Für SPORT1-Experte Udo Lattek ist der Auftritt der Niedersachen in München unverständlich. Seine Kritik richtet sich an Slomka.

Hallo Fußball-Freunde,

der Auftritt von Hannover 96 bei Bayern München hat mich doch arg erstaunt. Nachdem 96 gegen Schalke gewonnen hatte, dachte ich, da würde es wieder funktionieren.

Dann kommt die Mannschaft nach München und hat überhaupt nichts zu verlieren. Sie muss ja gar nicht gewinnen.

Aber sie hätte doch vernünftig in die Zweikämpfe gehen und die Bayern ärgern können. Stattdessen haben sie sich einfach abschlachten lassen. Das ist für mich unverständlich.

Es wäre vermessen, aus der Distanz über die Situation bei Hannover 96 zu urteilen. Aber da ist alles eingefahren.

Wenn ich Herr Kind wäre, dann würde ich mal einen radikalen Schnitt machen und wieder von vorne anfangen.

Was Mirko Slomka betrifft, möchte ich zunächst betonen: Ich spreche ungern negativ über Kollegen.

Aber wenn man feststellt, dass die Atmosphäre zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr stimmt, dann ist das nicht mehr zu kitten.

Slomkas entscheidender Fehler liegt wohl schon ein wenig zurück. Wenn ein Trainer neu zur Mannschaft stößt, muss er versuchen, Kontakt zu bekommen.

Dann muss er herausfinden, wo die Stärken und die Schwächen sind, wer der Führungsspieler ist und wer wo in der Hierarchie steht.

Dann versuche ich als Trainer, diese Leute auf meine Seite zu ziehen.

Aber wenn ich neu komme und sage: "Ich weiß alles, ich kann alles, ich habe alles kapiert", dann stößt das bei der Mannschaft nicht auf Gegenliebe.

Am Samstag ist 96 zugegebenermaßen auf einen FC Bayern getroffen, dem die Spielfreude aus allen Poren tropfte.

Die Münchner Punktezahl in der Liga ist zwar nicht so, wie sie dem FC Bayern normalerweise zusteht.

Aber er hat die Phasen, die Mannschaften wie Schalke oder Bayer 04 Leverkusen nicht gut verkraften, erfolgreich überwunden.

Deshalb muss man die Aussagen, die Felix Magath jetzt tätigt, mit Humor nehmen. Felix macht das immer so, wie es zu der Situation der Mannschaft am besten passt.

Er kann jetzt auch nichts mehr falsch machen. Aber damit es alle wissen: Bayern verliert diese Saison in der Bundesliga kein Spiel mehr, holt neun Punkte und damit ist die Sache gegessen.

Noch ein Wort zu Leverkusen: Jupp Heynckes hat zwar immer gesagt, dass die Mannschaft dieses Jahr nicht einknickt. Aber sie hat es wieder getan.

Er war wirklich Pech dabei mit den vielen Verletzten und Platzverweisen. Gegen Bayern und jetzt in Stuttgart hätte Bayer auch gewinnen können.

Aber es fehlen eben Führungsspieler in der Mannschaft, die die anderen Spieler mitreißen.

Wenn Leverkusen irgendwann den Durchbruch schaffen will, geht das nur mit entscheidenden Verstärkungen.

Da hat der Jupp völlig Recht. Bayer-Boss Wolfgang Holzhäuser hat ja gesagt, er werde versuchen, die Vorgaben von Heynckes zu erfüllen - soweit es möglich ist.

Und wenn seinen Vorstellungen nicht entsprochen wird, kann ich mir durchaus vorstellen, dass der Jupp sagt: Danke, mit mir nicht mehr.

Euer Udo Lattek

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