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Friedhelm Funkel trainierte vor Hertha BSC die Mannschaft von Eintracht Frankfurt © imago

Nach dem Remis in Leverkusen steht Herthas Abstieg fest. Preetz ist "zerrissen", die Fans weinen. Bayer hofft auf Platz drei.

Von Daniel Rathjen

München/Leverkusen - Es war die absolute Leere.

"Das ist ein ganz bitterer Augenblick für die Spieler, die Stadt und die Fans", stammelte Michael Preetz nach dem 1:1 (1:0) gegen Bayer Leverkusen.

Hertha BSC steigt nach 13 Jahren Bundesliga ab - in die Zweite Liga (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die Berliner Profis Arne Friedrich, Artur Wichniarek und Lukasz Piszczek sackten mit dem Schlusspfiff in sich zusammen, während der Berliner Fanblock in der BayArena weinte.

"Wir hatten das Szenario seit Wochen vor Augen, nun ist es Gewissheit. Wir sind alle ein wenig zerrissen", brachte Preetz noch hervor.

Es erinnerte an Weltuntergangsstimmung - es ist die große Depression in der Hauptstadt.

30 Millionen Euro Schulden drücken den Verein, die Lizenz für die Zweite Liga gab es nur mit Auflagen. Die Mannschaft wird auseinanderfallen.

Wie es konkret weitergeht, wissen die Verantwortlichen noch nicht.

Zwölf Verträge laufen aus

"Momentan überwiegt die Traurigkeit. Das müssen wir erst einmal zwei, drei Tage sacken lassen", sagte Präsident Werner Gegenbauer.

Fakt ist: Zwölf Verträge laufen aus, die Gerüchteküche um die Zukunft der Stars brodelt 209112(die Wechselbörse).

Kapitän Friedrich, Gojko Kacar, Cicero, Patrick Ebert, Raffael, Jaroslav Drobny, Adrian Ramos, Steve von Bergen und Piszczek stehen vor dem Absprung.

"Das hat der Verein nicht verdient"

Egal ist ihnen Herthas Schicksal nicht. "Berlin als Hauptstadt muss erstklassig sein. Das hat der Verein nicht verdient", sagte Friedrich.

Fraglich ist die Zukunft von Trainer Friedhelm Funkel, dessen Vertrag nur für die Bundesliga gilt.

"Wir werden uns am Saisonende zusammensetzen und dann eine Entscheidung treffen", kündigte Preetz an, und Gegenbauer stellte klar: "Die Frage des Trainers obliegt allein Michael Preetz, der dann einen Vorschlag ans Präsidium macht.

Der Auftritt in Leverkusen war ein Spiegelbild der verkorksten Saison. Auch am Samstag war die Abschlussschwäche einmal mehr entscheidend dafür, dass es nicht zum Sieg reichte.

Ursachen in der Hinrunde

Gut sortiert in der Hintermannschaft und im Konterspiel brandgefährlich brachten die Berliner den Champions-League-Anwärter oft in die Bredouille.

Aber nach der Führung von Raffael (12.) ließen Theofanis Gekas und Co. mehr als ein halbes Dutzend Großchancen ungenutzt. Die Konsequenz war der Ausgleichstreffer durch Manuel Friedrich (59.).

Der Klassenerhalt wurde freilich nicht in Leverkusen oder in den letzten Wochen verspielt.

Die Ursachen des Abstiegs liegen in der schwachen Hinrunde begründet, in der lediglich sechs Punkte geholt wurden.

Preetz schaut nach vorne

14-mal blieb Hertha torlos, ein deutliches Indiz, dass die Abgänge von Marko Pantelic und Andrej Voronin konnten bis zum Schluss nicht kompensiert werden konnten.

"Wir müssen uns jetzt gerade machen, gut aufstellen und versuchen, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen", sagte Preetz.

Vom direkten Wiederaufstieg spricht derzeit allerdings niemand.

Dämpfer für Leverkusen

Auch in Leverkusen ist die Stimmung nicht gerade euphorisch. Vor dem Saisonfinale bei Borussia Mönchengladbach liegt die Werkself mit zwei Punkten Rückstand hinter Werder Bremen auf Platz vier.

Die Champions-League-Teilnahme ist so gut wie verspielt. Immerhin ist die Europa-League-Qualifikation geschafft.

"Wir haben noch eine minimale Chance, im Fußball passiert viel", betonte Nationaltorwart Rene Adler, der nach seinem Rippenbruch zwischen die Pfosten zurückgekehrt war und eine ausgezeichnete Leistung zeigte.

"Wir haben mit großen personellen Problemen viel erreicht. Wir dürfen die Köpfe nicht hängen lassen", bilanzierte Trainer Jupp Heynckes.

Auch er kondolierte letztlich der Hertha: "Ich habe noch nie eine Mannschaft so Fußball spielen sehen, die absteigt."

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