Die Gründe für die Entlassung von Bochum-Coach Herrlich sind nachvollziehbar. Die Hoffnung auf Besserung ist aber äußerst vage.

Als Heiko Herrlich im Oktober vergangenen Jahres sein Amt in Bochum antrat, hat er eine kleine Euphoriewelle ausgelöst.

Fast einhellig freuten sich die Fans, dass ihr Klub keinen der üblich verdächtigen Passagiere des Trainerkarussells geholt hatte.

Sondern ein unverbrauchtes Gesicht, einen jungen Coach aus dem DFB-Stab, dem ein Ruf als ambitionierter und kompetenter Fachmann vorauseilte.

Und über den Manager Thomas Ernst schwärmte: "Seine Begeisterungsfähigkeit steckt hier alle an."

Derselbe Ernst versicherte auch nach der desolaten Vorstellung in Köln, dem neunten Ligaspiel in Folge ohne Sieg, durchaus glaubhaft, dass man mit diesem Coach auch in die Zweite Liga gehen würde. Man wolle mit ihm "etwas aufbauen".

Keine zwei Wochen und eine Niederlage später heißt es plötzlich: Ach nein, doch nicht.

Das zeugt entweder von enormen Wankelmut oder von akuten Verwerfungen hinter den Kulissen.

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So oder so: Das ist kein gutes Zeichen für einen Klub, der am Wochenende zu den Bayern muss und dann am letzten Spieltag ein Abstiegs-Endspiel gegen Hannover zu bewältigen hat.

In die entscheidenden zwei Spiele geht nun ein Cheftrainer-Novize mit einer Mannschaft, die zuletzt nicht den Eindruck erweckt hat, erstligatauglich zu sein - und besonders offensiv kopf- und hilflos wirkte.

Die Bochumer setzen hier wirklich "alles auf eine Karte" (Ernst), denn in der aktuellen Situation gibt es nur noch die unbestimmte Hoffnung auf einen mentalen Schub des Teams, den man ihm unter der dem alten Coach nicht mehr zugetraut hat.

Man konnte von Herrlich dabei realistisch gesehen keine Wunderdinge erwarten. Er hatte mit einem unterdurchschnittlich besetzten Kader und den allseits bekannten Bochumer Standortnachteilen zu arbeiten.

Aber er hat sich in der Negativserie mit personellen Missgriffen angreifbar gemacht und indem er keine Aufstellung und kein System fand, das sich gewinnbringend einspielen konnte.

Hinzu sind offenbar - trotz beidseitiger Dementis - zwischenmenschliche Probleme zwischen Trainer und Mannschaft gekommen.

Mit Vorsicht ist jedoch das Bild von "Heiko Größenwahn" zu genießen, das nun die Boulevard-Zeitung zeichnet, mit der er sich vor kurzem noch öffentlichkeitswirksam - und mit einigem Recht - angelegt hatte.

Gescheitert ist er aber letztlich nicht an einem Medium, das sich überkritisch auf ihn eingeschossen hatte.

Sondern daran, dass sein Team den berechtigten Teil der Kritik auf dem Platz nicht entkräften konnte.

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