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Heiko Herrlich (l.) übernahm das Traineramt beim VfL Bochum von Marcel Koller © imago

Heiko Herrlich peilt mit den Bochumern gegen Stuttgart das Ende der Pleitenserie an. Trainerkollege Gross genießt Heimatgefühle.

Von Nikolai Kube

Bochum/München - Heiko Herrlich hat es vorgemacht.

Mit Entschlossenheit trat der Trainer des abstiegsbedrohten VfL Bochum am Mittwoch vor die Presse.

"Sie werden festgestellt haben, dass ich hier nicht reingekrochen komme", sagte der Coach des Tabellen-15. vor der richtungsweisenden Partie gegen den VfB Stuttgart (ab 20.15 Uhr LIVE) und fügte an: "Ich gehe noch aufrecht."

Ganz in Gegensatz zu seiner Mannschaft. Denn die wartet seit neun Spieltagen auf ein Erfolgserlebnis, präsentierte sich zuletzt beim 0:2 in Köln desolat und liegt nur noch einen Punkt vor dem Vorletzten Hannover 96.

Tendenz spricht gegen Bochum

Und auch das Restprogramm hat es in sich: Dem Heimspiel gegen die "Mannschaft der Stunde" folgt die fast unlösbare Reise zu den Bayern. Zum Abschluss kommt es dann zum Abstiegs-Thriller gegen Hannover. (DATENCENTER: Bundesliga)

Die Tendenz spricht gegen den VfL. Für Herrlich, der mit den Journalisten gnadenlos abrechnete, kein Problem: "Wir schauen nach vorne, die Mannschaft ist motiviert und will gewinnen."

Dafür sei aber deutlich mehr Zusammenhalt von Nöten. "Wir müssen uns als Einheit präsentieren", fordert Herrlich.

Fans protestieren

Die Fans machen derweil auf ihre Leidenszeit aufmerksam und schrieben Plakate, die sie am Trainingsgelände enthüllten.

Darauf war unter anderem zu lesen:

"Leidenschaft, Einsatz, Siegeswillen! Und Ihr?" beziehungsweise: "Überall spielen die Talente, in Bochum gehen sie dann in Rente."

Freier und Fuchs wieder fit

Die "Jetzt-erst-recht-Mentalität", die er von seinen Spielern verlangt, lebt Coach Herrlich vor: "Und wenn ich an der Seitenlinie hin und her rennen muss wie ein Wahnsinniger: Ich werde alles dafür tun, dass der Funke vom Rasen überspringt und die Fans hinter uns stehen."

Bitter für Bochum: Die Verletzung von Christoph Dabrowski, der sich beim 1:2 gegen den HSV einen Achillessehnenanriss zugezogen hatte, reißt ein großes Loch ins VfL-Mittelfeld.

Etwas Mut schöpfen die Bochumer aus der Tatsache, dass Stürmer Diego Klimowicz zumindest als Joker mitmischen kann.

Der Argentinier hatte zuletzt mit Hüftproblemen zu kämpfen. Ebenso wieder mit von der Partie sind Paul Freier (eitrige Angina) und Christian Fuchs (Rückenprobleme).

Positive Erinnerungen an das Hinspiel

Und auch die Erinnerungen an das Hinspiel lassen die VfL-Fans hoffen: In Unterzahl entführte der Ruhrpott-Klub durch einen Freistoßtreffer von Fuchs zum 1:1 in letzter Sekunde einen Punkt aus Stuttgart.

Den Fan-Protesten nach der Partie folgte die Entlassung des VfB-Trainers Markus Babbel.

Christian Gross übernahm das Zepter und brachte den Erfolg zurück: Von Platz 16 kämpften sich die Schwaben bis auf Rang sechs hoch, sogar die Europa-League-Qualifikation ist nun in Reichweite.

Progrebnyak fehlt gesperrt

"Wir müssen gewinnen, um uns die Option offen zu halten, in der nächsten Saison international zu spielen", sagt Gross, der aber vor den Bochumern warnt: "Für den VfL geht es um sehr viel. Ich erwarte ein hart umkämpftes Spiel."

Fehlen wird dem Erfolgscoach der gelb-gesperrte Stürmer Pavel Progebnyak. Auch die angeschlagenenen Stefano Celozzi und Sebastian Rudy stehen nicht zur Verfügung.

Nationalspieler Sami Khedira und Alexander Hleb rücken nach ihren ausgeheilten Blessuren wohl wieder in der Startformation.

Gross' Rückkehr in die alte Heimat

"Es sieht gut aus, dass sie von Beginn an spielen können", erklärt Gross, der als Spieler zwischen 1980 und 1982 insgesamt 29 Mal für den VfL Bochum auflief.

Eine besondere Partie für Gross, auf die er sich freut: "Das ist schon ein spezielles Gefühl, wieder in das Stadion zurückzukehren, wo ich selber gespielt habe."

Gastgeschenke werden Herrlich und seine Bochumer aber mit Sicherheit nicht verteilen.

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