Dass Labbadias Ära beim HSV schon beendet ist, hat eine wichtige Ursache. Ein Kommentar von SPORT1-Redakteur Daniel Rathjen.

Die Euphorie war groß im Sommer 2009. Er sollte der langersehnte Perspektiv-Trainer werden: Mit Bruno Labbadia wollte der Hamburger SV eine neue Ära einläuten.

Vorstandsboss Bernd Hoffmann mochte den Ex-Leverkusener. Ihm gefiel dessen Faible für Details, die positive Besessenheit und die Akribie, mit der er vorging.

Für seine Philosophie sollte Platz geschaffen werden. Zuvor hatte sich in Hoffmanns Amtszeit den Trainern Kurt Jara, Klaus Toppmöller, Thomas Doll, Huub Stevens und Martin Jol aus diversen Gründen nicht ausreichend Gelegenheit geboten.

Doch es kam anders. Nach nur zehn Monaten ist auch Labbadias Zeit beim HSV vorbei. Hoffmann ist immer noch da.

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Gescheitert ist beim HSV nicht nur Labbadia, sondern auch die Idee des Vorstands.

Es war ein unentschuldbarer Fehler, einen jungen, unerfahrenen Bundesligatrainer diese schwierig zu führende Mannschaft leiten zu lassen - und das nach dem Weggang von Dietmar Beiersdorfer auch noch ohne Sportdirektor.

Beispielhaft für die Unerfahrenheit Labbadias ist die Tatsache, dass er es sich innerhalb kürzester Zeit mit allen wichtigen Spielern verscherzt hat. Wie schon in Leverkusen.

Ein Ratgeber, der ebenfalls dicht bei der Mannschaft ist, wäre dringend nötig gewesen.

Fachlich hat Labbadia definitiv eine hohe Kompetenz, er ist kein schlechter Trainer. Doch im Umgang mit den Spielern fehlte ihm augenscheinlich die Methodik.

In der Mannschaft hatte er dadurch jegliches Standing verloren. Die Kommunikation zwischen Team und Trainer war zerstört. Das Verhältnis spiegelte sich auf dem Platz wider.

Doppelpässe, Hinterlaufen oder Pässe in die Tiefe waren nicht zu sehen. Gesamtkonzept - Fehlanzeige.

Teilweise kann das durch das große Verletzungspech erklärt werden, wodurch sich das Team nie richtig einspielen konnte.

Aber insgesamt wirkte der HSV verängstigt. Risikopässe wurden vermieden. Der Mannschaft war die Verunsicherung durch die ständigen Querelen anzusehen.

Letztlich glaubte auch der Großteil der Fans nicht mehr, dass der "Pistolero" den Klub noch einmal auf Kurs bekommt.

Aus seiner Zeit beim HSV muss Labbadia nun die Lehren ziehen. Genau wie der HSV - sprich Bernd Hoffmann. Auch er wird sich hinterfragen müssen.

Und der nächste Trainer muss zu den hohen Ansprüchen, aber vor allem auch kurzfristig angelegten Zielen des Vereins passen.

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