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Nach Jerome Boateng könnte auch Piotr Trochowski (2.v.r.) den HSV verlassen © getty

Jerome Boateng hat bereits den Abflug gemacht. Aber auch andere HSV-Spieler hegen Abwanderungsgedanken und finden Interessenten.

Von Andreas Kloo

München - "Das Geld spielt heutzutage eine große Rolle. Fußball ist Geschäft geworden", unkt HSV-Legende Uwe Seeler nach dem Bekanntwerden des Boateng-Abgangs.

Der 21-Jährige ließ über seinen Berater mitteilen, dass er den Verein definitiv verlassen werde. Allem Anschein nach wechselt der Abwehrspieler für eine Ablösesumme von 12,5 Millionen auf die Insel zu Manchester City.

"Es ist sehr schade für den HSV, dass wir immer wieder neu aufbauen müssen. Das macht es nicht einfacher, wenn man mal wieder um die Meisterschaft mitspielen will", blickt Seeler nun skeptisch in die Zukunft.

Seelers Zukunftsängste sind durchaus berechtigt. Denn weitere Spieler könnten Boatengs Beispiel folgen. Unzufriedene Akteure gibt es derzeit an der Elbe zuhauf.

Bayer buhlt um Trochowski

Da ist zum einen Piotr Trochowski. Der Nationalspieler sitzt in der Rückrunde meist nur noch auf der Bank und wird so von Trainer Bruno Labbadia womöglich um seine WM-Chancen gebracht.

Andere Vereine haben längst ein Auge auf den Mittelfeldspieler geworfen. Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser bezeichnet Trochowski in der "Hamburger Morgenpost" als "sehr interessanten Spieler" und lobt ihn: "Ich kenne Piotr schon aus der U21 ? ein richtig guter Junge."

Ohnehin braucht Bayer Ersatz für den München-Rückkehrer Toni Kroos. Trochowski ist ein ähnlicher Spielertyp und wäre passender Ersatz. Sieben Millionen Euro Ablösesumme stehen für den 28-maligen Nationalspieler im Raum. 209112(Diashow: Aktuelle Wechselmeldungen)

Liverpool will Elia

Auch Eljero Elia äußerte zuletzt direkte Kritik an der Vereinsführung. Seine im Herbst erlittene Knöchelverletzung sei vom HSV nicht richtig behandelt worden. Da ihm Labbadia auch keine Pause gönnte, habe sich die Verletzung verschlimmert, eine OP war unausweichlich.

So fehlt er den Hanseaten derzeit in den wichtigen Spielen des Saison-Endspurts. Der 23-Jährige könnte der nächste sein, der den Abflug auf die Insel macht. Laut englischen Medienberichten soll der FC Liverpool Interesse an dem Niederländer haben.

Auch Jonathan Pitroipa und Ze Roberto wollen offenbar die Flucht vor Labbadia ergreifen.

Verpasst der HSV als derzeitiger Tabellensechster die Europacup-Qualifikation, dürften wohl noch mehr Spieler das Weite suchen - wenn nicht stattdessen der große Wurf mit dem Europa-League-Triumph im eigenen Stadion gelingt. (Datencenter: Ergebnisse und Tabelle)

Hrubesch warnt

Eine andere HSV-Legende warnt bereits, sich auf diese Alternative zu verlassen.

"Der HSV muss sich auch in der Bundesliga wieder für das internationale Geschäft qualifizieren. Das ist der einfachere Weg, als in der Europa League das Finale zu erreichen und das auch noch zu gewinnen", sagt der Europacup-Sieger von 1983 in der "Sport Bild".

Doch momentan schwant Hrubesch nichts Gutes: "Es hat nicht den Anschein, dass jeder in der Bundesliga alles tut.

Guerrero bekundet Treue

Ein Spieler würde wohl gerne alles tun, darf aber nicht, der nach seinem Trinkfaschenwurf für fünf Spiele gesperrte Paulo Guerrero. Im Herbst war der Peruaner noch abwanderungswillig, nun will er seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag doch verlängern.

"Ich würde gerne in Hamburg bleiben. Der Verein ist klasse, die Stadt ist super. Ich fühle mich sehr wohl. Ich bin mir sicher, dass der Verein etwas macht, damit ich bleibe. Der HSV ist mein erster Ansprechpartner."

Eine große Rolle für den Sinneswandel des Peruaners spielt die Reaktion des Vereins auf seine Entgleisung.

In der "Sport Bild" bedankt er sich dafür, dass ihn die Hamburger nicht fallen" ließen und ihn statt einer Suspendierung nur mit einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 bis 100.000 Euro belegten. Das sei ein "schönes Gefühl."

Ferrari-Fahrt mit dem Fan

Den Flaschenwurf nach dem Spiel gegen Hannover bezeichnet er als "den schlimmsten Fehler meiner Karriere". Für den verletzten Fan hat der 26-Jährige eine große Entschuldigungs-Aktion geplant:

"Ich möchte den verletzten Fan treffen, mich entschuldigen, ihm Tickets schenken und auf eine Fahrt in meinem Ferrari einladen. Ich will, dass Spieler und Fans sich mit mehr Respekt begegnen", sagte der Peruaner der Illustrierten "Bunte".

Für den Fall eines personellen Aderlasses hat der HSV zumindest schon Ersatz im Blick.

"Wir sind vorbereitet", verspricht Trainer Bruno Labbadia.

Boatengs Stelle in der Abwehr könnte durch dessen U-21-Europameister-Kollegen Benedikt Höwedes ersetzt werden. Die Ablösesumme für den Schalker liegt dem Vernehmen nach bei 12,5 Millionen Euro.

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