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Bruchhagen ist seit 2003 Vorstandsvorsitzender der Eintracht © imago

Heribert Bruchhagen sieht inm Schalker keinen Stürmer internationalen Formats. Auch Ballack und die Liga bekommen ihr Fett weg.

München - Klartext aus Frankfurt.

Eintrachts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen hat sich deutlich zur schwelenden Diskussion im "Fall Kuranyi" geäußert.

"Ich halte die Diskussion um Kevin Kuranyi für reichlich überzogen, denn auf internationaler Ebene ist er kein großer Stürmer", gibt der 61-Jährige zu bedenken. Auch der deutschen Auswahl spricht er die Klasse für den großen Coup im Sommer ab.

"Ich weiß zudem nicht wirklich, wo die Qualität für den WM-Titel herkommen soll. Gegen Argentinien war die Mannschaft zuletzt chancenlos."

"Nur Marin hat keine Probleme"

Das größte Problem sieht Bruchhagen mit Blick auf die WM in Südafrika in der aktuellen Formschwäche zahlreicher Leistungsträger:

"Michael Ballack ist aktuell nicht mehr der Michael Ballack, der er mal war. Auch ein Per Mertesacker oder ein Arne Friedrich haben zuletzt nicht das Niveau gezeigt, das wir bei der WM 2006 gesehen haben."

Der Frankfurt-Boss sieht nur einen Spieler mit WM-Format.

"Miroslav Klose und Lukas Podolski sind im Augenblick nicht in Form. Bis auf Marko Marin haben derzeit fast alle Spieler Probleme. Aber ich habe großes Vertrauen in Löw und sein Team", sagte Bruchhagen.

Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander

Die finanziellen Unterschiede in der Bundesliga sind dem Ligavorstand überdies ein Dorn im Auge. Die Schuld daran müssten die Vereine - nach Meinung Bruchhagens - aber bei sich suchen.

"Die Branche hat ja einmal mehr nicht richtig aufgepasst. Denn bei der Entscheidung über die Verteilung der Einnahmen wurde die Teilnahme an der Champions League ja weitaus höher bewertet als die Teilnahme an der neuen Europa League."

Laut Bruchhagen entsteht "dadurch noch mal ein deutlicher wirtschaftlicher Abstand zwischen den Europa-League- und den Champions-League-Teilnehmern."

Ausgeglichene finanzielle Verhältnisse in der Bundesliga sieht er deshalb in weiter Ferne:

"Die Vereine hätten damals auf die Barrikaden gehen müssen, haben es aber einmal mehr als gottgegeben hingenommen", sagte Bruchhagen und machte deutlich: "1992 betrug der Unterschied zwischen den Etats von Bayern München und Eintracht Frankfurt 40 Prozent. Heute sind es 500 Prozent. Und es wird immer extremer."

Starke Eintracht - Keine Rückschlüsse erlaubt

Trotzdem schlägt Bruchhagen im Bezug auf seine Eintracht sanftere Töne an, mahnt aber im selben Atemzug zur Vernunft:

"Wir sind richtig gut dabei. Aber es ist keine Vision, ein Holzpferd zehn Meter hochspringen lassen zu wollen. Und ich halte es auch für falsch, aus dieser Saison direkt Rückschlüsse für die Zukunft zu ziehen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle der Bundesliga)

Beispiele hat Bruchhagen ebenfalls parat.

"Jürgen Klopp war ein Held in Mainz, fünf Jahre lang galt das Modell Freiburg als Vorbild, ehe die Rangnick-Schule gefeiert wurde. In eine erfolgreiche Saison wird gerne viel hineininterpretiert. Von diesen Meinungsströmen darf man sich nicht treiben lassen", sagte Bruchhagen.

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