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Andreas Müller (l.) holte Kevin Kuranyi im Sommer 2005 zu Schalke © imago

Der Schalker Manager glaubt, dass vieles im Stürmer vorgegangen sein muss, bevor dieser sich zur Flucht nach vorne entschieden hat.

Gelsenkirchen - Schalkes Manager Andreas Müller hat um Verständnis für die Entscheidung von Angreifer Kevin Kuranyi gebeten.

Der Angreifer hatte am Samstag aus Enttäuschung über seine Nichtberücksichtigung für das Russland-Länderspiel die deutsche Nationalmannschaft verlassen hatte.

Am Sonntag warf Bundestrainer Joachim Löw den Ex-Stuttgarter aus dem DFB-Team.

Persönliche Enttäuschung

"Man kann sicherlich darüber diskutieren, ob es gut war, in der Halbzeitpause zu gehen", sagte Müller auf "schalke04.de".

"Dieser Schritt zeigt in meinen Augen aber nur, was in Kevin vorgegangen ist. Er konnte nicht mehr. Seine persönliche Enttäuschung war einfach zu groß. Da hat er es nicht mehr ausgehalten. Man sollte vielmehr über die Beweggründe nachdenken."

Zum dritten Mal unfair behandelt

Kuranyi habe zum dritten Mal eine große Enttäuschung bei der Nationalmannschaft hinnehmen müssen. Vor der WM 2006 sei Kuranyi unfair ausgebootet worden.

"Dann kämpft er sich in die Nationalmannschaft zurück, hat unter anderem mit zwei Toren gegen Tschechien großen Anteil daran, dass sich die DFB-Elf für die Europameisterschaft qualifiziert, bekommt aber bei dem Turnier kaum Einsatzzeiten, obwohl die anderen nicht in Top-Form waren", sagte Müller weiter: "Und jetzt ist er bei einem so wichtigen Spiel wie dem gegen Russland nicht im Kader. Das war zu viel für ihn."

Ungleiche Behandlung

Der Schalker Manager erklärte, er hätte sich gewünscht, wenn Löw dem Schalker "das gleiche Vertrauen entgegengebracht hätte wie den anderen Angreifern".

Seit der Weltmeisterschaft 2006 habe nur Mario Gomez ähnlich viele Treffer in der Bundesliga erzielt wie Kuranyi. Alle anderen deutschen Stürmer hätten deutlich dahintergelegen, so der Schalker Manager.

Der S04-Angreifer sei ein Gerechtigkeitsfanatiker, so Müller, er fühle sich ungerechnet behandelt.

Mitschuld der Schalker Fans

Müller hofft, dass die von Kuranyi getroffene Entscheidung viel Druck und Belastung vom Spieler nehmen werde. Angesprochen auf die Negativhaltung selbst in Teilen der Schalke Fans in Bezug auf Kuranyi erklärte der Manager:

"Die haben sich bei Niederlagen, die die gesamte Mannschaft zu verantworten hatte, oft Kevin rausgepickt und ihn ausgepfiffen. Er hat das immer geschluckt und weiter hart an sich gearbeitet. Aber irgendwann platzt jedem der Kragen."

Der Manager weiter: "Deshalb müssen sich die, die gepfiffen haben, fragen, inwieweit sie zu der Situation beigetragen haben."

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