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Christoph Metzelder blieb in seiner Länderspielkarriere ohne Treffer © getty

Der 47-malige Nationalspieler wechselt ablösefrei von Real Madrid in den Pott. Doch der Transfer ist nicht ganz unproblematisch.

Von Martin van de Flierdt

München - Felix Magath hatte es am Wochenende bereits angekündigt.

"Wir wollen mit dem Geld Finanzlöcher stopfen", sagte der Schalker Macher nach der Qualifikation für die Champions League, die dem bislang klammen Klub mindestens 20 Millionen Euro einbringt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir müssen für die Champions League aber auch in die Mannschaft investieren." Magath macht nun bereits drei Tage später Nägel mit Köpfen: Christoph Metzelder wechselt von Real Madrid nach Gelsenkirchen.

Sein Vertrag bei läuft am Saisonende aus, der 29-Jährige wird daher ablösefrei vom Königlichen zum Königsblauen. Metzelder unterschrieb einen Vertrag bis 2013.

"Ich bin heilfroh, dass dieser Transfer zustande gekommen ist", bekannte Magath nun: "Wir müssen uns für die Champions League vorbereiten und unseren Kader dahingehend aufstellen. Christoph wird dabei mit seiner Erfahrung eine sehr wichtige Rolle spielen."

Metzelder sei ein "etwas anderer Profi, ein Führungsspieler mit hohem Verantwortungsbewusstsein."

Verpflichtung nicht unproblematisch

26 Klub-Einsätze auf europäischer Ebene hat der Abwehrspieler bislang auf dem Konto. Zuletzt spielte er am 10. Dezember 2008 in der Champions League, bei Madrids 3:0-Heimerfolg gegen Zenit St. Petersburg.

Die Verpflichtung des 47-maligen Nationalspielers ist aus mehreren Gründen nicht unproblematisch. Zum einen gilt Metzelder als äußerst verletzungsanfällig - ein Umstand, der dafür mitverantwortlich war, dass er in drei Jahren bei Real Madrid auf nur 23 Ligaeinsätze kam.

"Ich bin davon überzeugt, dass das hier kein Thema sein wird", meint Magath dazu. "Wir legen schließlich viel Wert auf Trainingsarbeit."

Aus dem Fokus des Bundestrainers

Für die Nationalmannschaft ist der Vize-Weltmeister von 2002, WM-Dritte von 2006 und Vize-Europameister von 2008 aufgrund mangelnder Einsätze in Spanien seit zwei Jahren kein Thema mehr. Magath allerdings nennt ihn einen "ehemaligen und künftigen Nationalspieler".

"Er hat sich nie aus der Nationalmannschaft verabschiedet, sondern wurde nur nicht nominiert", erinnert auch Metzelders Berater Jörg Neubauer der "dpa" gegenüber. "Wir sind fest davon überzeugt, dass er wieder gute Zeiten im Nationalteam haben wird."

Zum Zweiten holt sich der Coach mit Metzelder einen weiteren Innenverteidiger ins Boot. Auf dieser Position ist Schalke mit Marcelo Bordon, Benedikt Höwedes, Heiko Westermann, Carlos Zambrano und Tore Reginiussen bereits so gut besetzt wie auf kaum einer anderen.

Handlungsfreiheit für Magath

Magath gewinnt nun allerdings die Handlungsfreiheit, dem 34 Jahre alten Bordon Ruhepausen zu gönnen oder womöglich den von mehreren Vereinen umworbenen Höwedes gewinnbringend zu veräußern.

"Für mich ist ein Wechsel kein Thema", erteilte Höwedes diesen Gedankenspielen aber eine sofortige Absage.

Schwarz-gelbe Vergangenheit

Der Youngster - und damit zu Punkt drei - ist als Ur-Schalker eine Identifikationsfigur für den königsblauen Anhang, ganz im Gegensatz zu Metzelder.

Der verbrachte zwar 1995 ein Jahr in der Schalker B-Jugend ("eine völlig verkorkste und verlorene Saison für mich"), fand dann über Preußen Münster aber den Weg zum Gelsenkirchener Erzrivalen Borussia Dortmund. Mit dem BVB wurde er 2002 Deutscher Meister und stieg zum Nationalspieler auf.

In schmerzhafter Erinnerung ist den Schalkern zudem das letzte Heimspiel Metzelders im Sommer 2007. Als Linksverteidiger machte dieser an jenem 33. Spieltag sein bestes Saisonspiel und legte beide Treffer zum Dortmunder 2:0-Erfolg auf, der den Königsblauen die ersehnte Meisterschaft vermasselte.

Salz in die Wunden

Anschließend waren unter anderem auch über Metzelders Homepage Anti-Schalke-Shirts mit den Aufschriften "zweizunull" oder "Meister der Herzensbrecher" zu erwerben.

"Was will der denn auf Schalke?", mokierte sich bereits ein Leser der "WAZ". "Ich habe nirgendwo gelesen, dass der Platzwart gekündigt hat."

Magath nimmt Metzelders damalige Aktion mit Humor: "Dass er sich damals für seinen Verein eingesetzt hat, spricht eher für ihn. Dass Ressentiments bestehen, ist normal. Aber er ist nicht der erste Spieler mit einer Dortmunder Vergangenheit, der nach Schalke wechselt."

Es dürfte nun zu den vordringlichsten Aufgaben Metzelders gehören, die Skepsis des "Knappen"-Anhangs zu entkräften.

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