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Zvonimir Soldo ist seit dieser Saison Trainer des 1. FC Köln © getty

Gegen den VfL kann Köln den Klassenerhalt perfekt machen. Doch Trainer Zvonimir Soldo warnt bei SPORT1 vor Übermut.

Von Thorsten Mesch

München - Elf Punkte zu Hause geholt, drittschlechteste Heimmannschaft der Liga: Zahlen, die für einen Abstiegskandidaten sprechen.

Dennoch hat der 1. FC Köln sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, weil die Mannschaft auswärts sehr stark auftritt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ein Sieg gegen den VfL Bochum (ab 20 Uhr LIVE), und der FC wäre endgültig durch. "Der VfL hat auswärts seine Qualitäten", warnt Trainer Zvonimir Soldo im SPORT1-Interview. "Gerade auf die schnellen Spieler im Angriff müssen wir achten."

Soldo selbst täte der Erfolg gut, seine nüchterne Art ist in Köln nicht jedermanns Sache. "Wenn ich Zvonimir Soldo da an der Linie sehe: Das ist null Leben. Da kommt nichts von außen", meinte jüngst FC-Idol Pierre Littbarski im "Express". "Da kommen einem die Tränen, wenn man da zusieht."

Doch Soldo folgt weiter dem Pragmatismus, sich nur auf das Machbare zu konzentrieren. Bei SPORT1 spricht er über das anstehende Spiel gegen Bochum, Hoffnungsträger Lukas Podolski, den Abstiegskampf und Talent Adam Matuschyk.

SPORT1: Herr Soldo, der 1. FC Köln hat 34 Punkte und sieben Zähler Vorsprung auf Platz 16. Wären Sie mit einem Sieg gegen Bochum gerettet?

Zvonimir Soldo: Wir haben eine gute Ausgangsposition und wir werden unsere Ziele erreichen. Ich will aber gar nicht nur über das Spiel gegen Bochum reden. Wir haben noch vier Spiele, und alle sind gleich wichtig.

SPORT1: Präsident Wolfgang Overath und Manager Michael Meier haben von einer 40-Punkte-Marke gesprochen. Setzen Sie sich auch dieses Ziel, oder spielt die Anzahl der Punkte keine Rolle?

Soldo: Wir haben im Sommer gesagt, dass wir einen Punkt mehr holen wollen als letztes Jahr (39, Anm. d. R.). Wir versuchen, die nötigen Punkte zu holen, aber ob es 40, 39 oder 37 sind, spielt keine Rolle. Unser Ziel ist der Klassenerhalt.

SPORT1: Köln hat auswärts nur drei Punkte weniger als der FC Bayern geholt, aber zuhause nur elf und ist die drittschlechteste Heimmannschaft. Der letzte Heimsieg gelang im Dezember gegen Nürnberg. Können Sie dieses Thema überhaupt noch hören und woran liegt es?

Soldo: Uns fehlt die Konstanz. Wir haben zuhause einige gute Spiele gemacht, aber leider verloren. Dadurch ist die Mannschaft in Heimspielen unsicherer geworden.

SPORT1: Es wird häufig gesagt, eine Mannschaft müsse zuhause taktisch anders agieren als auswärts. Sehen Sie das auch so?

Soldo: Das will ich so nicht sagen. Wenn ich daran denke, wie wir gegen Hertha die Gegentore kassiert haben. Wir waren in allen Situationen in Überzahl, aber wir waren zu offensiv und wir machen zu viele individuelle Fehler.

SPORT1: Bochum ist eine Mannschaft, die wie der FC auswärts stärker ist als zu Hause. Wie stellen Sie ihre Mannschaft darauf ein?

Soldo: Bochum hat auch zu Hause gegen Hamburg ein gutes Spiel gezeigt, aber unglücklich verloren. Aber es stimmt, der VfL hat auswärts seine Qualitäten. Gerade auf die schnellen Spieler im Angriff müssen wir achten. Aber wir wissen, um die Bedeutung dieses Spiels und wollen drei Punkte in Köln behalten.

SPORT1: Das Hinspiel in Bochum endete 0:0. Wären Sie damit auch zufrieden?

Soldo: Wir wollen auf Sieg spielen. Dann werden wir sehen, was passiert.

SPORT1: Manager Michael Meier hat gesagt, man müsse gegen den VfL vorsichtig agieren, es bringt nichts ein Endspiel herauf zu beschwören. Wie sehen Sie das?

Soldo: Das sehe ich genauso. Wir alle wissen, dass das Spiel gegen Bochum kein Endspiel ist. Wir haben danach noch drei Spiele, davon ist jedes genauso wichtig wie das gegen Bochum.

SPORT1: Wie ist die personelle Situation? Zuletzt waren einige Spieler angeschlagen.

Soldo: Für Adil Chihi kommt ein Einsatz noch zu früh. Milivoje Novakovic und Zoran Tosic haben wieder mit der Mannschaft trainiert. Sollte nichts mehr passieren, werden beide am Freitag spielen.

SPORT1: Was sagen Sie zu Lukas Podolski? Die Zahlen sprechen eher gegen ihn. Wie wichtig ist Podolski für die Mannschaft?

Soldo: Lukas ist ein wichtiger Spieler für uns, er ist ein Teil unserer Mannschaft. Er hat bei den Bayern nicht regelmäßig gespielt, und ich habe schon vor der Saison gesagt, dass es länger dauern kann, bis er zur Bestform findet.

SPORT1: Es gibt aber aktuell auch positive Erscheinungen beim FC. Adam Matuschyk, zufällig im gleichen Ort geboren wie Podolski, wird langsam zum Leistungsträger und kommt aus der eigenen Jugend. Können Sie sich vorstellen, dass er in Zukunft ein Leistungsträger sein kann?

Soldo: Adam hat sich über unsere U 23 empfohlen und trainiert seit dem Winter bei den Profis. Er hat seine Chance bekommen und sie auch genutzt. Er wirkt schon sehr sicher und er ist auf einem guten Weg.

SPORT1: Matuschyk ist im Mittelfeld flexibel einsetzbar. Mit wem würden Sie ihn vergleichen?

Soldo: Ich möchte da keine Vergleiche ziehen. Er ist ein junger Spieler, da sind Leistungsschwankungen normal. Wir haben noch vier Spiele und ich hoffe, dass er sein Niveau in diesen Partien halten kann.

SPORT1: Wolfgang Overath hat schon gesagt, der FC will nach dieser Saison einen Schnitt machen und dabei verstärkt auf Talente aus der eigenen Jugend setzen. Können Sie sich vorstellen, um Podolski und Matuschyk eine Mannschaft aufzubauen? Wie sehen Sie Ihre persönliche Zukunft beim FC?

Soldo: Die Saison ist noch nicht gelaufen und erfordert unsere volle Konzentration. Wir reden nicht über die Zukunft, wenn wir uns noch mit der Gegenwart zu beschäftigen haben.

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