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Schalke 04 ist für Felix Magath (r.) die achte Station als Bundesliga-Trainer © getty

Der Schalke-Trainer spricht bei SPORT1 über den Titelkampf mit dem FC Bayern, die königsblaue Finanzkrise und Kevin Kuranyi.

Von Mathias Frohnapfel

München - Analytischer Trainer, zielstrebiger Manager und bisweilen Poltergeist, wenn sein Team angegriffen wird: Felix Magath hat viele Gesichter.

Auf der Zielgeraden der Saison kommt es jetzt vor allem auf seine analytischen Fähigkeiten an.

(102305DIASHOW: Die Karriere von Felix Magath)

Für Schalke 04 muss der 56-Jährige die richtige Mischung im Meisterkampf finden, zugleich gilt es, die Kaderplanung für die neue Saison voranzutreiben.

Im SPORT1-Interview spricht er vorm Spiel gegen Gladbach (Sa., ab 15 Uhr LIVE) über das Titelduell mit Bayern, den Einkauf neuer Spieler und die Situation von Kevin Kuranyi und Manuel Neuer.

SPORT1: Herr Magath, Sie haben bereits gesagt, in der Champions League sind Sie Bayern-Fan. Ist es ein Vorteil für Schalke, dass der FCB noch so ein umfangreiches Programm hat?

Magath: Selbstverständlich erhöht das unsere Chancen, wenn Bayern in der Champions League gefordert wird wie jetzt im Halbfinale. So etwas ist zusätzliche Belastung und in solchen Phasen geht immer mal der eine oder andere Punkt in der Meisterschaft verloren.

SPORT1: Können die Bayern gegen Hannover stolpern?

Magath: Die Bundesliga ist aus meiner Sicht die stärkste Liga der Welt, weil der Letzte immer auch gegen den Ersten gewinnen kann. Man kann sich nie sicher sein. Insofern ist es für Bayern zwar einfacher als für uns gegen Hannover zu gewinnen, trotzdem kann es ein Stolperstein werden.

SPORT1: Wer hat das leichtere Restprogramm: Schalke oder die Münchner?

Magath: Danach kann man nicht gehen, das Programm ist ähnlich. Man kann auch schwer eine Prognose abgeben. Wir haben den Vorteil nur noch die Bundesliga zu haben, die Bayern sind noch in drei Wettbewerben.

SPORT1: Befürchten Sie einen Bruch in Ihrem Team nach den Niederlagen gegen Bayern und in Hannover?

Magath: Es ist nicht schön, dass wir ein Heimspiel verloren haben. Auswärts verliert man eben ab und an. Jetzt müssen wir im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach mit drei Punkten wieder überzeugen. Gegen Gladbach zählt für uns nur ein Sieg.

SPORT1: Wie wichtig ist es für Schalke aus finanzieller Sicht, die Champions League zu erreichen?

Magath: Es ist klar, dass wir angesichts unserer finanziellen Situation die Gelder aus der Champions League sehr, sehr gut gebrauchen könnten. Das würde uns mehr helfen, als wenn wir in Anführungsstrichen nur in der Europa League spielen würden.

SPORT1: Hatten Sie wegen Schalkes Finanzkrise bereits schlaflose Nächte?

Magath: Nein, die Situation ist ja auch im Laufe der Saison besser geworden, ohne dass sie schon gut wäre. Aber wir sind auf dem richtigen Weg. Und wir werden weiter daran arbeiten, sportlich kein zu hohes Risiko zu gehen, sondern mit Augenmaß und Blick auf den Geldbeutel unsere sportliche Ausrichtung vorzunehmen.

SPORT1: Zuletzt gab es viele Spekulationen um Kevin Kuranyi. Sein Berater Roger Wittmann spricht von mehreren Angeboten und legt ihm einen Wechsel nahe. Kann Schalke Kuranyi nur halten, wenn man in der Königsklasse spielt?

Magath: Selbstverständlich, nur dann hätten wir genügend Mittel, um in diesen Größenordnungen mit Spielern zu reden.

SPORT1: Bundestrainer Joachim Löw hat angekündigt, doch wieder über Kuranyi nachzudenken. Ist das der Lohn für eine tolle Saison?

Magath: Kevin hat sich in der ganzen Saison klasse verhalten, er hat mit seinen Leistungen für sich und Schalke das Beste getan. Den Lohn kann er dafür nach der Saison in Empfang nehmen. Ob das in Form einer Nationalmannschaftseinladung sein wird, weiß ich nicht. Er hat aber gewiss durch seine Leistung seine Zukunft aufs Beste vorbereitet.

SPORT1: Sportlich würde er gewiss dem DFB-Team helfen, oder?

Magath: Das muss der Bundestrainer entscheiden.

SPORT1: Sie haben bei Schalke die Doppelrolle als Trainer und Manager inne. Ist das mitentscheidend, um langfristig erfolgreich zu sein?

Magath: Dadurch dass ich auch Manager bin, habe ich nicht nur den kurzfristigen Erfolg im Auge, sondern auch die wirtschaftliche Konsolidierung des Klubs. Das lässt sich mit beiden Funktionen am besten erreichen.

SPORT1: Kann Schalke aus Ihrer Sicht mit dem aktuellen Kader die Dreifachbelastung in Liga, Pokal und internationalem Geschäft meistern?

Magath: Wir werden sicher noch den einen oder anderen Spieler verpflichten. Die Saison hat aber auch gezeigt, dass wir mit dem jüngsten Team der Liga auf einem guten Weg sind. Wir wollen die Spieler natürlich weiterentwickeln, aber auch von außen Verstärkungen holen.

SPORT1: Gibt es eher offensiv oder defensiv Bedarf?

Magath: Die Frage stellt sich so nicht. Es kommt darauf an, dass die Mannschaft zusammenwächst. Die Struktur muss passen. Das Team, wie es jetzt ist, hat sehr gut funktioniert. Trotzdem wird es zur neuen Saison durch neue Spieler neue Impulse geben.

SPORT1: Schalke hat die beste Defensive, nur 28 Gegentore kassiert. Offensiv sind aber mehrere Teams besser.

Magath: Die Offensive ist nicht allein zu sehen, wir müssen das in Zusammenhang mit den anderen Mannschaftsteilen bewerten. In dieser Saison haben wir ein Verhältnis, in dem wir defensiv deutlich stärker waren als offensiv. Wir wollen defensiv stark bleiben, uns aber im Angriff verbessern.

SPORT1: Manuel Neuer sah beim zweiten Tor von Hannover nicht gut aus. Wird das sein Selbstvertrauen im Saison-Endspurt belasten?

Magath: Überhaupt nicht. Er weiß, dass er ein ganz wichtiger Rückhalt für uns ist. Wir haben ihm sehr viel zu verdanken: Wir werden jetzt vier Spieltage vor Saisonende noch als Titelanwärter gehandelt. Insofern freuen wir uns, dass wir so einen glänzenden Torhüter haben.

SPORT1: Neuer geht ja in der Öffentlichkeit sehr ehrlich mit seinen Fehlern um.

Magath: Manuel ist nicht nur ein außergewöhnlicher Torhüter, sondern auch selbstkritisch. Wenn einer nicht selbstkritisch ist, wird er auch nicht solche Leistungen bringen können. Bei ihm stimmt da alles.

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