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Hans Meyer rettete Nürnberg in der Saison 05/06 vor dem Abstieg © getty

Mannschaften zu retten ist Hans Meyers große Stärke. Im SPORT1-Interview spricht er über Berlins Lage und die Trainerwechsel.

Von Thorsten Mesch

München - Hans Meyer ist nicht nur für seinen Sarkasmus und speziellen Humor bei Interviews bekannt, auch im Abstiegskampf gab der 67-jährige als Trainer stets eine gute Figur ab.

2004 rettete er Hertha BSC Berlin, 2006 den 1. FC Nürnberg und 2009 Borussia Mönchengladbach vor dem Absturz in die Zweite Liga.

Für seinen Ex-Klub Hertha hat er jedoch zwei Spieltage vor Saisonende (33. Spieltag Sa, ab 15 Uhr LIVE) keine Hoffnung mehr.

"Mit sechs Punkten nach der Hinserie steigst du normalerweise ab", sagt der gebürtige Sudetendeutsche, der momentan seine Freizeit genießt. "Letzte Woche habe ich Kängurus gefüttert"", scherzt er auf seine typische Art.

Der Entwicklung, dass immer weniger Punkte zum Klassenerhalt reichen, steht er jedoch kritisch gegenüber. "Man muss sehen, ob es etwas Positives ist oder ob es eine zu deutliche Trennung der Klassen gibt", erklärt er.

Auch die schnellen und ständigen Trainerwechsel gefallen Meyer nicht.

SPORT1: Herr Meyer, wer steigt ab?

Hans Meyer: Das sind die Fragen, die ich so sehr gern habe, weil sie im Grunde sehr spekulativ sind.

SPORT1: Wenn es nach Ihnen ginge?

Meyer: Wenn ich so sehe, welche Kollegen in den Vereinen arbeiten, die alle ihr Bestes geben, ist es eigentlich jedem zu gönnen drin zu bleiben. Im Umkehrschluss wird es für zwei oder drei von ihnen nicht reichen. In den Apfel beißen ist immer scheiße.

SPORT1: Sie haben in Berlin gearbeitet. Glauben Sie denn, dass die Hertha sich noch retten kann?

Meyer: Nach der Hinrunde hatten sie, glaube ich, nur einen Punkt mehr als damals Tasmania Berlin. Mit sechs Punkten nach der Hinserie steigst du normalerweise ab. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Und die anderen Abstiegskandidaten?

Meyer: Wenn man Hertha ausnimmt, stehen da unten nur Mannschaften, die man dort erwarten konnte.

SPORT1: Hannover auch?

Meyer: Sie waren im Frühjahr letzten Jahres in großen Schwierigkeiten. Wenn ich getippt hätte, dann hätte ich gesagt, dass sie Probleme haben könnten.

SPORT1: Glauben Sie, dass Robert Enkes Tod die Leistung der Mannschaft sehr stark beeinträchtigt hat?

Meyer: Ich bin nicht in der Lage, das endgültig zu beantworten. Ich weiß, dass es nicht nur daran liegt. Wenn eine Mannschaft über die ganze Saison so spielt, dann hat es andere Ursachen. Wenn aber einer von deinen Kameraden auf diese Art und Weise aus dem Leben geht, ist es klar, dass das jeden einzelnen und die Mannschaft zwischenzeitlich sehr stark beschäftigt hat.

SPORT1: Wer hat Sie überrascht?

Meyer: Positiv ist Mainz aufgefallen. Alle anderen Mannschaften, die oben stehen, waren doch dort zu erwarten. Genauso ist es unten. Es hat sich im Grunde nicht sehr viel getan. Wie voriges Jahr werden 30 oder 31 Punkte reichen um drin zu bleiben.

SPORT1: Früher sagte man immer, dass man 40 Punkte für den Klassenerhalt bräuchte?

Meyer: Man muss sehen, ob es eine Tendenz ist - und ob es etwas Positives ist, oder ob es eine zu deutliche Trennung der Klassen gibt.

SPORT1: Von den Teams im Keller hat nur Freiburg nicht den Trainer gewechselt. Ein Klub, der für Kontinuität in Sachen Trainer steht.

Meyer: Für die Kontinuität in Freiburg hat immer Armin Stocker gestanden, der ja leider nicht mehr lebt. Wenn aber in Freiburg ein Vorstand ist, der sagt, dass Robin Dutt der richtige Trainer ist und seine Arbeit in den letzten Jahren so hervorragend ist, dass sie glauben, er ist genau der Richtige und ein Wechsel würde nichts bringen, dann ist das für mich eine gute Sache.

SPORT1: Stuttgart, Wolfsburg, Mainz, Nürnberg, Bochum, Hannover, Berlin und zuletzt auch Hamburg und Bochum haben den Trainer gewechselt. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Meyer: Ich glaube, dass immer wieder die Trainer zu schnell gewechselt werden. Das hat damit zu tun, dass viele Vereinsführungen auf fachliche Beratung angewiesen sind. Natürlich werden sie durch den Boulevard angeheizt und zusätzlich in Schwierigkeiten gebracht. Dadurch werden Entscheidungen getroffen, über die man ständig diskutieren könnte. Das ist im Fußball so wunderbar, dass man immer danach, vor allem die, die keine Verantwortung haben, sagen können: das war falsch.

SPORT1: Nur in Stuttgart hat sich der Trainerwechsel so richtig gelohnt.

Meyer: Interessant wäre, die ganze Sache über einen längeren Zeitraum zu beobachten und zu analysieren. Dann würde man mitbekommen, dass man auch mal zu einem Trainer, der richtig in Schwierigkeiten steckt, stehen kann und es nachher für gut empfindet, die Durststrecke zusammen durchgestanden zu haben.

SPORT1: Bleibt Nürnberg drin?

Meyer: Die Nürnberger Mannschaft ist, so wie sie im Frühjahr unter Dieter Hecking gespielt hat, in der Lage, diese komplizierte Schlussphase der Saison zu bewältigen. Ich glaube, dass sie es schaffen.

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