mal eine Phase gibt, in der es nicht läuft."

Als normal lässt sich gewiss auch der Münchner Kräfteverschleiß bezeichnen. Trainer Louis van Gaal gab seinem Team daher zwei Tage frei: Nächster Trainingstermin ist am Mittwoch.

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