vergrößernverkleinern
Ricardo Moniz (r.) steht seit 2008 beim Hamburger SV unter Vertrag © getty

Der neue HSV-Coach Moniz stapelt keineswegs tief. Mit dem Schwerpunkt Ballbeherrschung will er den Titel in der Europa League holen.

Von Daniel Rathjen

München - Ricardo Moniz nannte ihn selbst "dramatisch".

Den Tag, an dem er zum Cheftrainer des Hamburger SV aufstieg. Der 26. April 2010 wird dem Niederländer allein deshalb lange in Erinnerung bleiben.

Als Nachfolger des geschassten Bruno Labbadia hat der 45-Jährige - wie so viele HSV-Trainer vor ihm - eine Mission:

Auf dem Rathausmarkt soll am Ende der Saison ein Titel präsentiert werden. Davon trennen den neuen Interimscoach nur zwei Spiele.

Am Donnerstag beim FC Fulham (ab 20.45 Uhr LIVE) können er und sein Team den Einzug ins Finale der Europa League im eigenen Stadion perfekt machen.(DATENCENTER: Europa League)

"Wir können Geschichte schreiben - ich muss und werde vorangehen", sagte Moniz kurz nach seiner Beförderung. Labbadia war zu diesem Zeitpunkt schon abgerauscht 229696(DIASHOW: Der einsame Labbadia).

Vereinsboss Bernd Hoffmann lobte die Identifikation von Moniz mit dem Klub.

"Wir haben uns auch über Alternativen Gedanken gemacht. Aber es gibt wohl niemanden, der mehr HSVer ist als Moniz."(Kommentar: Auch Hoffmann ist gescheitert)

Moniz ist noch ein "Überbleibsel" aus dem umfangreichen Trainerstab, den einst Labbadia-Vorgänger Martin Jol mit nach Hamburg brachte und vom Wesen her vergleichbar mit Thomas Doll.

Im Verein war er zuletzt Technik-Trainer und ist bekannt als fröhlicher Mensch, der immer einen lustigen Spruch auf den Lippen hat. In den Trainingseinheiten motiviert er lautstark, schnürt selbst die Fußballschuhe, läuft und grätscht in den Spielchen mit. Die Spieler mögen ihn.

Labbadia pflegte in Hamburg schweigend daneben zu stehen und war mehr Beobachter.

Die Unterstützung der Spieler dürfte Moniz sicher sein. Das sah der Vorstand bei Labbadia nicht mehr gewährleistet.

Verhältnis zu Labbadia zerrüttet

Unglücklich über dessen Entlassung waren die Profis sicher nicht. Das Verhältnis zwischen Team und Trainer war offenbar vollkommen zerrüttet.

Auf Nachfrage wollte sich kein Profi zu Labbadia äußern. "Das haben wir so abgesprochen", berichete Joris Mathijsen.

Neben seiner Beliebtheit in der Mannschaft kommt Moniz wohl auch seine Erfahrung zugute.

Weltenbummler Moniz

Er war zuvor - meist als Assistenz- oder Jugend-Trainer - bei Tottenham Hotspur, PSV Eindhoven, Grashopper Zürich (mit dem jungen Mladen Petric), Feyenoord Rotterdam, in den Vereinigten Arabische Emiraten und bei VV Nuenen tätig.

Moniz' Vorbild, der niederländische Fußballtrainer Weil Coerver, prägte mit dem nach ihm benannten "Coerver-Modell" seine Philosophie.

Danach ist die Ballbeherrschung und der damit einhergehende Fokus auf die Technik der Kern der Trainingsarbeit.

Keine Zukunft beim HSV

Im Sommer wird Moniz dem früheren HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer und Ex-HSV-Coach Huub Stevens folgen und sein Konzept bei Red Bull etablieren.

Dort soll er Headcoach für die Fußball-Projekte und Chef-Ausbilder für Nachwuchstrainer werden. Ob er im Falle des Europa-League-Sieges bleibt? Wohl kaum.

Seinem scheidenden Chef attestierte er, "ein fantastischer Trainer und Mensch" zu sein.

Gespräch mit Labbadia

"Ich habe mit ihm gesprochen", sagte er. Labbadia habe ihm versichert, er habe kein Problem damit, dass Moniz nun für die Mannschaft verantwortlich ist. "Das war mir sehr wichtig."

Nun muss er nach vorne blicken - vor allem auf das Spiel gegen Fulham.

"Der HSV ist ein großer Klub mit bewegter Vergangenheit", hatte Moniz bei seiner Ankunft in Hamburg gesagt.

Zwei Jahre später kann er tatsächlich Historisches schaffen und dem Verein zu einer glanzvollen Gegenwart verhelfen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel