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Bruno Labbadia kam vor der Saison von Bayer Leverkusen zum HSV © getty

Die Luft wird dünn für den Trainer. Das 1:5 in Hoffenheim sorgt für Entsetzen. Den Spielern fehlen die Worte, Hoffmann ist sauer.

Von Daniel Rathjen

München - Seine Stimme zitterte und war leise.

Bruno Labbadia fehlte die Kraft nach der bitteren 1:5 (0:3)-Demütigung bei 1899 Hoffenheim (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Der Hamburger SV hat vier Tage vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Europa League beim FC Fulham den vorläufigen Tiefpunkt einer katastrophalen Rückrunde erlebt 228449(die Bilder).

Und die Zukunft des seit Wochen in der Kritik stehenden Trainers ist offener denn je.

Aktuell deutet vieles auf eine Entlassung des 44-Jährigen hin. Ein Bekenntnis kam Vorstandsboss Bernd Hoffmann jedenfalls nicht über die Lippen.

Zerknirscht sagte er bei LIGA total!: "Ich muss diese Niederlage erstmal sacken lassen."

"Wir werden jetzt zunächst alle Gespräche gemeinsam mit dem Trainer führen und danach müssen wir sehen, was das Richtige für Donnerstag ist."

Versichern wollte er nicht, dass Labbadia auch noch im Rückspiel gegen Fulham auf der Bank sitzt.

Macht Rauswurf Sinn?

Aus der verklausulierten Fußball-Sprache übersetzt, heißt das im Klartext: Labbadia muss um seinen Job bangen.

Eindeutig ist aber auch, dass Hoffmann, der Labbadia vor der Saison unbedingt verpflichten wollte, mit seinem Namen für den Trainer steht.

Fraglich wäre zudem, ob ein Rauswurf vor dem wichtigen Spiel gegen Fulham überhaupt Sinn macht. Eine Krisensitzung fand am Sonntagabend nicht mehr statt.

Labbadia selbst weiß, dass der Druck auf ihm lastet. "Das war eine desolate Leistung von uns. Ich bin sehr enttäuscht. Es ist ein bitterer Moment", beschrieb der Coach seine Gefühlslage.

Ob er auch beim nächsten Spiel damit rechnet, auf der Bank zu sitzen? "Natürlich muss ich davon ausgehen. Wir werden uns genaue Gedanken machen, wie wir am Donnerstag auftreten. Das ist meine Pflicht."

Er wehrte sich aber gegen Vorwürfe, die Mannschaft spiele gegen ihn: "Wenn die Mannschaft gegen den Trainer spielen würde, würde sie auch gegen sich selbst spielen. Das macht keinen Sinn."

"Wir wollten die Chance auf die Europa League wahren. Stattdessen präsentieren wir uns so, wie wir uns in dieser Saison noch nicht präsentiert haben", sagte er konsterniert.

Bei fünf Punkten Rückstand auf den Tabellensechsten VfB Stuttgart bleibt dem HSV wohl nur noch die Hoffnung auf den Titel in der Europa League, um sich erneut für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren.

Vedad Ibisevic (2., 11.) brachte die Gastgeber mit seinen Saisontoren Nummer elf und zwölf früh in Führung.

Trochowski fehlen die Worte

Chinedu Obasi (31.) erhöhte noch vor der Pause auf 3:0. Nach dem sehenswerten Ehrentreffer durch Robert Tesche (65.) bauten erneut Obasi (72.) und Sejad Salihovic das Ergebnis weiter aus (77.).

Eine Minute vor dem Ende sah Youngster Tolgay Arslan wegen einer vermeintlichen Tätlichkeit zudem eine allerdings unberechtigte Rote Karte.

Den Hamburger Profis fehlten anschließend die Worte. Nationalspieler Piotr Trochowski zeigte sich ratlos.

"Ich habe keine Erklärung, wieso man sich so vorführen lässt. So, wie wir aufgetreten sind, ist das unverantwortlich. Das ist unerklärlich. Wir wissen nicht, wie wir als Mannschaft gegen die ganzen Schwierigkeiten ankämpfen sollen."

Unruhe von Außen

Er bemängelte, dass zu viel Unruhe von außen in die Mannschaft hereingetragen werde.

Frank Rost bemerkte: "Für mich ist nur wichtig, dass wir einigermaßen gestärkt in das Rückspiel in Fulham gehen."

"Weil wenn wir da vorne attackieren und drauf gehen, kriegen wir genauso eine Packung wie hier, da müssen wir uns schon ein bisschen anders anstellen."

Bei Hoffenheim herrschte dagegen Zufriedenheit. Die Negativserie von sieben Partien ohne Sieg gehört der Vergangenheit an.

Die verbleibenden zwei Spiele in Frankfurt und gegen Stuttgart können und etwas gelassener angegangen werden.

"Die frühen Tore haben uns sehr gut getan. In den folgenden Partien wollen wir nun an unsere Leistung anknüpfen", blickte Trainer Ralf Rangnick voraus.

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