Unter seiner Regie hatte der HSV Erfolg: In seiner Kolumne deckt SPORT1-Experte Huub Stevens die wahren Ursachen der Krise auf.

Hallo Fußball-Freunde,

ich bin immer direkt, ich spreche Fehler sofort an, so kennen mich meine Spieler, so kennen Sie mich, liebe SPORT1-User. Deswegen komme ich auch sofort zum Punkt: Was der Hamburger SV in Hoffenheim gezeigt hat, war eine Frechheit!

Das Stellungsspiel in der Abwehr: Grausam! Die Einstellung der gesamten Mannschaft: Eine Katastrophe! Frank Rost war die ärmste Sau auf dem Platz. Seine Teamkollegen haben sich in der Liga offenbar aufgegeben.

Vier Tage vor der wichtigen Partie in Fulham ist es eine Ungeheuerlichkeit, sich so abfertigen zu lassen. Das kann man niemandem anbieten. Wäre ich noch Trainer beim HSV, ich hätte ein ordentliches Donnerwetter auf die Spieler einprasseln lassen.

Jetzt hat sich der HSV ein Eigentor geschossen: Weil die Akteure gedanklich schon beim Europa-League-Halbfinale waren, haben sie selbst noch mehr Unruhe hereingebracht.

Bruno Labbadia kann ich da keinen Vorwurf machen. Es ist die Ehre der SPIELER, auf die es bei solchen Begegnungen ankommt.

Es ist schade und der falsche Schritt, dass der Trainer jetzt gefeuert wurde. Ein Wechsel zu diesem Zeitpunkt bringt nichts. Ein adäquater Ersatz ist nicht da.

Ich hätte es befürwortet, wenn sich der Vorstand ganz klar zu Labbadia bekannt und ihm damit den Rücken gestärkt hätte. Nun müssen sie in Hamburg schauen, dass sie irgendwie Ruhe hineinbringen und mit dem Einzug ins Finale der Europa League noch die Saison retten.

Danach ist alles offen. Aber eines ist klar: Nach dem Rausschmiss von Labbadia müssen sich auch andere Leute hinterfragen.

Boss Bernd Hoffmann war verantwortlich für Labbadias Verpflichtung. Schon als ich den HSV verlassen habe, wollte er Bruno unbedingt nach Hamburg holen.

Ich habe damals gesagt: Für Labbadia kommt ein Engagement beim HSV noch zu früh. Er wurde nicht geholt, dann brachte Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer Martin Jol.

Als Labbadia dann 2009 kam, gab ihm Bernd Hoffmann dann auch noch den Posten als Sportdirektor. Das war der größte Fehler.

Ich war beim HSV erfolgreich, weil die Konstellation mit Beiersdorfer, Hoffmann und mir gepasst hat. In dieser Saison fehlt der Puffer, die Unruhe kann ungehindert an die Mannschaft heran. Es ist eine wirklich schwierige Situation.

Ich habe momentan übrigens viel Arbeit bei Red Bull Salzburg, wir müssen in den letzten vier Spielen Platz eins verteidigen. Das nur nebenbei...

Spannend bleibt die Bundesliga so oder so. Ich freue mich richtig auf die letzten zwei Spiele und den Titelkampf. Schalke und Bayern punktgleich - besser geht's doch nicht.

Die Münchner haben die leichteren Gegner, aber Schalke hat einen Vorteil: Magath kann sich mit seiner Mannschaft voll auf die Liga konzentrieren, während Bayern in Lyon spielt.

Solche Sachen können entscheidend sein. Wir werden sehen.

Bis nächste Woche,Euer Huub Stevens

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