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Bruno Labbadia wechselte vor der Saison aus Leverkusen nach Hamburg © getty

Nach dem Offenbarungseid in Hoffenheim ziehen die Hamburger die Reißleine und entlassen den Coach. Interimscoach wird ein Holländer.

Von Martin Volkmar und Christian Stüwe

München/Hamburg - Der Hamburger SV hat unmittelbar vor seinem wichtigsten Saisonspiel die Reißleine gezogen und sich nach einer Krisensitzung am Montagmorgen von Trainer Bruno Labbadia getrennt.

Entsprechende Meldungen bestätigte HSV-Vereinsboss Bernd Hoffmann am Montagmittag auf einer Pressekonferenz (Kommentar: Auch Hoffmann ist gescheitert).

"Wir haben die Situation wie angekündigt analysiert. Sie hat sich so dargestellt, dass wir nicht erwarten konnten, das Spiel am Donnerstag in Fulham erfolgreich zu bestehen", sagte Hoffmann.

"Es war der letzte Zeitpunkt, um zu reagieren, um das Ziel Europa League nicht zu gefährden."

Reaktion auf Talfahrt in der Rückrunde

Einen Tag der blamablen 1:5 (0:3)-Demütigung bei 1899 Hoffenheim reagierte der Vorstand der Hanseaten damit auf die anhaltende Talfahrt in der Liga und setzte zugleich ein Signal für das Halbfinal-Rückspiel der Europa League beim FC Fulham am Donnerstag.

Bei der Partie in London übernimmt Techniktrainer Ricardo Moniz das Amt als Interimscoach, um nach dem 0:0 im Hinspiel den Traum des HSV vom Europapokal-Endspiel am 12. Mai im eigenen Stadion doch noch zu verwirklichen.

Der Niederländer, dessen Wechsel zum österreichischen Meister Red Bull Salzburg zur kommenden Spielzeit bereits feststeht, leitete am Montag das Vormittagstraining.

Moniz wurde noch von Vorgänger Martin Jol installiert und soll in der Mannschaft ein hohes Ansehen haben.

Spekulationen über Löw

Vermutlich wird er bis Saisonende das Team betreuen, damit der HSV in Ruhe einen Nachfolger suchen kann.

Zuletzt war immer wieder über Bundestrainer Joachim Löw spekuliert worden, sofern er nach der WM in Südafrika wie allgemein erwartet beim DFB aufhört.

Allerdings müssten die Hanseaten dann wohl bis Mitte Juli warten, denn vor oder während des Turniers wird Löw kaum eine solche Entscheidung bekanntgeben.

Labbadia jedenfalls, dessen Vertrag bis 30. Juni 2012 datiert ist, trauten die Klub-Verantwortlichen nicht mehr zu, das Ruder im Saisonfinale noch herumzureißen.

Vertreter des Aufsichtsrats hatten sich schon nach der Krisensitzung eindeutig geäußert: "Das Thema Labbadia ist durch."

Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" steht eine Abfindung in Höhe von einer Million Euro im Raum. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nur ein Sieg aus den letzten sieben Spielen

Zuletzt hatten sich die Zweifel gemehrt, dass Labbadia die Mannschaft noch erreicht.

In den vergangenen sieben Bundesligapartien war den Norddeutschen nur ein Sieg gelungen.

Höhepunkt war der öffentliche Disput zwischen Labbadia und Torwart Frank Rost, der vergangene Woche nach der ihm vorgeworfenen Disziplinlosigkeit aus dem Mannschaftsrat zurückgetreten war.

Doch auch danach hatte es Krach mit Mladen Petric gegeben, mit dem es sich Labbadia ebenso wie mit zahlreichen anderen Leistungsträgern verscherzt hatte.

Kritiker erkannten deutliche Parallelen zu seinen letzten Jobs bei Bayer Leverkusen und der Spvgg Greuther Fürth, als die Mannschaften auch fulminant gestartet und in der Rückrunde eingebrochen waren.

Zudem hatte Labbadia mit seinen Methoden wie in Leverkusen auch in Hamburg am Ende das Team fast komplett gegen sich.

Den letzten Ausschlag gab die 1:5-Pleite in Hoffenheim am Sonntag 228449(die Bilder), durch den der HSV die letzte Chance auf einen Europacup-Platz in der Liga verspielt hat.

Labbadia: Sechster Trainer in sechs Jahren

Labbadia hatte das Traineramt Anfang Juni vergangenen Jahres als Nachfolger des Niederländers Martin Jol übernommen.

Der frühere Bundesligaprofi war für eine geschätzte Ablöse von 1,3 Millionen Euro vom Ligarivalen Bayer Leverkusen an die Elbe gewechselt.

Er war bei seiner Verpflichtung der sechste Trainer des HSV in knapp sechs Jahren.

Entsprechend massiv dürfte nun die Kritik am ohnehin umstrittenen Vorstandsboss Hoffmann wegen dessen Personalpolitik werden.

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