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Winkt Kevin Kuranyi (M.) den Fans nach seinem letzten Heimspiel für Schalke? © getty

Bremen zerstört Schalkes Titel-Wunsch. Doch die Fans feiern die Knappen wie einen Champ. Magath hadert mit dem Schiedsrichter.

Von Thorsten Mesch und Bita Mohammadi

München/Gelsenkirchen - Es hatte wieder nicht ganz gereicht. Doch Felix Magath wurde gefeiert, als hätte er Schalke zur ersten Meisterschaft seit 1958 geführt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Noch 25 Minuten nachdem die Königsblauen durch das 0:2 gegen Bremen ihre Titelchance verspielte hatten, ließen die Fans ihre Spieler hochleben, während die Werder-Profis ihr Auslaufprogramm absolvierten.

"Es ist sensationell und für mich meisterlich, was die Fans in dieser Saison veranstaltet haben", sagte Magath: "Diese Fans haben eine Meisterschaft verdient. Sie hätten sie in dieser Saison verdient gehabt."

La Ola trotz Niederlage

Nachdem Mesut Özil (55.) und Hugo Almeida (64.) mit ihren Treffern die Hoffnung auf den Titel zerstört hatten, feierte der blau-weiße Anhang umso heftiger.

La Ola schwappte durch die Arena, Klassiker wie "Schiebt den Bayern die Schale in den Arsch" und "Königsblauer S04" wurden lauthals angestimmt.

"So etwas gibt es nur auf Schalke. Einzigartig, ein Hammergefühl", sagte Heiko Westermann, der aber wie seine Teamkollegen auch seine Enttäuschung nicht verbergen konnte.

"Ein Traum ist geplatzt"

"Ein Traum ist geplatzt", meinte Kevin Kuranyi.

Schalke habe "eine tolle Saison" gespielt und "mit der Qualifikation fürs internationale Geschäft unser Ziel erreicht", erklärte der ehemalige Nationalstürmer.

Dennoch sei "die Niederlage sehr schade, denn wir hätten unter Umständen noch etwas Größeres erreichen können."

Magath hadert mit Schiedsrichterentscheidung

Doch die Umstände waren gegen Schalke.

Kuranyi traf mit einem Kopfball in der 22. Minute die Latte, und vier Minuten vor der Pause forderten die Knappen nach einem Foul von Per Mertesacker an Benedikt Höwedes Strafstoß.

"Wir hätten einen Elfmeter bekommen müssen", haderte Magath, der Referee Knut Kircher die Hauptschuld an der Pleite gab. "Ich muss erst mal verdauen, dass die Meisterschaft durch eine Schiedsrichterentscheidung entschieden wurde."

Glückwunsch an den FC Bayern

Magath erinnerte auch an die 1:2 Niederlage gegen den FC Bayern. "Da gab es auch eine Elfmetersituation, aber wir haben uns nicht öffentlich beklagt.

In der Vergangenheit habe er die Entscheidungen einfach hingenommen. "Aber wenn ein paar Wochen später noch einmal dasselbe passiert, dann wird man wohl mal was sagen dürfen", erklärte er.

Dennoch gratulierte er aber "selbstverständlich den Bayern zur Meisterschaft."

Bremen hat Platz drei in der Hand

Während Magath sich als grummelnder, aber letztendlich als Verlierer zeigte, blieb Werder-Trainer Thomas Schaaf, dessen Mannschaft durch den Sieg den dritten Platz festigte, gewohnt nüchtern.

"Die Dinge haben sich für mich nicht verändert, weil wir uns weiterhin um unsere Sachen kümmern müssen", sagte Schaaf und blickte schon auf das Nordderby am kommenden Wochenende gegen Hamburg:

"Es ist toll, dass wir am Schluss noch einmal so ein Spiel haben. Wir haben in dieser Saison schon viele Höhepunkte, aber auch viele Enttäuschungen erlebt. Jetzt haben wir es wieder selbst in der Hand."

Özil stellt die Weichen

Mesut Özil, mit einem Tor und einer Vorlage an seiner ehemaligen Wirkungsstätte der Mann des Spiels, warnte: "Die Sache ist noch nicht durch. Wir müssen gegen Hamburg auf jeden Fall gewinnen."

Während Özil kurz davor steht, in Bremen einen neuen Vertrag zu unterschreiben, stehen bei den Schalkern gleich mehrere Spieler vor dem Abschied.

Kuranyi, dessen Vertrag ausläuft, gab mit glasigen Augen Interviews. "Es war einfach sehr emotional. Es hat mich sehr berührt, so gefeiert zu werden, denn in den letzten Jahren habe ich so etwas nicht erlebt", erklärte der Stürmer.

Kuranyi "sehr berührt" - Bordon vor dem Abschied

Mit einem Vereinswechsel beschäftige er sich zwar momentan nicht, doch dürfte er wegen seines hohen Gehalts für die Gelsenkirchener kaum zu halten sein.

Bei Marcelo Bordon sah es so aus, als habe er seine Entscheidung bereits getroffen. Der Brasilianer lief vor dem Spiel mit seinen Kindern auf den Rasen und machte nachher mit ihnen die Welle.

Der Abschied von den Schalker Fans wird ihm sicher nicht leicht fallen.

Nur Höwedes fand in puncto Abschied klare Worte: "Ich definitiv nicht. Ich will auch nächstes Jahr hier Fußball spielen."

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