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Michael Preetz war von 1996 bis 2003 als Spieler bei Hertha aktiv © getty

Die Berliner sehen sich von den Unparteiischen systematisch benachteiligt. Besonders eine pikante Ansetzung ärgert den Klub.

Berlin - Hertha BSC geht in seiner Wut über die Häufung strittiger Schiedsrichterentscheidungen zu Lasten des Klubs in die Offensive.

Der Tabellenletzte sieht sich aufgrund von Fehlentscheidungen der Unparteiischen massiv benachteiligt und schrieb einen Protestbrief an den DFB.

"Es ist Fakt, dass die Summe der kapitalen Fehlentscheidungen - auch schon im Vorfeld bei Ansetzungen durch den DFB - langsam happig wird, weil sie gravierend Einfluss auf unser Saisonergebnis hat", sagte Hertha-Manager Michael Preetz der "Berliner Morgenpost".

"Was uns in dieser Hinsicht schon widerfahren ist, ist eine Sauerei", mokiert er sich: "Ich verspüre eine Ohnmacht."

Acht mögliche Punkte gekostet

Hertha rechnete vor, dass Schiedsrichter-Fehlentscheidungen dem ums Überleben kämpfenden Verein allein in den vergangenen drei Heimspielen acht mögliche Punkte gekostet hätten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Preetz spricht gar von Fehlurteilen, "die verhindern wollten, dass wir gewinnen".

Das Fass zum Überlaufen brachte die 0:1-Niederlage am Samstag gegen den VfB Stuttgart. Dort blieb dem Team nach einem Handspiel von VfB-Verteidiger Serdar Tasci (47.) ein Strafstoß verwehrt, und der allein auf das Stuttgarter Tor zulaufende Stürmer Theofanis Gekas wurde zu Unrecht wegen Abseits zurückgepfiffen (23.).

Pikant daran ist, dass Schiedsrichter-Assistent Thomas Frank aus Hannover kommt. Hannover 96 ist unmittelbarer Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt.

Auch der leitende Schiedsrichter Michael Weiner ist gebürtiger Niedersachse und lebt 25 Kilometer von Hannover entfernt. "Das ist unglaublich, ein riesiger Skandal. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir ordentlich Rabatz gemacht", wird Preetz in der "B.Z." zitiert.

Roth ohne Verständnis

In der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main reagierte man zumindest auf die Kritik an den Ansetzungen mit Unverständnis.

"Eine Benachteiligung durch einen Linienrichter zu unterstellen, nur weil der aus Hannover kommt, ist lächerlich, abwegig, vollkommen unmöglich", sagte Volker Roth, der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichterausschusses, dessen Heimatverband ebenfalls der niedersächsische NFV ist.

Die konkreten Erfolgsaussichten des Protestbriefs sind begrenzt: Eine Neuansetzung des Spiels gegen Stuttgart ist ausgeschlossen.

Kringe "am Boden zerstört"

Sehr wahrscheinlich wollen sich Manager Preetz und Trainer Friedhelm Funkel ihrem Unmut Luft verschaffen, möglicherweise hoffen sie auch bei der nächsten kritischen Spielsituation auch auf eine Entscheidung pro Hertha.

Kritiker werfen der Hertha aber auch schon vor, mit dem Brief vom drohenden Untergang in die Zweite Liga ablenken zu wollen.

Die Verletzung von Florian Kringe dürfte die düstere Stimmung weiter in den Keller getrieben haben. Die Leihgabe von Borussia Dortmund brach sich bereits zum zweiten Mal in dieser Saison den rechten Mittelfuß und fällt für den Rest der Saison aus.

"Er ist am Boden zerstört", sagte Coach Funkel.

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